Psychologie

Das Matriarchat als Paradies für Frauen – Ist das wirklich die bessere Regierungsform?

Ein Matriarchat besteht, wenn die Frauen in einer Gesellschaft regieren. Wir beleuchten die positiven und negativen Seiten anhand des Mosuo-Stammes in China.

Chinesin in Tunika
Wir klären, warum das Matriarchat die ideale Regierungsform sein könnte.

Wenn es darum geht, das Matriarchat in direkten Vergleich zu anderen Gesellschaften zu stellen, dann wird meist das Beispiel des Mosuo-Volkes in Südchchina genommen, das von Frauen regiert und gemanagt wird. Es stellt sich heraus, dass moderne Regierungsformen sich einiges von den Mosuo lernen können.

Das Matriarchat der Mosuo

1.500 Jahre lang gibt es bereits den matriarchalischen Stamm der Mosuo in den Bergen der Yunnan-Provinz in China. Im “Land der Töchter”, so werden die Dörfer auch genannt, haben die Frauen das Sagen. Was das genau bedeutet, zeigen wir euch hier:

  • Die Aufgabe der Frauen ist die Verantwortung über das gesamte Dorf. Sie sorgen dafür, dass es gerecht zugeht und alle Probleme ohne Gewalt gelöst werden. So bestimmen sie über das Vermögen und bilden ihre eigene pazifistische Polizei.
  • Die Aufgaben der Männer sind genau auf sie zugeschnitten. “Männer sind gute Entscheider und verfügen über viel Kraft”, sind sich die Mosuo laut eines Spiegel-Interviews sicher.
  • So entscheiden Männer über wirtschaftliche Fragen und gehen oft Bauarbeiten und Farmers-Tätigkeiten nach.


Mutter und Kind China
Mutter und Kind haben in allen Gesellschaftsformen eine ganz besondere Bindung.(Photo: lada_sher)

Das Matriarchat – in jeder Lebenslage offensichtlich

  • Sogar die Sprache der Mosuo zeigt Hierarchie der Geschlechter: Große Bäume, Berge und Seen sind weiblich, während kleine Hügel, Sträucher und Tümpel männlich sind. Die Frauen sind haben nun einmal das Sagen.
  • In der Republik China ist die größte Strafe der persönliche Gesichtsverlust. Bei den Mosuo nutzen die weiblichen Herrscher genau das für ihre Zwecke. Jegliche Form von Gewalt, Rachegefühlen und Schuldzuweisungen werden mit dem Verlust des sozialen Standes gestraft.
    Gleichzeitig wird ein ehrlicher Umgang miteinander gefördert: Jeder muss sich selbst und anderen eingestehen, wenn er sich mit einer Aufgabe überfordert fühlt.

Sex im Frauenstaat – Das Konzept der Besuchsehe

  • Die Mosuo haben jede Nacht einen anderen Partner – wenn die Frauen das wollen. Diese sogenannte Besuchsehe wird im “Blumenzimmer”, dem Gemach der Damen, vollzogen. Jede Frau ab 14 kann sich tageweise einen Mann aussuchen, den sie dort nach Einbruch der Dunkelheit empfängt. Dann wird Liebe gemacht bis zum Morgengrauen.
  • Trotz der vielen Freiheiten sind Beziehungen nicht selten. Viele Frauen bleiben ihren Männern jahrelang treu.
  • Alles, was zählt, ist die wahre Liebe: Bei den Mosuo gibt es keine Zweckbeziehungen á la “Wir bleiben für die Kinder zusammen”. Liebe ist der einzige valide Grund für eine Partnerschaft.
  • Die Frauen sind sexuell so unabhängig wie nur möglich. Sie praktizieren die “freie Liebe” in ihrer reinsten Form: Wenn sie die Nacht mit einem Mann verbringen möchten, dann tun sie das. Danach geht jeder wieder seiner Wege. 


China: Mann und Frau
Manche Partnerschaften halten bei den Muoso bis ins hohe Alter hinein.

Heirat als Horrorgeschichte

Für immer an einen Menschen gebunden sein? Da läuft es den Kindern der Mosuo eiskalt den Rücken herunter. Sie lassen sich von “normalen” Ehen als Horrorstorys vor dem Einschlafen berichten. Jeder kennt und liebt die Freiheiten, die mit dem Lebensstil  des Mosuo-Stammes einhergehen.

Väter gibt es nicht

Natürlich haben auch die Kinder der Mosuo leibliche Väter – nur kennen sie sie nicht. Eine Frau kann nie genau wissen, von welchem Mosuo-Mann sie geschwängert wurde. Das ist aber kein Problem, da die Kinder ohnehin bei ihr und ihrer Familie aufwachsen. 

Klar, dass Kinder automatisch den Namen der Mutter annehmen. Gemeinsam wohnen sie ein Leben lang zusammen bei der eigenen Familie. Oma, Tanten, Onkel und alle Kinder teilen sich die Häuser.


Frau mit Blumen im Haar
Ob das Matriarchat die bessere Gesellschaftsform ist, muss jeder selbst entscheiden.

Ist ein Matriarchat das Paradies für Frauen?

Das kommt ganz darauf an, wie man sich das Paradies vorstellt. Ein Matriarchat besteht dann, wenn die Frau mehr Entscheidungsgewalten über die eigene Gesellschaft oder Gruppe hat als der Mann. Mit diesem Privileg geht aber auch eine große Verantwortung einher. Paradies ist somit das falsche Wort – es ist einfach anders.

Fazit – Das Paradies gibt es nicht

Matriarchalische Gesellschaften hat es schon vor Tausenden von Jahren über den Globus verteilt gegeben. Das Konzept der starken Frauen ist also nichts Neues. Das macht es weniger erstaunlich, dass wir so viel über Familiensinn, sexuelle Freiheiten und Gruppenorganisation von Stämmen wie den Mosuo lernen können.

Trotzdem sollte keiner vorschnell urteilen. Ein Matriarchat ist nicht automatisch besser als ein Patriarchat oder ein beliebiger anderer Gesellschaftstyp. Lernen können wir von allen und Fehler finden sich bei jedem.