Es ist ein absolutes Novum. Noch nie wurde ein US-Präsident auf Twitter gesperrt. Doch der Social Media-Riese sah anscheinend keine andere Möglichkeit, auf den Sturm von Trump-AnhängerInnen auf das Kapitol in Washington zu reagieren. Zu groß sei die Angst, dass Donald Trump auf Twitter seine User zu weiteren Aufständen anzetteln könne.

Seit fünf Tagen herrscht nun auf dem Account @realdonaldtrump Funkstille. Das dürfte für den Immobilien-Mogul äußerst schmerzhaft sein, ist Twitter doch sein wichtigstes Kommunikationstool, mit dem er unfassbar viel Zeit verbracht hat. Was macht er nun mit dem klaffenden Loch im Terminkalender?

Trump & Twitter: Eine ungewöhnliche Liaison

Schon morgens um 5.30 Uhr, kurz nach dem Aufwachen, soll er zu seinem iPhone gegriffen und noch im Bett seine ersten Tweets abgesetzt haben. Das schilderte die renomierte New York Times im Dezember 2017 eindrucksvoll in einem Artikel über den Tagesablauf von Donald Trump. Laut dem Blatt würde der scheidende US-Präsident das Twittern auch den ganzen Tag nicht sein lassen. Zwar haben seine Berater immer wieder versucht, die Zeit auf dem Social Media-Portal einzuschränken, doch das ist keinem wirklich gelungen. 

Ganz im Gegenteil: Im letzten Jahr setzte Donald Trump so viele Tweets ab wie noch nie zuvor. Im Schnitt brachte es der 74-Jährige auf 36 Tweets und Retweets pro Tag! Die Seite Trump Twitter Archive hat sich die Mühe gemacht, sich alle Einträge Trumps anzusehen und auszuwerten. Das Ergebnis: @realdonaltrump hat von Januar bis Dezember 2020 insgesamt 12.239 Tweets und Retweets abgesetzt. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 waren es gerade einmal 7.800 Tweets, also 21 pro Tag.

Infografik: Trump tweetet täglich 36 Mal | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Donald Trump twitterte 2020 so viel wie nie zuvor.

Was macht Trump mit der gewonnenen Zeit?

Wenn wir davon ausgehen, dass Trump für jeden Tweet zwei Minuten gebraucht haben könnte, dürfte er für seine 36 Tweets allein 72 Minuten am Tag investiert haben. Ganz zu schweigen von der Zeit, die für das Lesen von Kommentaren auf anderen Accounts drauf gegangen sein dürfte. So kommen ohne Probleme mal eben eineinhalb Stunden Twitter-Zeit am Tag zusammen. 

Erfahre im Video mehr über Donald Trumps kuriosen Werdegang.

Doch was macht der US-Präsident, wenn ihm sein Lieblings-Portal den Hahn abdreht? Was fängt er mit der gewonnenen Zeit an? Darüber lässt sich natürlich nur spekulieren. Doch nach der New York Times dürften weitere Dinge nun noch mehr Platz in seinem Terminkalender einnehmen. Da wäre zum Beispiel das Fernsehen. Laut der Zeitung knipst Trump die Glotze bereits in den frühen Morgenstunden an und niemand traue sich, die Fernbedienung auch nur anzufassen. Vier bis acht Stunden kommen da angeblich zusammen. Jetzt dürfte Donald Trump noch mehr Zeit mit seinem Lieblingssender FOX News verbringen. Und wenn er sich doch mal etwas bewegen will, ist Donald Trumps erste Wahl das Golfen. So soll der abgewählte Präsident laut TrumpGolfCount.com bis November 2020 in seiner Amtszeit über 285 Mal auf dem Platz gestanden haben. Das hat das den Steuerzahler das hübsche Sümmchen von 142 Millionen US-Dollar gekostet.

Noch viel wahrscheinlicher ist aber, dass Donald Trump alles daran setzt, seine Ansichten und Botschaften trotz Twitter-Sperrung in die Welt hinausposaunen zu wollen. So ließ er verkünden, dass man darüber nachdenke, eine eigene Social-Media-Plattform aufzubauen.

Gerade wurden die ersten Schritte für ein Amtsenthebungsverfahren von Donald Trump eingeleitet. Bei einem Impeachment würden ihm eine Reihe von Rechten & Annehmlichkeiten flöten gehen. Übrigens: Aufgrund dieser Tweets wurde Donald Trumps Twitter-Account dauerhaft gesperrt. Interessante Statistiken über Trumps Twitterverhalten gibt es hier.