Mindfulness, Achtsamkeit, Mental Health. Mit diesen Buzzwords werden wir täglich auf Social Media zugeknallt, doch irgendwie scheinen nur die wenigsten Menschen wirklich eine Ahnung davon zu haben, wie das funktioniert.

Achtsamkeit soll uns mental stärken, sich aufbauenden Gefühlen und Gedanken mehr Raum geben und ganz nebenbei zum Stressabbau beitragen. In diesem Artikel wollen wir klären, wo die Achtsamkeit ihren Ursprung fand. Außerdem werden wir dir eine Achtsamkeitsübung an die Hand geben, die dir beim mentalen Training helfen kann.

Woher kommen Achtsamkeitsübungen überhaupt?

Die Achtsamkeit und entsprechende Übungen kamen das erste Mal in der östlichen Philosophie auf. Aus dem Theravada-Buddhismus, der ältesten bekannten Form des Buddhismus, stammt der Begriff sati (Sprache: Pali), der so viel bedeutet wie „achtsam sein“.

Nice to Know: Die heute bekannten buddhistischen Traditionen und Lehren stammen von dem Palikanon des Theravada-Buddhismus ab. Hier sind die Reden des ersten Buddhas, Gautama, niedergeschrieben.

Weiterlesen: Wer sich weiter mit dem Begriff der Achtsamkeit nach dem buddhistischen Ursprung beschäftigen möchte, dem seien die „Satipatthana Sutta“ und die „Anapanasati Sutta“ ans Herz gelegt. In diesen Lehren wird die ursprüngliche Meditationspraxis von Buddha beschrieben.

sati beruht auf dem Wort sarati, was wörtlich übersetzt „sich erinnern“ bedeutet. Mit Achtsamkeitsübungen wird das Erinnern erleichtert, indem man sich eines Augenblickes bewssut wird. Gautama Buddhas Lehre beschrieb, dass der eigene Geisteszustand erweitert würde, wenn man „im Bezug auf den gegenwärtigen Augenblick hellwach“ sei.

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Mehr Achtsamkeit im Alltag: Diese Prinzipien gehören dazu. Foto: IMAGO / Westend61

Im Grunde besteht die Achtsamkeit also aus drei Prinzipien:

  1. Sei dir des jetzigen Moments genau bewusst.
  2. Erinnere dich daran, welche vergangenen Gefühle dieser Moment in dir auslöst.
  3. Erweitere deinen Geisteszustand.

Von abstrakt bis realitätsnah: So funktioniert die Achtsamkeit

Die drei Grundprinzipien der Achtsamkeit klingen sehr abstrakt. Doch sie lassen sich ganz einfach auf den Alltag anwenden. Im Folgenden werden wir dir eine Übung an die Hand geben, in der du die drei Prinzipien wiederfinden wirst.

Achtsamkeitsübung zum Ausprobieren

Es gibt viele verschiedene Achtsamkeitsübungen, die du nach und nach selbst ausprobieren kannst. Nicht jede der Übungen wird dich überzeugen. Manche wirst du albern finden, andere werden dir schlicht nicht helfen. Die richtige Achtsamkeitsübung sollte zu dir und deinem Lebensstil passen, damit du sie jeden Tag mit Freude erledigen kannst.

Die wmn-Redaktion hat die folgende Übunng von der Organisation weed.org (World Economy, Ecology & Development) zur Verfügung gestellt bekommen.

Rohe Kaffeebohnen essen
Rohe Kaffeebohnen solltest du allein aus geschmacklichen Gründen schon nicht verzehren. Foto: dashapetrenkophotos via Canva.com

Die alte Dame und die Bohnen

Es war einmal eine sehr alte, weise Frau. Sie hatte ein recht beschwerliches Leben.

Jeden Morgen, bevor sie ihr Tagwerk begann, legte sie sich eine Kittelschürze um. Dann ging sie in ihre Speisekammer und nahm eine Handvoll Bohnen aus einem Sack. Diese steckte sie sich in die rechte Tasche ihrer Schürze.

Wann immer ihr im Laufe des Tages etwas Schönes begegnete – das Lächeln eines Kindes, der Gesang eines Vogels, der Klang einer Klangschale, ein Mitmensch, der ihr eine Freundlichkeit erwies, der Duft einer schönen Tasse Kaffee, ein Sonnenstrahl, der ihr Gesicht traf oder ein schattiger Platz in der Mittagshitze – kurz gesagt, für alles, was ihr Herz und ihre Sinne erfreute, ließ sie eine Bohne von der rechten in die linke Schürzentasche wandern. Am Abend, bevor sie sich schlafen legte, nahm sie die Bohnen aus der linken Tasche ihrer Kittelschürze.

So betrachtete sie, was ihr an diesem Tage Schönes widerfahren war. Bei jeder einzelnen Bohne wusste sie noch ganz genau, was ihre Freude ausgelöst hatte.

Und wenn sich auch nur ein einziges Böhnchen in ihrer linken Schürzentasche fand, dann war es für sie ein Tag, an dem es sich gelohnt hatte, zu leben.

Die drei Maßnahmen der Achtsamkeit in der Realität:

  1. Sei dir des Moments genau bewusst.
    Die alte Frau macht sich in glücklichen Momenten selbst darauf aufmerksam, indem sie die Bohnen von rechts nach links verlegt.
  2. Erinnere dich daran, welche vergangenen Gefühle dieser Moment in dir auslöst.
    Wenn die alte Frau die Bohnen am Abend in ihrer Schürze spürt, erinnert sie sich an die schönen Momente. Das ruft erneute Gefühle in ihr hervor.
  3. Erweitere deinen Geisteszustand.
    Die Glücksmomente erweitern ihren Geisteszustand. Sie wird achtsamer ihrem Leben gegenüber.

Redaktionstipp: Es ist übrigens egal, welche Bohnen du nutzt. Kaffeebohnen, Kichererbsen, Reis oder Rosinen sind genauso wirksam.

Frau Wald
Wann hattest du das letzte Mal Gelassenheit im Alltag? Foto: IMAGO/ Cavan Images

Achtsamkeitsübungen: Wann und warum?

Achtsamkeitsübungen können jedem und jeder helfen, mehr Zufriedenheit und Gelassenheit in den Alltag zu integrieren. Therapeut:innen empfehlen Achtsamkeitsübungen bei Depressionen, bei Angststörungen, Burnout-Symptomen und sogar Suchterkrankungen. Dieser Artikel kann die Empfehlung eines gelernten Therapeuten oder einer Therapeutin nicht ersetzen. Solltest du also vermuten, eine dieser Krankheiten zu haben, suche dir bitte professionelle Hilfe.

Stressgeplagte Menschen mit hohen Tageszielen auf der Arbeit können ebenfalls von Achtsamkeitsübungen profitieren. Menschen in einer pessimistischen Lebenseinstellung, die das Glas immer eher halbleer als halbvoll sehen, können durch eine gerichtete Achtsamkeitsübung ihre Laune (punktuell) verbessern.

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