Es ist eine Routine: Jeden Morgen nach dem Aufstehen erst einmal ein Kaffee und dann die Tagesthemen von gestern Abend 22:30 Uhr. Man solle ja schließlich wissen, was in der Welt so alles passiert. Dass ich dabei aber eben auch manchmal spucken möchte, zeigte sich heute morgen einmal mehr.

Das Problem mit den gestrigen Tagesthemen

Seit 1,5 Jahren sprechen Susanne Daubner, Ingo Zamperoni und wie sie sonst alle heißen eingängig über die Inzidenzen in Deutschland und auf der Welt. „Corona hat wieder Menschenleben gekostet.“ „Pflegenotstand.“ Bla. Auch gestern Abend ging es wieder um Corona. Natürlich.

Doch es ging noch um etwas anderes: Die Konjunkturprognose in Deutschland. Linda Zervakis stellte vor, dass die Wirtschafter und die Regierung des Landes bis dato damit gerechnet hatten, dass die Wirtschaft um gut 3,5 % im Jahr 2021 wachse. Zuvor war man davon ausgegangen, dass die deutsche Wirtschaft nur 3,0 % an Wachstum im Jahr 2021 schaffen würde. Wir wachsen also doch mehr als wir dachten. Yayy!

2020 war die Wirtschaftsleistung dank Corona eingebrochen

Jetzt aber mal eben Tacheles: Wie kann denn die Wirtschaft wieder so schön wachsen? Markus Gürne von der Frankfurter Börse erklärt den Zusammenhang: Während Branchen wie die Gastronomie noch immer brachliegen und sich auch in der nächsten Zeit keine Hoffnungen auf Verbesserung ihrer Lage machen dürfen, wächst die Wirtschaft an anderer Stelle. Die Industrie, die Fabriken: Das sind die „Sieger“, die wir derzeit aus der Coronakrise ziehen können. Und es ist vor allem China, wo wir die Güter hin exportieren, die wir hier in Hülle und Fülle produzieren.

Deutschland ist übrigens beim Wirtschaftswachstum trotzdem auf den hinteren Rängen. Viele Länder, die bereits mehr Impfstoff zur Verfügung haben, haben auch schon mehr Wachstum.

Was bedeutet Wirtschaftswachstum überhaupt?

Eigentilch muss das Wort Wirtschaftswachstum nicht erklärt werden, denn es erklärt sich im Grunde selbst. Doch eine Einordnung ist sehr wohl vonnöten. Eine Wachstum um 3,5 % im Jahr 2021 bedeutet, dass wir noch mehr produzieren und konsumieren als noch im letzten Jahr. Jedes Jahr aufs neue sind wir darauf aus, die Wirtschaft so viel wie möglich wachsen zu lassen, auch wenn die Geburten stagnieren. Das bedeutet: Jede:r Einzelne konsumiert jedes Jahr noch mehr als das Vorjahr. Durch Corona besonders pervers: Konsumiert werden konnte nur zuhause vor den Bildschirmen. Da würde man doch meinen, dass der Konsumrausch bei den Menschen etwas weniger stark ausfallen würde.

Ist das Wirtschaftswachstum wirklich ein Erfolg?

Ob das Wirtschaftswachstum ein Erfolg ist, kommt darauf an, wen man fragt. Viele Regierende und Wirtschaftsweisen sagen: „JA!“ Viele andere schütteln eher enttäuscht den Kopf: Wir stecken mitten in einer schrecklichen Pandemie, in der kleine und große Betriebe sterben oder noch immer kläglich vor sich hinsiechen. Wir stecken in einer Pandemie, in der wir zu wenig Bildung in den Schulen haben und zu wenig Flüssiges auf den Konten. Aber die Wirtschaft, die wächst. Na super!