Immer wieder zeigen stolze Gründer und Gründerinnen bei Die Höhle der Löwen ihre neuesten Beauty-Innovationen in die Kamera und immer wieder denke ich mir als Zuschauerin: Kenn ich schon. Und zwar genau so oder besser. So auch in der aktuellen Folge mit der Deo-Firma Holy Pit!: Das nachhaltige Deo soll aus einer einzigartigen Rezeptur bestehen, umweltschonender und nachhaltiger sein als andere Produkte auf dem Markt.

Warum ich das nicht glauben kann und die Nase voll habe von kommerzialisierter Naturkosmetik, erfährst du hier.

Was ist „Holy Pit!“ aus der „Höhle der Löwen“?

Branka Puljic und Asmir Samardzi sind die beiden Köpfe hinter Holy Pit! Wie sie in der aktuellen Folge DHDL erzählen, kam ihre Motivation nach einer gemeinsamen Asienreise, bei sie einen ganzen Sack Plastikmüll von einer Bootstour mitbrachten. Dabei seien wohl besonders viele Kosmetikartikel darunter gewesen. Das wollten die beiden ändern.

Das Resultat ist ein wiederbefüllbarer Deo-Stick aus recyceltem Plastik mit einzigartiger Rezeptur, die die Geruchsbildung komplett verhindern soll. Die Sticks gibt es derzeit in vier Farben und drei Duftrichtungen. Ein Deo kostet derzeit 14 Euro. Refills sollen künftig im Abo bis zur Haustür geliefert werden. Das Holy Pit!-Deo wird in Deutschland und Österreich produziert und ist vegan, sowie tierversuchsfrei.

Das klingt erst einmal ziemlich gut und ziemlich sexy. Wer will nicht gut riechen und dabei der Umwelt helfen? Das Ankerkraut-Duo Stefan und Anna Lemcke, Ralf Dümmel und Georg Kofler sind begeistert und wittern große Gewinne. Wäre doch nur Beauty-Guru Judith Williams dabei gewesen, um sie auf den Boden der Tatsachen zu holen! Aber da sie das nicht konnte, werde ich das machen:

Holy shit, das kennen wir alles schon!

Naturkosmetik klingt langweilig und wurde lange belächelt. Auch die Höhle der Löwen konnte damit 2016 noch nichts anfangen. Dabei stand damals die Ponyhütchen-Gründerin mit einem sehr ähnlichen Deo-Produkt vor der Jury und aß ihr Deo, um zu zeigen, wie natürlich es ist.

Inzwischen setzen immer mehr Firmen auf schadstofffreie Kosmetik unter dem etwas klangvolleren Begriff Clean Kosmetik. Hier wird oft nach Innovation geschrien, doch die Rezepturen und Produkte gibt es schon lange. So lange schon, dass man sie selbst im dm-Regal finden kann. Aber lasst uns Schritt für Schritt durch die USP (einzigartige Verkaufsargumente) von Holy Pit! aus DHDL gehen:

Die Höhle der Löwen holy pit
Die „Gast-Löwen“ Anne und Stefan Lemcke wollen einen Deal mit Holy Pit!. Credit: RTL / Bernd-Michael Maurer

„Das produziert keinen Müll mehr.“

Gründer Asmir Samar verkauft die Verpackung der Deos gut. Immerhin sind sie aus recyceltem Plastik und nachfüllbar. Aber warum sind sie überhaupt aus Plastik? Ein fester Deo-Stick braucht diese Verpackung gar nicht. Deshalb setzt die Konkurrenz schon seit Jahren auf Verpackung aus Pappe. Gute Beispiele sind hier etwa Ben & Anna, We love oder i+m.

Derzeit kann man auch gar keine Refills ohne zusätzlicher Plastikverpackung kaufen. Ebenfalls ein großer Minuspunkt. „Die ganzen Wegwerfprodukte, die da im Meer landen. Das ist wirklich eine Katastrophe.“, erklärt Asmir Samar und damit hat er recht. Doch eine Verpackung aus (recyceltem) Plastik kann dort genauso landen und stellt denselben Schaden an.

„Geschützte Rezeptur“

Auf der Website und auch in der Höhle der Löwen werben die Gründer mit einer einzigartigen Rezeptur und verraten sogar ihre Geheimzutat: Natron. Schade, dass die Löwen und Löwinnen keine Ahnung von Kosmetik haben, denn mit einer schnellen Suche nach „Deo selber machen“ oder „DIY Deo“ würde man auf Hunderte Rezepte stoßen, die aus einer Mischung aus pflegenden Ölen, Natron und Duftstoffen bestehen.

Und an dieser Stelle möchte ich noch einmal Ponyhütchen erwähnen. Die Marke zählte in Deutschland nämlich 2016 zu den beleibtesten Deos in der Naturkosmetik-Community. Lasst uns die Inhaltsstoffe vergleichen:

  • Holy Pit! Deo Stick Classic: Glycine Soja Oil (Sojaöl), Tapioca Starch (Tapiokastärke), Sodium Bicarbonate (Natron), Stearyl Alcohol (Fettalkohol), Theobroma Cacao Seed Butter (Kakaobutter), Cellulose, Butyrospermum Parkii Butter (Sheabutter), Zinc Oxide, Parfum, Helianthus Annuus Seed Cera (Sonneblumöl), Tocopherol (Vitamin E)  Linalool (Duftstoff), Benzyl Alcohol (Duftstoff), Geraniol (Duftstoff)
  • Ponyhütchen Blütenzauber Deo: Zea Mays (Corn) Starch (Maisstärke), Cocos Nucifera Oil (Kokosöl), Sodium Bicarbonate (Natron), Butyrospermum Parkii Butter (Sheabutter), Zinc Oxide, Brassica Napus Seed Oil (Rapsöl), Hydrogenated Vegetable Oil (pflanzliches Öl), Kaolin, Macadamia Ternifolia Seed Oil (Macadamianussöl), Parfum, Alpha-Isomethyl Ionone (Duftstoff), Benzyl Salicylate (Duftstoff), Linalool (Duftstoff), Coumarin (Duftstoff), Citronellol (Duftstoff)

Beide Deos bestehen hauptsächlich aus Natron, Zink Oxid, Stärke, Ölen, pflegenden Fetten und Duftstoffen. Die Holy Pit!-Rezeptur ist nicht per se schlecht. Aber sie ist auf keinen Fall innovativ. Geschützt mag die Rezeptur sein, aber sie hat die Grundbestandteile von vielen anderen festen Deos.

„Innovation“

Gehen wir einmal von der Rezeptur weg hin zum Produkt selbst: Festes Deo in nachhaltiger Verpackung. Auch das gibt es schon, aber mit Marketing und besseren Vertriebspartnern kann man in der Kosmetikbranche viel machen. Aber auch hier waren andere Marken schon viel schneller, denn wer sich einmal im dm oder Rossmann umschaut, findet genau solche Deos mit sehr ähnlichen Rezepturen und noch umweltfreundlicheren Verpackung dort wie Ben & Anna oder i+m. Auch Deo in Glas und Alu gibt es dort bereits wie von Greendoor oder alverde.

Und letztendlich der Preis

Feste Deos sind nicht preiswert, aber 14 Euro sind Wucher. Normal ist ein Preis zwischen sechs und neun Euro, schließlich halten sie auch lange. Bei der Konkurrenz bekommt man dafür auch noch ein Zertifikat on top. Holy Pit! aus DHDL hat derzeit nur ein Peta-Siegel. Auch hier sehe ich keinen Mehrwert für die Nutzer:innen.

Fazit: Der typische DHDL-Ramsch

Sollte Holy Pit! fleißige Die Höhle der Löwen-Zuschauer:innen zur Naturkosmetik oder zu mehr Nachhaltigkeit bringen, dann ist das fantastisch. Aber künftig würde ich mir von Kosmetikgründer:innen doch etwas mehr Kreativität wünschen und von der DHDL-Redaktion ein wenig mehr Recherche-Aufwand.

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