Das Thema „Gesunde Ernährung“ ist omnipräsent. Nicht weiter überraschend, nachdem sich bei vielen ein paar Coronakilos dazu geschlichen hatten. Viel überraschender war dagegen die Umsetzung durch Low Carb- und Suppendiäten. Dabei dachte man einige Zeit, das Konzept „Diät“ wäre längst überholt. Ernährungsexpert:innen hatten sich doch schon lange gegen Diäten und für eine ausgewogene Ernährung ausgesprochen. Stattdessen wurde ein neuer Food-Trend groß: Soft Health.

Ernährungsumstellungen hatte ich auch schon durchprobiert, die Konzepte von Health Food und Soft Health waren allerdings bisher die bequemste und einfachste Lösung meine Ernährung gesünder zu gestalten. Und dann spielte mir auch noch Ernährungswissenschaftlerin Hanni Rützler im Food Report 2021 in die Karten und gab „Soft Health“ als Food Trend des Jahres aus.

Tomate in Händen herzförmig
Die Wertschätzung für gesundes Essen steigt. Credit: iStock/Max_grpo

Soft Health – Was ist das?

Health Food ist nur ein Oberbegriff für alles, was mit einem gesunden Ernährungsstil zu tun hat. Der Begriff ist bereits seit 2008 bekannt, entstanden als Gegenbewegung zum Fast Food und lange bevor Slow Food die Küchen eroberte. Der Trend war mächtig. Während nach Super Size Me die Reaktionen der Burger-Giganten vergleichsweise verhalten ausfiel, war 2011 das gelbe McDonald’s „M“ zum ersten Mal auf grünem Hintergrund zu sehen.

Der Begriff Soft Health spezifiziert den Trend und kam 2015 in Mode. Soft Health verbindet Gesundheit, Genuss und Nachhaltigkeit. Die Lebensmittel sollen naturbelassen, regional und saisonal sein. Der Teller wird nicht nach Kalorien, Nährwerten, Makro- und Mikronährstoffen, spezifischen Vitaminen und einer bestimmten Menge an Ballaststoffen befüllt. Stattdessen geht es um Ausgewogenheit und Vielfalt und darum, den eigenen Speiseplan mit vielen verschiedenen Sorten Obst und Gemüse, sowie mit Getreideprodukten und Hülsenfrüchten anzureichern.

Damit ist Soft Health das Gegenstück zum Functional Food, das mit Aminosäuren und gesunden Fetten aufgepeppt wird und dessen gesundheitlicher Nutzen bis heute umstritten ist. Wir zeigen dir, auf welche Ernährungsmythen du nicht mehr hereinfallen solltest.

Veganer Burger
Veganer Fleischersatz ist viel gesünder, als man glaubt.

Einkaufstrends zeigen, was uns bewegt

So beruhigen wir unser Gewissen, das immer öfter unter verwirrenden Ernährungswarnungen leidet, beispielsweise vor Gluten, tun etwas für unsere Gesundheit und das Klima, gegen prekäre Arbeitsbedingungen und gegen widerliche Vorgänge in Tönnies Fleischfabrik.

Kochen und Genuss sind und werden immer sexier, vegane und vegetarische Kochbücher boomen. Fleischersatzalternativen von den größten Wurstfabrikanten wachsen immer weiter, selbst in der Fast Food-Branche werden gesunde Alternativen wie Dean&David immer beliebter.

Auch im Supermarkt wird das deutlich – trotz Coronakrise. Wir geben mehr Geld für Frischobst und Lieferservices aus regionalem Anbau aus, Gemüselieferkisten kommen vom Bio-Bauernhof oder zumindest als vollständige Gerichte von HelloFresh. Manche regionale Lieferservices sprechen von 50 bis 60 Prozent Wachstum.

Die Farbe zeigt dir, was in den Nahrungsmitteln steckt. Credit: shutterstock/Liliya Kandrashevich

Wie isst du nach Soft Health-Prinzip?

Wie ernährt man sich ausgewogen und vielfältig? Mit Farben! Sie geben einen Hinweis darauf, welchen gesundheitlichen Nutzen sie haben – zumindest ist das bei den meisten Obst- und Gemüsesorten der Fall.

  • Grüne Nahrungsmittel enthalten häufig viel Chlorophyll und damit viele Vitamine und Mineralstoffe. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass Chlorophyll zur Bildung roter und weißer Blutkörperchen und somit Krebsarten und Bluthochdruck vorbeugen kann.
  • Orangefarbene Lebensmittel werden durch Carotinoide gefärbt. Die halten die Immunabwehr aufrecht und schützen vor Infektionskrankheiten. Selbst Orangen enthalten Betacarotin, allerdings lohnen die sich eher durch das enthaltene Vitamin C. Eine einzige Orange kann die Hälfte des Tagesbedarfs decken.
  • Rote und violette Nahrung enthalten häufig Flavonoide und Anthocyane. Flavonoide lindern Entzündungen, sie senken den Blutdruck und stärken das Immunsystem. Zu den Bio-Flavonoiden zählt auch Anthocyane, das auch antioxidativ wirkt und die Zellen vor Alterung schützt.
  • Selbst weiße Lebensmittel sollten auf dem Speiseplan vorkommen. Naturjoghurt enthält Milchsäurebakterien, ist also „probiotisch“ und unterstützt die Darmflora.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät übrigens von einigen Tabletten, Kapseln, Tropfen und Pulvern ab, weil diese entweder verunreinigt sein könnten oder die Gefahr einer Überdosierung zu groß ist. Also lieber frisch zubereitet oder roh essen – ganz im Sinne von Soft Health und Health Food.

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