Vor einem Jahr erschoss ein 43-Jähriger Rassist auf offener Straße 9 Menschen mit Migrationshintergrund. Danach brachte er seine eigene Mutter um. Schließlich sich selbst. Die Namen der Erschossenen in Hanau kommen genau ein Jahr nach dieser schrecklichen Tat in den Gemütern wieder hoch.

Ferhat, Gökhan, Hamza, Said Nessar, Mercedes, Sedat, Kaloyan, Fatih, Vili

– Die Namen der Getöteten

Am 19.02.2021 wird es in Hanau eine Gedenkfeier für die Familien, Freunde und Angehörigen der Opfer geben. Aufgrund der Pandemie wird die Feier allerdings eher online stattfinden. Gerade einmal 50 Menschen dürfen im Congress Park Hanau gedenken. Der Rest wird online stattfinden. Am Freitag, 19.02.2021 um 17.30 Uhr geht es los. Die Webseite für den Gedenktag findet ihr hier. Dort könnt ihr euch auch per Livestream einwählen. 

Mit einer spontanen Veranstaltung am Brandenburger-Tor in Berlin gedachten mehrere hundert Menschen den Opfern in Hanau.
Mitläufer*innen sind auch Nazis.(Photo: Majka Czapski imago images/snapshot)

Ein Jahr Hanau: Was hat sich eigentlich seither verändert?

  1. Bereits ein halbes Jahr nach dem Anschlag wurde den Opfern bereits im großen Stile bedacht. Damals trafen sich die Trauernden und Demonstrierenden am Hanauer Gebrüder Grimm Denkmal.
  2. Die Bundesregierung reagierte auf den Fall Hanau mit einem 89-Punkte-Plan gegen Rechtsextremismus. Dort soll genau aufgezeigt werden, wo in Deutschland noch immer Rassismen warten und wo wir sie bekämpfen können. 
  3. Farhad Dilmaghani vom Verein DeutschPlus beschreibt im Gespräch mit dem Wiesbadener Kurier allerdings, dass im Plan der Bundesregierung «keine Gesamtstrategie erkennbar» sei. Deswegen fordert er und viele weitere ein Antidiskriminierungsgesetz mit mehr Klagemöglichkeiten für Betroffene und einem flächendeckenden Netz von Beratungsstellen, außerdem ein Ministerium, das sich federführend um die Gleichstellung von Menschen mit Migrationsgeschichte, um Antidiskriminierung und eine menschenrechtsbasierte Asyl- und Migrationspolitik kümmere.
  4. Der Oberbürgermeister Claus Kaminsky hat die Gedenkfeier ins Leben gerufen. Er ist derjenige, der immer wieder auf die schrecklichen Morde aufmerksam macht.
  5. Jeden Monat trifft der Oberbürgermeister sich mit den Angehörigen der Ermordeten. Manche von ihnen suchen noch immer nach Wohnungen.
  6. Seit den Anschlägen wurden eine neue Fachstelle zur Demokratieförderung und Extremismusprävention geschaffen. Diese ist vor allem für die Förderung und Weiterbildung der Hanauer Bürger zuständig. Denn Unwissenheit ist oft ein großer Faktor, wenn es um Rassismus geht.
  7. In Hanau gibt es jetzt ein Zentrum für Demokratie und Vielfalt. Solche Zentren bestehen bereits in Städten wie Berlin. Sie leisten nicht nur Aufklärungsarbeit, sondern sammeln auch Spenden für von Rassismus Betroffene ein. 
  8. Eine eigene Gedenkstätte ist für die Opfer des Anschlags befindet sich nun unter der Hanauer Friedensbrücke. Es ist ein Graffiti, das die Gesichter der Opfer zeigt.

hanau friedensbrücke opfer gedenkstätte
Ein 27 Meter langes Wandgemälde erinnert an die Opfer in Hanau.(Photo: imago images/Ralph Peters)

Es ist aber noch mehr passiert…

Seit Hanau hat sich die Black Lives Matter-Bewegung formiert. Wir sind viel aufmerksamer geworden, was den Rassismus in Deutschland angeht.

Auch wissen wir nun besser über politischen Rassismus Bescheid wie Donald Trump ihn vorantreibt.

Lest hier, wie eine unserer Redakteurinnen am eigenen Leib erfährt, dass es selbst im schönen Brandenburg noch einiges an Rassismus gibt.