K.O.-Tropfen sind unglaublich gefährlich, nicht nur, weil sie die Opfer willenlos machen, sondern auch, weil unsere Gesetze Täter:innen schützen. Wir zeigen dir deshalb, wie du dich mit smarten Erfindungen wie dem K.O.-Tropfen Armband schützen kannst und warum das (leider) so wichtig ist.

K.O.-Tropfen: Unsichtbar, aber nicht verschwunden

Ich kann mich gut an den Prep-Talk der Lehrer:innen an meiner Schule erinnern: Trinkt niemals auf fremden Gläsern und lasst eures ja nie aus den Augen. Und das habe ich auch nicht, denn in meiner Jugendzeit gab es immer wieder erschreckende Missbrauchsfälle im Zusammenhang mit K.O.-Tropfen, die durch die Presse gingen.

Aber wie ist das jetzt? Irgendwie ist die Partydroge aus der Sicht der Öffentlichkeit gerückt und hinterlässt so den Eindruck, es gäbe weniger Vorfälle. Dem ist aber nicht so. Jetzt kommt das Thema dank Social Media wieder ins Rollen und immer mehr Influencer:innen, aber auch Opfer machen darauf aufmerksam. Aber wie viele Opfer gibt es in Deutschland wirklich?

Wie groß ist die Gefahr von K.O.-Tropfen in Deutschland?

Die Berliner Polizei erfasst alle angezeigten Fälle auf K.O.-Tropfen in einem jährlichen Bericht. Tatsächlich hält sich die Zahl der Opfer in Grenzen. Jedoch ist seit 2017 ein Anstieg zu spüren. Gab es 2012 nur 150 erfasste Anzeigen in der Hauptstadt, sind es 2017 schon 211 und 2018 knapp 230. Die erfassten Fälle beinhalteten jegliche Art von Partydrogen, wie auch die Vergewaltigungsdroge Rohypnol, Ketamin oder Liquid-Ectasy.

Die Dunkelziffer bei K.O.-Tropfen liegt vermutlich weitaus höher. Da sie meist in Verbindung mit Alkohol eingenommen werden, ist vielen Opfern überhaupt nicht bewusst, dass der Filmriss vielleicht nicht mit Cocktails, sondern Betäubungsmitteln zusammenhängt. Da stellt sich die Frage: Warum sind sie überhaupt noch legal erhältlich?

Warum K.O.-Tropfen verkauft werden in Deutschland

In Deutschland fallen gängige Drogen normalerweise unter das Betäubungsmittelgesetz, so auch „reine“ K.O.-Tropfen wie GBL (Gamma-Butyro-Lacton). Dieses kann nur von Ärzten genutzt werden. Die Vorstufe von GBL, nämlich GHB (Gamma-Hydroxy-Buttersäure) hingegen, wird in der Industrie gebraucht und kann in großen Mengen von jedermann bestellt werden.

Die Problematik dabei ist, dass GHB in Verbindung mit Wasser zu GBL reagiert. Wird GHB also in einen Drink gegeben, oder gelangt trocken in den menschlichen Körper, wird es durch das Wasser sofort umgewandelt zu der gefährlichen Droge. Es sind also nicht die K.O.-Tropfen an sich frei verkäuflich, sondern die wichtigste Zutat dafür. Wie unsere Gesetze dabei helfen könnten, den Missbrauch von GHB zu untersagen, erfährst du weiter unten.

K.O.-Tropfen: Auch ein juristisches Problem

K.O.-Tropfen sind nicht nur ein Betäubungsmitteln, welche oft als Vorbereitung für sexuelle Übergriffe und Vergewaltigungen genutzt wird, sondern sie sind auch ein Problem für die Justiz. Denn in Deutschland gilt die Unschuldsvermutung, das heißt, es müssen eindeutige Beweise vorliegen, um Täter:innen anklagen zu können.

Bei K.O.-Tropfen steht oft nur Aussage gegen Aussage. Schlimmer noch: Erinnerungsfetzen gegen Aussage. Opfer sind nicht in der Lage, Nein zu sagen oder können sich teilweise gar nicht richtig erinnern. So ging es auch Nina, die selbst Opfer von K.O.-Tropfen im Club wurde und im Stadtpark zu sich kam, während sie vergewaltigt wurde. Die ganze Doku dazu findest du in diesem YouTube-Video.

K.O.-Tropfen mogeln sich durch unser Justizsystem.

Nina konnte sogar die DNA ihrer Täter nachweisen und hat trotzdem keinen Prozess bekommen, weil ihre Erinnerungslücken zu groß sind. Unser Justizsystem versagt erneut, wenn es um den Schutz der Opfer von sexuellen Verbrechen kommt, denn unter Drogen KANN sie sich nicht wehren oder erinnern.

Diese Erfindungen wollen Täter:innen überführen

Allein die Tatsache, dass junge Menschen sich Erfindungen ausdenken müssen, um sich vor K.O.-Tropfen zu schützen, ist ein Armutszeugnis für Deutschland. Doch es ist leider so und bis sich unsere Gesetze nicht anpassen, können wir uns nur so schützen. Deshalb stellen wir euch hier die smartesten Präventions-Gadgets vor:

1. Das K.O.-Tropfen Armband

Genauso wie Nina erging es laut eigener Aussage auch einer Freundin von Kim Eisenmann. Zusammen waren sie auf einem Stadtfest, hatten sich irgendwann verloren und am nächsten Tag wachte ihre Freundin mit zerissener Kleidung und Gedächtnislücken im Park auf.

Für Kim war klar, dass eine Lösung hermuss. Zusammen mit Sven Häuser hat sie ein Papierarmband entwickelt, welches man problemlos zu öffentlichen Veranstaltungen tragen kann, um in sekundenschnelle einen zuverlässigen Schnelltest auf K.O.-Tropfen durchzuführen.

 

 
 
 
 
 
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Ein Beitrag geteilt von KO-Tropfen-Schutz-Armband (@xantus_drinkcheck) am Aug 16, 2019 um 3:31 PDT

Das K.O.-Tropfen Armband sieht aus wie ein Einlassbändchen und hat zwei Testfelder. Hat man seinen Drink unbeobachtet gelassen, kann man einfach einen Tropfen der Flüssigkeit auf das Testfeld geben. Färbt es sich blau, weiß man, ob das gefährliche GHB (Gamma-Butyro-Lacton) enthalten ist.

Zwei Getränke kann man mit dem K.O.-Tropfen Armband testen. Allerdings hat das Armband auch einen Nachteil, denn wird es nass, sind die Tests nicht mehr aussagekräftig.

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Nightcap
Die neue Erfindung könnte Night Outs für Frauen viel sicherer machen. Credit: TikTok: @nightcapit

2. Der Nightcap

Der Nightcap trendet gerade auf Tiktok passend zum Partystart in vielen Ländern. Dieser wird einfach über das Getränk gestülpt und tarnt sich sonst als Scunchie am Handgelenk.

Damit sind die Getränke zwar erst einmal sicher, wenn du einmal kurz weg schaust, allerdings solltest du es trotzdem nicht unbeobachtet stehen lassen.

3. K.O.-Test von Undercover Colors

Eine längerfristige Lösung bietet die Firma Undercover Colors. Vielleicht hast du schon einmal von ihnen gehört, denn sie hatten früher Nagellack im Sortiment, der die Farbe änderte, wenn ein Getränk mit K.O.-Tropfen versetzt wurde.

Inzwischen gibt es diesen nicht mehr, stattdessen haben sie einen Tester entwickelt, der ähnlich wie das K.O.-Tropfen Armband funktioniert, optisch aber eher unserem Coronaschnelltest-Kit ähnelt. Für den Preis von stolzen 15 Euro pro Stück, kommst du allerdings mit dem K.O.-Tropfen Armband besser weg.

Flyer mit Regeln zum Verhalten bei K.O. Tropfen
Der „weiße Ring“ engagiert sich für bessere Aufklärung zum Thema K.o.-Tropfen Missbrauch und Bewusstsein.

Woran du K.O.-Tropfen erkennst & was du tun kannst, um dich zu schützen

Da K.O.-Tropfen bevorzugt bei Veranstaltungen mit Alkohol genutzt werden können die Täter ihre Opfer leicht unter dem Vorwand „die betrunkene Freundin nach Hause zu bringen“ wegschmuggeln. Die Opfer sind oft derart abwesend und gelähmt, dass sie sich nicht wehren können. 

Selbst für Security ist da oft nicht einfach herauszufinden ob es sich um ein K.o.-Tropfenopfer handeln könnte. Deshalb kommt das K.o.-Tropfen Armband genau richtig. Es gibt aber auch andere Methoden, um dich und deine Freunde zu schützen.

  • Rede über die Problematik mit deinem Party-Squat und macht gemeinsam Regeln aus.
  • Keiner sollte in einem „berauschten“ Zustand alleine gelassen werden. Ist ein:e Freund:in ausgeknockt, solltet ihr euch darum kümmern, dass er oder sie sicher Heim kommt. Bestellt ein Taxi, wenn ihr noch weiterfeiern wollt.
  • Achtet auf Auffälligkeiten: K.O.-Tropfen wirken extrem schnell. Sollte eine Freundin oder ein Freund von jetzt auf gleich Taumeln und Lallen, ist das nicht normal.
  • Wenn ihr Drinks von Fremden annehmt (weil man einen süßen Flirt nicht gleich abblocken will), dann kannst du deinen Freunden ein Zeichen geben, dass sie dich in der nächsten halben Stunde im Auge behalten sollen.
  • Hast du deinen Drink stehen gelassen, kannst du ebenso wie oben verfahren. Natürlich sollten dann nicht alle aus deiner Gruppe einen Schluck nehmen. 
  • Hast du den Verdacht, dass du übermäßig berauscht bist, dann gib deinen Freunden oder der Security Bescheid.

Du bist selbst Opfer von sexualisierter Gewalt geworden oder vermutest, dass du mit K.O.-Tropfen betäubt wurdest? Dann erreichst du unter 116 006 das Hilfetelefon des Weißen Rings.

Wie könnte Deutschland mit der K.O.-Tropfen Problematik umgehen?

Weil GHB von der Industrie stark nachgefragt ist, kann es nicht als Betäubungsmittel deklariert werden, so die offizielle Stellungsahme des Bundesgesundheitsministeriums. Eine Lösung wäre, das GHB mit Bitterstoffen zu versetzen, so der Vorschlag eines befragten Arztes bei Galileo.

Der zugefügte Bitterstoff würde die K.O.-Tropfen ungenießbar machen und man würde sie sofort herausschmecken. Das K.O.-Tropfen Armband könnte man sich also sparen. Ein ähnliches Verfahren hat es schon bei industriellem Ethanol gegeben. Dieser wird durch eine weitere Zutat für den Menschen ungenießbar gemacht. Leider sind derartige Pläne vom Gesundheitsministerium derzeit nicht bekannt. 

Fazit: K.O.-Tropfen sind nur eines von vielen Problemen

Danke für die tollen Erfindung! Aber dennoch bleibt der bittere Beigeschmack, denn K.O.-Tropfen sind zwar die häufigste, aber nicht die einzige Partydroge, die missbraucht wird. Das Xantus K.O.-Tropfen Armband will künftig auch auf andere Partydrogen reagieren. Noch besser wäre allerdings, der Staat reagiert und schützt uns bevor wir zu Opfern werden.

Bis es soweit ist, oder vom Gesundheitsministerium gehandelt wird, solltest du dir beim Feiern der möglichen Gefahr bewusst sein. Es ist aber kein Grund, sich die Stimmung versauen zu lassen, denn ein achtsames Miteinander und aufmerksame Freund:innen sind der beste Schutz.

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