Lügst du hin und wieder? Wer jetzt Nein sagt, ist entweder eine Heilige oder lügt just in diesem Moment. Tatsache ist nämlich, dass wir alle das ein oder andere Mal lügen. Es ist natürlich nicht so, dass wir allesamt Kavaliersdelikte begehen, die wir zu verheimlichen versuchen. Aber wir alle werden beispielsweise schon ein Geschenk angenommen haben, welches so schrecklich war, dass uns ein verstohlenes Lächeln und ein „Danke, das habe ich mir gewünscht!“ über die Lippen lief. Ab welchem Punkt eine Lüge problematisch wird und wie man Lügen erkennen kann, verrate ich dir in diesem Artikel.

Je älter wir werden, desto weniger lügen wir

Studien gehen davon aus, dass wir am Tag durchschnittlich 200 Mal lügen. Schon klar, wer keine 200 Sätze am Tag spricht, wird deutlich unter dieser enormen Summe liegen. Und doch, wir alle haben ordentlich was auf dem Kerbholz: Im Jahr 2019 haben das Max-Planck-Institut und das Technion-Israel Institute of Technology eine Studie herausgegeben, welche aufzeigt, wer am häufigsten lügt:

Wesentlich stellten die Forscher:innen heraus, dass die Wahrscheinlichkeit Unwahrheiten von sich zu geben sowohl vom Alter, als auch vom Geschlecht abhängt. Sie ermittelten, dass 42 % der männlichen Probanden, aber nur 38 % der weiblichen Probanden lügen. Außerdem konnten sie zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit zu lügen mit fortschreitendem Alter sinkt.

Frau zwei Gesichter
Wir alle haben ein zweites Gesicht & nutzen Lügen in unserem Alltag. Das ist völlig normal & sogar wichtig.(Photo: iStock, GeorgePeters)

Wir alle brauchen Lügen

Lügen ist per se nichts Schlechtes. Immerhin kann man nicht von uns erwarten, ehrlich und höflich zugleich zu sein. Klingt plump, doch manchmal muss man einfach die Höflichkeit der Ehrlichkeit vorziehen, wenn man soziale Kontakte pflegen möchte. 

Oft lügen wir auch, um private Dinge für uns zu behalten. Oder sagst du immer die Wahrheit, wenn du danach gefragt wirst, wie es dir heute geht? Gerade solche Lügen braucht es in der Gesellschaft, meinen Expert:innen. Kleine Lügen sind Anzeichen einer ausgeprägten Sozialkompetenz, wie auch einer emotionalen Intelligenz. Was nicht heißt, dass wir zukünftig mit unserer Direktheit sparen sollten.

Wo bei Lügen moralisch die Grenzen gezogen wird, muss jeder selbst wissen. Fangen sie bei manchen schon beim Verschweigen von Informationen an, beginnen sie bei anderen erst bei Falschinformationen an. Allgemein wird der Lüge vor allem dann ein unmoralischer Beigeschmack attestiert, sobald sie dem Gegenüber schaden sollen und eine gezielte Täuschung darstellen. 

Hier und da eine Notlüge? Das ist völlig normal. Jedoch gibt es auch Menschen, die gezielt, zu ihrem eigenen Vorteil und vor allem für den Nachteil anderer Menschen lügen. Zeit, diese Menschen zu entlarven und ihnen selbstbewusst entgegenzutreten

Frauen lästern
Menschen, die Lügen verbreiten und gezielt täuschen wollen, kann man entlarven. Foto: canva.com/ cottonbro

Diese sprachlichen Anzeichen lassen Lügen erkennen

Lügen erfordern eine sprachliche Ebene. Wie praktisch, dass Sprache uns manchmal schneller entlarven kann, als uns lieb ist. Diese sprachlichen Besonderheiten zeigen sich, wenn wir lügen:

Themenwechsel

Lügner:innen flüchten sich häufig in Humor und Sarkasmus. Damit wollen sie die Situation ins Lächerliche ziehen und von sich ablenken.

Wortwörtliches Wiederholen der Frage

Hiervon versprechen sich Lügner mehr Zeit, um sich eine passende Antwort zurechtzulegen.

Lange Einführungen

Einleitungen einer Lüge sind meist detailreicher als die Lüge selbst. Allgemein ist das Nutzen von Details ein Anzeichen dafür, dass man die Wahrheit sagt.

Gewählte Sprache

Wer lügt, versucht häufig, gewählter zu sprechen. Statt einem „Da kann ich leider nicht, weil ich zum Sport gehe“, könnte eine Lüge mit den Worten: „Tut mir leid, zu diesem Zeitpunkt bin ich leider anderweitig beschäftigt“, verpackt werden.

Schwüre

Wer Lügen erkennen möchte, sollte nicht auf Schwüre wie „Ich schwöre auch meine Mutter“ hereinfallen. Wer derart vehement auf etwas bestehen muss, hat oft etwas zu verbergen. Wer die Wahrheit sagt, kann sich selbstbewusst zurücklehnen.

Häufige Verneinungen

Wer Dinge immer wieder verneint oder auch Verneinungen in der Rede nutzt, nimmt sprachlich eine defensive Haltung ein. Lügner:innen versuchen sich auf die Art zu schützen.

Beteuerung der Glaubwürdigkeit

Wer die Wahrheit sagt, wird weniger auf seine Glaubwürdigkeit beharren.

Zu schnelle oder zu langsame Antworten

Eine Lüge möchte man schnell hinter sich bringen, da sie einstudiert ist. Muss sie noch überlegt werden, braucht man tendenziell länger, um zu antworten.

Widersprüche

Eine Lüge genügt meistens nicht und erfordert immer mehr Lügen, sodass man sich schnell darin verstricken kann.

Untertreibung & Übertreibung

Eine Lüge soll entweder überzeugender gestaltet oder runtergespielt werden, damit man sich weiter von der Sache zu distanzieren kann.

Vermeidung von Pronomen

Diese sprachliche Taktik sorgt ebenfalls für Distanz. Man distanziert sich also von seiner eigenen Lüge.

Vermeidung sinnlicher Beschreibungen

Wer etwas nicht erlebt hat, kann die Dinge in der Regel nicht lebhaft berichten.

Lügen erkennen: Lasse die Geschichte rückwärts erzählen

Fallen dir einige dieser Anzeichen auf, heißt das natürlich nicht sofort, dass jemand lügt. Häufen sich die einzelnen Anzeichen, steigen die Chancen für eine Lüge allerdings. Gerade Situationen, die wenig Raum für Ablenkung bieten und in denen direkte Fragen gestellt werden, sind dann ideal, um Lügen zu entlarven, da sie ein hohes Stresslevel erzeugen.

Du bist dir unsicher, ob dir gerade eine Lüge aufgetischt wird? Dann lass dein Gegenüber seine Geschichte noch einmal rückwärts erzählen. Kommt derjenige ins Straucheln, stehen die Chancen gut, dass gelogen wurde. Immerhin wird eine Lüge immer nur in die eine Richtung gedacht und geprobt. Wahrheiten werden dagegen erinnert.

So zeigt der Körper Lügen an

Echte Lügenprofis werden um die sprachlichen Anzeichen einer Lüge wissen und sie tunlichst vermeiden. Wie gut, dass sie sich dann immer noch nonverbal verraten. Denn wenn unser Mund schweigt, sprechen unser Körper und unsere Mimik für uns weiter. Wer Körpersprache deuten und Mikroexpressionen erkennen kann, hat dann die Chance, Lügen zu entlarven. An folgenden nonverbalen Anzeichen lassen sich Lügen besonders gut erkennen:

Augenkontakt

Es ist ein Irrglaube, dass Lügner:innen dem Blick immer ausweichen. Gerade dann, wenn sie von ihrer Lüge überzeugen wollen, gucken sie einem besonders konzentriert in die Augen. Immerhin wollen sie sehen, ob man ihre Lüge schluckt.

Pupillenveränderungen

Wenn man seinem Gegenüber tief in die Augen schaut, können die Pupillen verräterisch sein. Erweiterte Pupillen sprechen für starke Emotionen. Unter anderem auch für die Befürchtung, bei einer Lüge erwischt zu werden.

Falsches Lächeln

Mit einem Lächeln soll die Lüge glaubhaft verkauft werden. Doof nur, wenn nicht alle Gesichtsmuskeln mitziehen, wie sie sollen. Vor allem, wenn sich keine Lachfalten an den Augen bilden, kann ein Fake Lachen schnell entlarvt werden.

Lippenlecken

Gepaart mit anderen nervösen Auffälligkeiten wie Fingertrommeln, möchten Lügner:innen auf die Art ihrer Nervosität Einhalt gebieten.

Griff an die Nase

Dieser Manipulator kommt daher zustande, da bei einer Lüge der Bereich um die Nase besser durchblutet wird und die Ausschüttung von Adrenalin auf die Kapillare der Nase wirkt. Manchmal ist aber auch Unsicherheit oder schlicht ein Schnupfen schuld an diesem Griff zum Riechorgan.

Schwitzen & Schlucken

Lügen sorgt für Stress und bringt uns ordentlich ins Schwitzen. Außerdem fördert es eine erhöhte Adrenalinausschüttung, die mehr Speichelfluss zur Folge hat. Lügner:innen müssen in der Regel also auch häufiger schlucken.

Kratzen

Vor allem am Arm und im Gesicht spricht das für ein hohes Maß an Nervosität. Allein ständige Selbstberührungen verraten Lügner:innen schon, da sie so ihre Unsicherheit offenlegen.

Asymmetrie bei Mimik & Gestik

Ist das Gesicht ungewöhnlich unsymmetrisch in der Situation oder wird nur auf einer Seite die Schulter hochgezogen, spricht das für eine Lüge.

Lügen zu erkennen bedeutet vor allem Übung

Nicht jedes Anzeichen wird dir eine Lüge anzeigen. Häufen sich die Anzeichen jedoch und dein Bauchgefühl sagt dir, dass du vorsichtig sein solltest, will man dir mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Lüge auftischen. Wie du damit umgehst, bleibt dann natürlich ganz dir überlassen.

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