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DDR-Begriffe, die heute niemand mehr versteht

Bestimmte DDR-Begriffe lösen bei einigen Menschen heute Verwirrung aus. Wir haben uns einige von ihnen angesehen.

DDR-Familie
© IMAGO Images / Gerhard Leber

Auswahl für "Jugendwort des Jahres" 2023 steht fest

Jedes Jahr wird ein besonders häufig genutztes Wort zum «Jugendwort des Jahres» gewählt. Für die diesjährige Wahl wurden nun zehn Begriffe in die nähere Auswahl genommen.

Die Zeit verändert sich – und der Sprachgebrauch mit ihr. Bestimmte Wörter und Redewendungen wurden dementsprechend damals nur im Osten verwendet. Natürlich waren nicht alle Wörter in jeder Familie gängig. Doch bei vielen DDR-Begriffen wussten die meisten, was Sache ist – im Gegensatz zur heutigen Zeit. Wir haben uns zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober einige DDR-Begriffe angeschaut und wissen, wofür sie damals standen.

DDR-Begriffe: Diese 10 kennen heute nur die wenigsten

Wenn mal als ein Kind des Ostens aufgewachsen ist, hatte man bestimmte Wörter und Redewendungen, mit denen andere Menschen nicht so viel anfangen konnten. Wenn man diese DDR-Begriffe heutzutage verwendet, sorgt dies nicht nur bei Menschen aus westlichen Regionen für Verwirrungen. Denn: Sie werden in der heutigen Zeit einfach nicht mehr verwendet und verschwinden langsam, aber sicher aus dem alltäglichen Sprachgebrauch. Wir haben uns zehn DDR-Begriffe angeschaut und wofür sie damals benutzt wurden.

Natürlich wissen wir, dass die von uns hier vorgestellten DDR-Begriffe noch lange nicht alle Eigenworte sind, die in der DDR benutzt wurden, noch ist jedes Wort ausschließlich in der DDR verwendet worden. Uns ist außerdem auch klar, dass bestimmte DDR-Begriffe auch heute noch Verwendung finden.

Frau auf Toilette
Wusstest du, dass „Austreten“ ein DDR-Begriff für „auf Toilette gehen“ ist? Foto: IMAGO Images / Westend61

1. Austreten

Der DDR-Begriff „Austreten“ hat hier nichts mit dem Austritt aus einer Partei oder aus einem bestimmten Klub zu tun. Wer austreten musste, wollte in der DDR einfach nur auf Toilette gehen – und beschrieb dies mit diesem Wort eher durch die Blume, anstatt den Harndrang laut zu verkünden.

2. Datsche

Wenn man in der DDR von einer Datsche sprach, meinte man das Garten- oder Wochenendhaus. Dieses stand meistens auf einem größeren Grundstück und wurde auch zum Übernachten genutzt. Ein anderes Wort für diesen DDR-Begriff ist auch „Laube“.

3. Fetzen

Nein, wir meinen hier nicht einen Stoffrest oder dass man sich „fetzt“, also streitet. In der DDR bedeutete das einfach, dass etwas richtig „gefetzt“, also Spaß gemacht hat. Dieser DDR-Begriff wurde extrem oft benutzt, verschwindet aber langsam aus dem Sprachgebrauch – auch wenn er sich heute noch hier und da in Gesprächen finden lässt.

Auto mit Frau
Ein DDR-Begriff steht auch dafür, seinen Führerschein zu machen. Foto: IMAGO Images / Ralph Peters

4. Fleppen machen

Wir kennen diesen DDR-Begriff heute unter anderem unter dem Begriff „Lappen machen“, denn hierbei handelt es sich um das Erlangen des Führerscheins. Ab dem 15. Geburtstag durften viele DDR-Bürger:innen den ersten Führerschein ihres Lebens machen, um mit der „Simmel“ (DDR-Mofa „Simson“) zu fahren. Mit 18 durfte dann der reguläre Fahrausweis gemacht werden.

5. Muckefuck

„Muckefuck“ ist mittlerweile schon ein Kult-DDR-Begriff. Hierbei handelt es sich aber nicht um etwas Anrüchiges, sondern einfach um eine Art Kaffeeersatz. Dieser kam geschmacklich und farblich nahe an das Original heran, konnte aber auch von Kindern getrunken werden, weil er koffeinfrei ist. Heutzutage würde man zu dieser Art von Kaffee Malzkaffee sagen.

Für dieses besondere Wort gibt es zwei Herkunftsmöglichkeiten:

  1. Das Wort leitet sich aus dem Rheinischen vom braunen Holmum „mucken“ und dem Wort „fuck“ ab, welches für faul steht, und bezeichnet einen dünnen und schlecht schmeckenden Kaffee.
  2. „Muckefuck“ ist die eingedeutschte Variante des französischen „mocca faux“, was falscher Kaffee bedeutet. Allerdings gibt es diesen Begriff in Frankreich gar nicht, weshalb die erste Variante wahrscheinlicher ist.
Frau mit Marienkäfer
Zu den DDR-Begriffen gehört auch ein Wort für „Marienkäfer“. Foto: IMAGO Images / Westend61

6. Mutschekiepchen

Als Kind einer ostdeutschen Familie bin ich tatsächlich mit diesem DDR-Begriff groß geworden. Dabei steht Mutschekiepchen ‚übersetzt‘ für Marienkäfer. Natürlich haben nicht alle DDR-Bürger:innen die Marienkäfer so genannt, das Wort hat demnach einen sehr regionalen Bezug. Allerdings bedeutet es für viele Menschen, wie auch für mich, Kindheit.

7. Nicki

Ich kenne nur eine Person, die dieses Wort noch verwendet – meine ostdeutsche Oma. Immer wieder fragte sie mich, ob mir ein bestimmtes „Nicki“ nicht gefallen würde und ich hatte lange keine Ahnung, was sie mir damit sagen will. Dabei steht das Wort „Nicki“, welches übrigens auch im Westen benutzt wurde, im Osten für ein ganz normales T-Shirt. Im Westen meinte man damit meist ein Oberteil aus Samtstoff.

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8. Niethose

Was damals im Westen die Jeans war, ist im Osten die Niethose gewesen. Die wenigsten hatten in der DDR eine Original-Jeans aus dem Westen, weshalb es Designs mit verschiedenen Nieten an den Nähten, am Bund und an den Taschen gab – die in den unterschiedlichsten Waschungen daherkamen.

9. Patenbrigade

Die Industrie nahm in der DDR einen wichtigen Stellenwert ein. Auch die Kinder sollten schon früh an diese herangeführt werden, weshalb es die Patenbrigaden gab, die jeder Schulklasse oder Kindergartengruppe zur Seite gestellt wurden. Dieser DDR-Begriff steht für Partnerschaften, die Kinder einen Einblick in die Arbeitswelt geben sollten und beim Herausbilden von Berufswünschen im Sinne der DDR-Regierung halfen.

10. Urst

In der DDR konnte etwas urst lecker, urst schön oder auch urst traurig sein. Dieser DDR-Begriff ist also ein Equivalent zu dem Wort „sehr“. Auch heute wird dieses Wörtchen noch in vielen Landeskreisen benutzt, in der DDR war es allerdings gar nicht wegzudenken.

DDR-Begriffe: Aus der Mode gekommen, aber nicht komplett vergessen

Manche DDR-Begriffe sind vielleicht in Vergessenheit geraten, existieren aber trotzdem noch in den Wortschätzen vieler Menschen. Allerdings gibt es manche Wörter und Wortwendungen aus dieser Zeit, mit welchen die heutige Generation nicht mehr viel anfangen könnte – und das ist auch in Ordnung so. Denn wozu gibt es Oma und Opa, die einem eine kleine Sprach-Reise in die Vergangenheit liefern können?