Stillen in der Öffentlichkeit ist noch immer ein Tabu
In der Öffentlichkeit zu stillen bereitet vielen Frauen noch immer Unbehagen. (Photo: Shutterstock/Lolostock)

Studie: Stillen in der Öffentlichkeit noch immer ein Tabu

In der Öffentlichkeit zu stillen sollte 2020 nun wirklich kein Thema mehr sein, oder?! Weit gefehlt! Laut einer neuen Studie ist es der Mehrzahl der Mütter unangenehm. Aber warum?

Es ist eigentlich die natürlichste Sache der Welt – und doch erhitzt das Stillen in der Öffentlichkeit noch immer die Gemüter. Während es für die einen ganz klar um die Befriedigung eines Grundbedürfnisses geht, fühlen sich die anderen genau davon gestört. Immer wieder eskaliert die Situation und Mütter werden beispielsweise aus Cafés verwiesen, weil sie ihren Kindern die Brust geben wollten. Sind das Einzelfälle? Wie steht es wirklich um die Akzeptanz des Stillens? Ist das Thema Still-Shaming nicht endlich mal durch?

Mehrheit aller Frauen stillen ungern in der Öffentlichkeit

Wohl nicht! Eine neue Studie unter mehr als 2.000 Deutschen hat genau diese Fragen gestellt und kam zu dem Ergebnis: Stillen in der Öffentlichkeit ist auch im Jahre 2020 noch ein großes Tabu. 77 % geben demnach an, sich beim öffentlichen Stillen unwohl zu fühlen. Die Untersuchung des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag des Femtech-Unternehmens Elvie erhob auch, welche Orte als besonders stillfeindlich empfunden wurden. Dabei ergibt sich folgende Platzierung:

1. Öffentliche Toilette: 68 %

2. Öffentliche Verkehrsmittel: 66 %

3. Läden / Geschäfte: 59 %

4. Restaurants oder Cafés: 58 %

5. Arbeitsplatz: 56 %

Und so wundert es auch nicht, dass 76 % der Mütter am liebsten Zuhause stillen.  

Frau stillt ihr Baby Brust
Für die meisten Frauen ist das Stillen eine intime Angelegenheit, die sie am liebsten zuhause machen.(Photo: Shutterstock/SeventyFour)

Stillen wird noch immer nicht überall akzeptiert

Ein möglicher Grund für das Unbehagen so vieler Frauen könnte sein, dass 48 % aller Befragten angeben, es als unangenehm zu empfinden, wenn eine Mutter ihrem Kind an öffentlichen Orten die Brust gibt. Interessant: Frauen fühlen sich in der Zuschauerrolle sogar noch unwohler (50 %) als Männer (45 %). Die meisten Befragten haben ein Problem damit, stillende Frauen auf Toiletten anzutreffen (43 %), gefolgt von öffentlichen Verkehrsmitteln (34 %) Geschäften (31 %) und Cafés bzw. Restaurants (29 %).

Hinzu kommt, dass es einer beachtlichen Zahl unangenehm ist, über das Stillen im Allgemeinen zu sprechen. Mehr als jede zehnte Frau fühlt sich laut der Studie unwohl, über das Stillen zu reden. In den besonders relevanten Jahrgängen der 25 bis 34-Jährigen ist es sogar jede fünfte Frau

Fazit: Still-Shaming gibt es auf beiden Seiten

Trotz vieler Kampagnen zum Normalisieren des Stillens empfinden in der heutigen Zeit die Mehrzahl der Mütter Unbehagen in der Öffentlichkeit zu stillen. Und nicht nur das: Auch viele Anwesende fühlen sich von stillenden Frauen gestört oder schämen sich sogar. Hier ist also auf beiden Seiten noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten, um Stillen wirklich zu der normalsten Sache der Welt zu machen. 

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Hierzulande werden Frauen aber nicht nur dafür kritisiert, DASS sie die Brust geben, sondern auch, wenn sie NICHT stillen. Das muss endlich aufhören!

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