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Unter dieser schweren Krankheit leiden 75 % der Schichtarbeiter

Dass Schichtarbeit oft mit Müdigkeit und Schlafproblemen einhergeht, ist bekannt. Eine Studie hat aber herausgefunden, dass Schichtarbeiter noch unter einer anderen Krankheit leiden.

Ärztin Krankenhaus Schichtarbeit
In vielen Berufen gehört Schichtarbeit dazu. Foto: Getty Images/ South_agency

Wer im Schichtdienst arbeitet, leidet oft unter Einschlafproblemen, Müdigkeit und schlechtem Schlaf. Doch wie die Wissenschaft zeigt, kann Schichtarbeit noch zu einem weiteren gesundheitlichen Problem führen. Denn durch den ständig wechselnden Arbeitsrhythmus kommt der Darm aus dem Gleichgewicht. Verdauungsprobleme sind die Folge. Was sind weitere Gründe dafür und was kann man dagegen tun?

Wie ungesund ist Schichtarbeit wirklich?

Wenn du selbst im Schichtdienst arbeitest, kennst du bestimmt die typischen Erscheinungen: Der Körper kommt aus dem Gleichgewicht. Das hat nicht nur Schlafstörungen, sondern auch Magen-Darm-Probleme zur Folge.

In einem Interview mit der Zeit hat Frank Brenscheidt von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin bestätigt, dass Schichtarbeit grundsätzlich nicht gesund für den Körper ist. Neben körperlichen Beeinträchtigungen würden Schichtarbeiter:innen auch ihre mentale Gesundheit strapazieren, da sie alltägliche Dinge, wie Zeit mit der Familie zu verbringen, wegen ihrer Arbeit nur eingeschränkt machen können.

Studie zeigt Auswirkungen von Schichtarbeit

Frühere Studien belegten bereits: Wer nachts lange arbeiten muss, hat eine bis zu 8 Jahren kürzere Lebenserwartung. Jetzt wird es noch ernster. Aktuelle Ergebnisse belegen, dass Schichtarbeit auch ordentlich auf den Magen schlägt. Die Folge: 75 bis 80 Prozent der Schichtarbeiter:innen haben Magen-Darm-Probleme – so die Erkenntnisse einer Studie der Hochschule Niederrhein.

Im Rahmen des Forschungsprojektes „Gestaltung von Schichtarbeit in der Produktion“ standen Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg im Fokus der Untersuchung. Von 2015 bis 2017 haben Wissenschaftler:innen, unter Leitung von Thomas Langhoff, Professor für Arbeitswissenschaft an der Hochschule Niederrhein, Schichtarbeiter:innen zu ihrer Arbeit befragt. Laut Thomas Langhoff sind die Magen-Darm-Probleme leicht zu erklären:

Blähbauch
Schichtdienst: Woher kommen die Magen-Darm-Probleme während des Schichtdienstes? Foto: Grace Cary/ Getty Images

Die innere Uhr besagt, dass man eigentlich nachts auf Ruhemodus stellt, auch Magen und Darm, und wenn dann nachts Ernährung zu sich genommen wird, werden eigentlich Magen-Darmp-Pobleme erzeugt.

Thomas Langhoff

Wichtig sei, dass jeder, der nachts arbeitet, sich vor allem fettarm ernähren sollte. Auf Schokoriegel oder Chips-Tüten, sollte unbedingt verzichtet werden. Professor Thomas Langhoff würde sich daher wünschen, dass Beschäftigten eine entsprechend gesunde Ernährung zur Verfügung gestellt wird. Außerdem könnten vorwärtsrollierende Dauernachtschichten die Schichtarbeit verbessern.

Die Lösung: vorwärtsrollierende Schichten

Auch die Schichtplangestaltung sollte sich verändern. Statt eine Nachtschicht nach der anderen zu haben, bieten sich sogenannte vorwärtsrollierende Schichten an. Hier wird von der Früh- in die Spät- in die Nachtschicht gearbeitet; es gibt somit nicht mehr 4 gleiche Schichten am Stück, sondern einen Block, der zum Beispiel 6 Tage lang geht. Dieser würde dann 2 Frühschichten beinhalten, 2 Spätschichten und 2 Nachtschichten. Es wird davon ausgegangen, dass dieser Rhythmus für deinen Körper gesünder ist.

Damit du zukünftig besser durch die Schichtarbeit kommst, haben wir hier zudem 5 wirksame Tipps für dich zusammengefasst.

1. Tipp: Versuche, Routinen zu entwickeln

Selbst, wenn deine Arbeitszeiten wechseln: Versuche, feste Routinen zu entwickeln. Dazu gehört nicht nur, immer zur selben Zeit ins Bett zu gehen, sondern auch den Ablauf vor dem Schlafengehen immer gleich zu gestalten. Ein Beispiel wäre: Eine Stunde vor dem Zubettgehen schaltest du das Handy aus, trinkst eine Tasse Tee, meditierst 10 Minuten oder schreibst in ein Dankbarkeitstagebuch, gehst ins Bad und machst dich bereit zum Schlafen, legst dich ins Bett. So kommen nicht nur dein Geist, sondern auch dein Bauch in einen festen Rhythmus.

2. Tipp: Versuche in deiner freien Zeit zu meditieren

Bei Schichtarbeit solltest du unbedingt anfangen zu meditieren. Zu den Vorteilen der Meditation für die psychische Gesundheit gehören eine bessere Konzentration, verbessertes Selbstbewusstsein, Selbstwertgefühl, ein geringeres Maß an Stress und Angst und eine allgemeine Ausgelassenheit. Meditation hat auch allerdings nicht nur psychische, sondern auch körperliche Vorteile für deine Gesundheit. Sie hilft, dass du dich entspannst und dadurch deine innere Ruhe aktivierst.

3. Tipp: Informiere deine Freunde und deine Familie

So vermeidest du, dass genau dann jemand vor der Tür steht, wenn du eigentlich gerade schlafen wolltest. Auch dein Handy solltest du für diese Zeit unbedingt auf lautlos stellen und gegebenenfalls mit deinem Partner oder Partnerin über deine Ruhezeiten sprechen. Weiß dein enges Umfeld über deine Arbeitszeiten Bescheid, dann musst du dir keine Sorgen darüber machen, dass du völlig übermüdet die nächste Schicht startest.

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4. Tipp: nur kleine Snacks vor dem Schlafengehen

Vermeide es, direkt vor dem Schlafen gehen schwere Kost oder Fast Food zu essen. Das könnte deine Verdauung beeinträchtigen. Stattdessen greife zu einer Banane oder einer Milch mit Honig. Ein Bananen-Tee ist sogar der perfekte Tee zum Einschlafen. Überkommt dich dennoch der Hunger, dann entscheide dich für leichte Gerichte, wie zum Beispiel ein Salat. Du wirst merken, dass du so deutlich besser in den Schlaf findest. Falls es dir doch schwerfällt, dann schaue dir diese 7 Tricks an und erfahre, wie du besser einschlafen kannst.

Auch interessant: Du musst dir nicht alles gefallen lassen. Daher erfährst du in dem folgenden Video, warum Nein sagen im Job sogar wichtig ist.

5. Tipp: Vermeide Alkohol und Koffein

Einige Stunden bevor du schlafen gehst, solltest du auf Alkohol, Cola, Energydrinks und Koffein verzichten. Auch, wenn oft heißt, dass ein Glas Wein sogar beim Einschlafen helfen kann, wirst du dadurch einen unruhigeren Schlaf haben. Es lohnt sich daher, die Zeit vor dem Schlafen etwas zu planen, damit du ausgeschlafen zur nächsten Nachtschicht erscheinen kannst.

Schichtarbeit: Die Routine macht’s

Mit der richtigen Vorbereitung wirst du es schaffen, ausreichend zu schlafen und mit den veränderten Schlafzeiten klarzukommen. Damit du auch tagsüber zur Ruhe findest, verzichte auf Alkohol, Koffein und schweres Essen. Hast du dennoch Schwierigkeiten damit, dich zu entspannen, dann schaue dir auch unseren Artikel über pflanzliche Mittel gegen Stress an. Hier erfährst du, welche Mittel dir dabei helfen können, besser einzuschlafen.