Pro Kopf essen Deutsche rund 35 Kilo Zucker jährlich, zehn davon gehen auf das Konto unseres Schokoladenkonsums. Dabei ist bekannt, welche Folgen Zucker für das Diabetes-Risiko und die Herz-Kreislauf-Gesundheit hat. Auch deshalb gibt es schon seit ein paar Jahren Schokolade ohne Zucker im Supermarkt.

Der Unterschied zwischen „zuckerfrei“ und „Ohne Zucker“

Auf Verpackungen meinen Begriffe nicht immer das, was sie suggerieren. Das gilt auch für die Beschreibung „ohne Zucker“. Mit dieser Aufschrift ist nur gemeint, dass kein Haushaltszucker verwendet wurde. Zucker kann jedoch in den unterschiedlichsten Varianten enthalten sein. Obwohl der Zuckeranteil von Tafeln „ohne Zucker“ meist etwas geringer als der ihrer herkömmlichen Alternativen ist, sind solche Schokoladen weder Low Carb noch zuckerarm. Besonders Diabetiker:innen sollten das unbedingt beachten.

Schokoaldenstück und Kaffeebohnen
Dunkle Schokolade schmeckt zwar bitter, enthält aber viel weniger Zucker. Foto: Unsplash /

Die Zucker-Alternativen in Schokolade

Es ist schwer, bei Schokolade auf Zucker zu verzichten. Grundsätzlich gilt: Je dunkler die Schokolade, desto weniger Zucker ist in der Schokolade enthalten. Anstelle des Zuckers sind mehr Kakao und Fett enthalten. 99-prozentige Schokolade enthält durchschnittlich gerade einmal etwas mehr als einen Gramm Zucker, schmeckt aber auch stark gewöhnungsbedürftig und bitter. Der hohe Preis relativiert sich zwangsläufig durch bewussten Konsum. Denn Schokolade mit einem solch hohen Kakaoanteil lässt sich nicht so einfach snacken.

Deswegen arbeiten Hersteller:innen bei Schokolade ohne Zucker mit Zuckeraustauschstoffen oder mit Fruchtzucker. Herauskommen Schokoladentafeln auf Dattelbasis, gesüßt mit Agavendicksaft, Kokosblütennektar oder Birkenzucker, auch bekannt als Xylit.

Zuckeraustauschstoffe

Die am häufigsten verwendeten Ersatzstoffe sind Xylit und Erythrit. Der Zuckeraustauschstoff Xylitol hat im Gegensatz zum Haushaltszucker 40 Prozent weniger Kalorien bei gleicher Süßkraft. Erythrit weist nur etwa 70 % der Süßkraft von Zucker auf, enthält dafür aber kaum Kalorien. Damit ist es die beste Alternative bei Diabetes. Beide Zuckeralkohole werden ohne Insulin verstoffwechselt. Das heißt, sie verursachen keinen relevanten Blutzuckeranstieg.

Xylit und Erythrit wurde in den vergangenen Jahren nachgesagt, die Vermehrung von Karies-Bakterien zu hemmen. Tatsächlich ist dieser Effekt gering, aber zumindest Erythrit hat wahrscheinlich eine leichte Schutzwirkung gegen die Zahnkrankheit.

Trotzdem sind beide Zuckeralternativen mit Vorsicht zu genießen. Xylit und Erythrit wirken abführend. Für diesen Effekt reichen bei Xylit bereits 20 bis 30 Gramm, bei Erythrit sind es 70 Gramm. Menschen mit einem Reizdarm reagieren bereits nach wenigen Gramm. Für Schokolade mit Zuckeraustauschstoffen braucht es etwas Willenskraft. Obwohl kein Industriezucker vorhanden ist, bleiben die Tafeln süß und können süchtig machen. Die abführende Grenze ist allerdings bereits mit einer Tafel Xylit-Schokolade oder zwei Tafeln Erythrit-Schokolade erreicht.

Frau Kokosblütenzucker
Kokosblütenzucker hat Vor- und Nachteile. Foto: IMAGO/ Westend61 Credit: IMAGO/ Westend61

Fruchtzucker

Neben Datteln setzen viele andere Produzenten auf Kokosblütenzucker, beziehungsweise Kokosblütennektar. Dieser Zuckerersatz hat zwar ein paar Vorteile gegenüber „normalem“ Zucker, ergibt jedoch für eine weitestgehend zuckerfreie Ernährung gar keinen Sinn. Schokoladen mit weniger als 10 Prozent Zuckeranteil sind in dieser Sparte nicht zu finden, denn Kokosblütenzucker enthält viel Fruchtzucker. Mehr als Traubenzucker, wobei das Fructose-Glucose-Verhältnis leider besonders ungünstig ist.

Schokolade ohne Zucker ist nicht unbedingt gesünder

Schokolade ohne Zucker ist nicht zwangsläufig gesünder und schon gar nicht als „zero“-Produkt einzuordnen. Die meisten Sorten sind zwar kalorienärmer als die normalen Sorten von Ritter Sport oder Lindt, aber der Unterschied ist klein. Auch zuckerarme Schokoladen kommen nicht ohne Fett aus. Immerhin sparst du mit einer Tafel um die 100 Kalorien und reduzierst je nach Süßungsmittel den Ausschlag deines Blutzuckerspiegels. Das macht sie nicht zwangsläufig gesünder, aber in Maßen zu einer guten Alternative.

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