Voguing Dance ist im Moment in aller Munde. Immer häufiger sehen wir auf Youtube, Instagram oder wo auch immer diesen komischen Tanzstil, den wir zuallererst in Madonnas Musikvideo zum Song Vogue kennen. Was hat es mit diesem Tanzstil auf sich, bei dem die Leute sich die Arme und Beine verdrehen? Und warum finden sich in der Szene vor allem Queere und Transgender wieder? 

Ballroom: Die Voguing-Dance-Szene

Die Szene, in der sich die Voguer bewegen, nennt sich Ballroom. Auf den ersten Blick scheinen die Gatherings der Ballroom Dancer eine riesige Party zu sein. Bunt gekleidete farbige Männer und Frauen zeigen auf der Tanzfläche ihr Können. Es hat ein bisschen was von Karneval in Rio – so viele Farben und so viel Bewegung. 

Voguing verbindet die Stärke der Martial Arts mit der Grazie typischer Modelposen, die zu einer einzigen fließenden Bewegung zusammenlaufen. Über die Jahrzehnte hat der Tanzstil gravierende Entwicklungen durchgemacht: Vom Old Way mit männlichen und aggressiven Bewegungen zum sogenannten Vogue Femme, eine grazilere Art des ‚Posens‘. Schnelligkeit und Sex-Appeal sind aber immer unumgänglich.

Der Vogiung Dance ist eine Mischung aus Posing und moderdem Tanz.

Voguing Dance ist viel mehr als nur eine Tanzrichtung 

Voguing Dance und die Ballroomszene ist zu einem ganzen Lebensstil herangereift. Angefangen hat alles im New Yorker Harlem der 60er Jahre. Vor allem in der Schwulenszene und der LGBT-Community waren die von der Vogue kopierten Posen besonders beliebt. 

In einer Zeit, in der People of color unbeliebt waren und Schwule sowie Transgender den Menschen ‚Angst‘ einjagten, entstanden die sogenannten Balls für all diejenigen, die in der Gesellschaft nicht akzeptiert wurden. Voguing Dance ist eine Interpretation der eigenen Persönlichkeit. Beim Tanzen drückt man mehr aus, als nur sportliches Geschick. 

“What exactly is a ball?”
“A Ball is a gathering of people who are not welcome to gather anywhere else.”
– aus der Serie Pose

Drag und Ballroom Dance same same?

Man kann manchmal durcheinanderkommen bei den vielen Begriffen der LGBT-Community, in denen wir uns zurechtfinden sollen. Drag und Voguing nimmt und gibt sich gegenseitig viel, aber die genauso gibt es hier große Unterschiede.

In den 20 Jahren waren Drag Queens auf den New Yorker Bühnen überaus beliebt. Damals war es in der High Society schick, sich abends eine bunte Dragshow anzuschauen. In den Voguing-Ballrooms, die in den 60er Jahren entstanden, waren Drag Queens ebenfalls gern gesehen. 

Allerdings gibt es einen wichtigen Unterschied: Wo Drags gerne mit den schwimmenden Übergängen zwischen männlich und weiblich kokettieren und beispielsweise einen Bart tragen, ist das in der Ballroomszene und beim Voguing nicht möglich. Männer, die als Frauen auftreten, sollen ’natural‘ aussehen ohne ihre männliche Behaarung. Eine der bekanntesten queeren Drags mit Bart ist heute in der Jury der Show Queen of Drags – das hat aber herzlich wenig mit dem Voguing zutun.

Mehr zum Thema Voguing & Ballroom

  • Die Mutter des deutschen Voguings ist Leo Melody. Sie leitet Workshops und organisiert Voguing-Bälle in Berlin. Das Schwutz in Neukölln nimmt die Besucher jedes Wochenende mit ins New York der 60er Jahre.
    Die Bühne ist ein großer Runway, die Kostüme Glitzern bei Männern, Frauen und allen anderen Teilnehmenden gleichermaßen und es wird sich mit harten Bandagen gebattelt.
  • Die Serie Pose (Netflix) zeigt das Entstehen der New Yorker Ballroomszene in den 80er Jahren. Auch wenn die Serie ein bisschen hollywoodmäßig anmutet, macht es einfach Spaß dieser herrlich ästhetischen Tanzart zuzuschauen.
  • Der Film Paris is Burning gibt echte Einblicke in die New Yorker Ballroomszene der 80er Jahre. Alle Höhen, alle Tiefen. Ein kritischer Blick auf die (damalige) Gesellschaft.
  • In Folge Nummer #43 des Podcasts Feuer & Brot erklärt die erfolgreiche Voguerin Sophie Yukiko die Ballroom-Szene in Deutschland.

Die Choreagrafin Spphie Yukiko kämpft mit dem Ballroomtanzen auch gegen Dsikriminierung in Deutschland.