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Insekten in Lebensmitteln: Was haben Läuse in M&M’s zu suchen?

Pizza mit Käfern und Läuse in Schokolade? Ein neues EU-Gesetz erlaubt nun Insekten in Lebensmitteln. Doch in vielen beliebten Süßigkeiten sind sie längst enthalten.

Teller mit M&Ms und Insekten
Insekten in Lebensmitteln zu verarbeiten ist nichts neues. In einigen beliebten Süßwaren sind sie bereits enthalten. Darunter auch die bunten M&M's. Foto: Shutterstock/Sergiy Kuzmin; claudiodivizia, lifeonwhite, sgoodwin48132 via canva.com [M]

Seit dem 24. Januar ist es erlaubt, Insekten in bestimmte Lebensmittel zu mischen. Das hat die Europäische Union in einem neuen Gesetz beschlossen. Doch so neu ist die Verarbeitung von Grillen, Läusen und Co für einige Nahrungsmittel gar nicht. In welchen beliebten Süßigkeiten die Kleintiere schon jetzt drin stecken und warum Vegetarier:innen und Veganer:innen hellhörig werden sollten.

Insekten in Lebensmitteln laut EU-Gesetz erlaubt

Ganze 2100 Insektenarten könnten wir Menschen essen, berichtet die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Damit hätten wir nicht nur eine zusätzliche Proteinquelle, sondern würden auch unsere Umwelt entlasten. Die Produktion von Insekten in Lebensmitteln ist weitaus umweltfreundlicher als die herkömmliche Fleischproduktion. Das Portal „geo.de“ macht auf die geringen Treibhausgas-Emissionen aufmerksam und hält fest, dass die kleinen Tierchen viel weniger Fläche benötigen als Kühe oder Schweine.

Tierisches Superfood – die Vorteile von Grillen, Käfern und Co

Grillenmehl in Pizza und Nudeln klingt irgendwie ekelig – doch sie sind ein wahres Superfood. Sie liefern viele Omega 3- und 6-Fettsäuren, sind reich an Proteinen, Mineralstoffen und Spurenelementen. Eine neue Sensation sind Insekten in Lebensmitteln in Deutschland nicht mehr. Bei uns gibt es bereits Insekten-Riegel, Schoko-Mehlwürmer, gewürzte Heuschrecken oder sogar Insekten-Burger. Außerdem stecken ihre verarbeiteten Bestandteile bereits in vielen bekannten Markenprodukten.

Angerichtete Teller mit Insekten.
Maden am Spieß und Mehlwürmer statt Pommes – in welchen Lebensmitteln könnten die Insekten bald stecken? Foto: Shutterstock/Charoen Krung Photography

M&M’s, Milka und mehr: Wo schon vorher Insekten drin steckten

Insekten in Lebensmitteln zu verarbeiten ist im Prinzip nichts neues. In einigen beliebten Markenprodukten sind schon lange die Bestandteile von Lackschildläusen und Scharlachschildläusen enthalten – darunter verschiedene Milka-Sorten, M&M’s und Schoko Bons, wie utopia.de berichtet.

Der Grund: Aus ausgekochten Scharlachschildläusen wird der rote Farbstoff „Karmin“ gewonnen, welcher auf der Zutatenliste den Deckmantel „E120“ trägt. Dazu wird die trächtige Laus getrocket und ausgekocht. Schaust du auf der Verpackung nach, wirst du feststellen: der nicht vegane Zusatzstoff steckt in M&M’s und in den sauren Glühwürmchen von Trolli.

Schokoladenfans aufgepasst: Kinder Schoko Bons und die Milka-Sorte „Bunte Kakaolinsen“ enthalten die Ausscheidungen der Lackschildlaus, der als Schellack bezeichnet wird. Dabei handelt es sich um einen harzähnlicher Stoff, der häufig für glänzende Überzüge verwendet wird. Auf der Zutatenliste verbirgt er sich hinter der Bezeichnung „E 904“. Das Problem: In dieser Substanz wächst der Nachwuchs der Läuse heran. Dieser landet dann leider oft in der Lebensmittelproduktion, kritisiert die Tierschutzorganisation Peta.

Mehlwürmer, Maden und Grillen auf einem Teller.
Grillen, Käfer und Mehlwürmer auf dem Teller sind ein gewöhnungsbedürftiger Anblick. Doch Insekten in Lebensmitteln werden immer beliebter. Ein neues europäisches Gesetz gibt nun den Vorstoß. Foto: Shutterstock/pong-photo9

In diesen Lebensmitteln könnten bald Insekten drin stecken

Mit der neuen Verordnung kommen nun auch die Hausgrille und der Getreideschimmelkäfer auf den Speiseplan. Für welche Nahrungsmittel sollen sie verwendet werden?

Einmal Pizza mit Hausgrillen, bitte!

Die Hausgrille ist bereits seit März 2022 in gefrorener und getrockneter Form oder als Pulver zugelassen. Das vietnamesische Unternehmen Cricket One Co. Ltd hat schon 2019 den Antrag gestellt, auch teilweise entfettetes Pulver der Hausgrille verwenden zu dürfen. Die exklusive Erlaubnis gilt nun für fünf Jahre. Danach darf auch die Konkurrenz mitmachen. Zunächst darf die Hausgrille für folgende Lebensmittel verwendet werden:

  • Back- und Teigwaren
  • Pizza
  • Chips und andere Kartoffelerzeugnisse
  • Bier
  • Saucen
  • Kekse
  • Nudeln
  • Fleisch & Fleischersatzprodukten (enthalten ca. 5% Insektenpulver)
  • Suppen und Suppenkonzentraten oder -pulver
  • Schokoladenerzeugnissen
  • Nüssen und Ölsaaten

Für Menschen, die sich vegetarisch oder sogar vegan ernähren, heißt es also künftig: Augen auf beim Einkauf! Einige Produkte dürfen künftig nicht mehr als „vegan“ gekennzeichnet werden, da sie tierische Inhaltsstoffe enthalten.

Porridge zum Frühstück – mit Getreideschimmelkäfer

Auch für den Getreideschimmelkäfer hat sich eine Firma eine fünfjährige Exklusiv-Verwendung gesichert. Das aus den Niederlanden stammende Unternehmen Ynsect NL B. V. darf die Larven des Käfers getrocknet, pulverisiert, pastenartig oder gefroren in die Supermarktregale bringen. Und zwar in:

  • Brot und Brötchen
  • Getreide- und Frühstückswaren
  • Porridge
  • Teigwaren
  • Molvenpulver
  • Suppen
  • Nudeln
  • Pizza
  • Snacks

Insekten in Lebensmitteln – ist der Verzehr tatsächlich unbedenklich?

Werden uns die Krabbeltierchen künftig also einfach untergejubelt? Nein – schließlich sind wir hier ja nicht im Dschungelcamp. Es liegt jedoch in der Hand der Verbraucher:innen, sich über die Zusammensetzung der Nahrungsmittel zu belesen. Produkte, die mit Käfern bedruckt sind oder lustige Namen tragen, wirst du wahrscheinlich nicht finden. Lebensmittel, die mit Insekten hergestellt wurden, müssen nicht auffällig bebildert oder beschriftet werden. Lediglich auf der Zutatenliste und im Inhaltsverzeichnis tauchen dann Bezeichnungen auf wie beispielsweise „getrocknete Larven/Pulver aus Larven von Acheta domesticus (Hausgrille)“.

Doch ist Essen aus Insekten wirklich unbedenklich? Dazu weist „focus.de“ auf eine bestehende Gefahr hin: Personen, die an einer Allergie gegen Krustentiere leiden, könnten auch auf Insekten in Lebensmitteln allergisch reagieren. Der Lebensmittelverband informiert darüber, dass „diese Zutat bei Verbraucherinnen und Verbrauchern, die bekanntermaßen gegen Krebstiere und Erzeugnisse daraus sowie gegen Hausstaubmilben allergisch sind, allergische Reaktionen auslösen kann“. Für Menschen ohne derart bekannte Allergien ist der Verzehr von Insekten nicht gefährlich.