Für meinen Bachelor habe ich satte acht Semester gebraucht. Mittlerweile befinde ich mich im sechsten Semester meines geisteswissenschaftlichen Masters. Wie beschwerlich und langatmig ein Studium sein kann, erfahre ich also bis heute am eigenen Leib. Natürlich haben mich in dieser Zeit Gedanken beschlichen, ob ich das Richtige studiere oder ob es besser wäre, mein Studium abzubrechen. Warum es sich lohnen kann, dran zu bleiben und wann ein Abbruch der sinnvolle Ausweg ist, liest du hier.

Studienabbrüche gehören heute dazu

Mit meinen Zweifeln stehe ich nicht allein da. Belassen es viele bei dem Gedankenspiel, brechen ganze 33 % der Studenten einer Universität ihr Studium in letzter Konsequenz tatsächlich ab, so die Ergebnisse der Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung. An Hochschulen zeigt sich mit 27 % Studienabbrechern ein ähnliches Bild. 

In den meisten Fällen, so zeigt die Studie, brechen Studierende nach dem 3. Semester ab, also in der Halbzeit ihres Bachelorstudiums. Die wenigsten übereilen diesen Entschluss jedoch, sondern tragen den Gedanken schon seit dem ersten Semester mit sich rum. In der Regel nehmen die ehemals Studierenden dann kein neues Studium auf.

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Fehlende Motivation, schlechte Noten aber auch mentale Probleme sind häufige Gründe für den Studienabbruch.(Photo: imago images / Westend61)

Abbrüche erfolgen aus unterschiedlichen Gründen

Ganze 30 % der Studienabbrechenden gibt an, das Studium geschmissen zu haben, schlicht weil sie den Leistungsanforderungen nicht standhalten konnten. Kein Wunder, wenn man bedenkt, wie hoch die Anforderungen im Hörsaal plötzlich im Vergleich zum Klassenzimmer sind. Diese Vermutung bestätigen die Abbruchquoten in den Bereichen Mathematik, Informatik, Ingenieurwesen und in den Naturwissenschaften.

Aber auch in den Geisteswissenschaften sind die Abbruchquoten nicht zu verschweigen. Fehlende praktische Arbeit und mangelnde Motivation können hier als Gründe des Abbruchs angebracht werden. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass hier vor allem die Frage quält: Was soll ich damit später machen? Ganz zu schweigen von der Masse an Hausarbeiten und den fehlenden Abgabeterminen. Ein sehr freies geisteswissenschaftliches Studium hat eben auch seine Nachteile.

Aber auch Geldsorgen, private, gesundheitliche sowie mentale Probleme können der zündende Funke sein, der viele Studierende dazu bewegt, ihre Exmatrikulation ganz bewusst einzureichen. Wie du dir bei Depressionen im Studium helfen lassen kannst, liest du hier. Außerdem verraten wir dir, wie du endlich das Prokrastinieren sein lässt!

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Was ist nun das Richtige? Dranbleiben oder exmatrikulieren?(Photo: imago images/Westend61)

Abbrechen oder Dranbleiben?

Doch ist die Exmatrikulation wirklich der richtige Weg? Das kann nur jeder für sich selbst beantworten. Vorneweg sei verraten: Es ist kein Verlust, sein Studium abzubrechen. Es hat nichts mit Versagen zu tun, Dinge im Leben auch mal abzubrechen, vor allem dann, wenn sie einem nicht guttun. 

Dennoch sollten Entscheidungen, vor allem solche, die lebensweisend sind, nicht übereilt getroffen werden. Um deine Entscheidung zu treffen, kann es helfen, wenn du dir zuvor die folgenden Fragen stellst:

1. Warum möchte ich das Studium abbrechen?

Jeder, der ernsthaft erwägt, sein Studium abzubrechen, sollte zuvor mit sich ins Gericht gehen und sich fragen, woran es eigentlich scheitert. Ist die Antwort erst da, sollte abgewogen werden, ob sich dieses Problem vielleicht auch anders lösen lässt. Viele brechen ihr Studium beispielsweise ab, weil sie schlechte Noten kassieren und ihren eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden.

2. Sind es nur die Noten, die mich zweifeln lassen?

Natürlich gibt ein guter Notenspiegel ein gutes Gefühl, ist im Zweifel später auf dem Jobmarkt aber gar nicht so wichtig wie gedacht. Entweder wird er gar nicht erfragt oder der Teamfit ist ohnehin wichtiger. Natürlich ist das abhängig vom Studienfach. Doch auch dann können Lerngruppen oder extra Seminare zum Lernmanagement helfen, sich besser zu organisieren. Wie du den perfekten Semester-Plan erstellst, verraten wir dir hier.

3. Möchte ich das eigentlich wirklich?

Wer allerdings ein Studium begonnen hat, das die eigenen Eltern stolz machen soll und nun so gar keinen Draht zum Fach aufbauen kann, sollte sich die einfache Frage stellen: Möchte ich später in diesem Feld überhaupt arbeiten? Interessiert es mich so sehr, dass ich meine Gedanken darum auch in meiner Freizeit Raum schenken möchte und möchte ich wirklich die nächsten Jahre mit Seminaren und Prüfungen dazu verbringen? Fällt keine der Antworten positiv aus, ist der Studienabbruch sinnvoll. 

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Ist es nur das eine Semester, das für den Durchhänger sorgt oder ist das ganze Studium für die Katz? Hinterfrage deine Motivation.(Photo: imago images / Westend61)

4. Wird die Motivation jemals wiederkehren?

Wir alle durchleben Phasen von Desinteresse und mangelnder Motivation. Wer jedoch seit vier Jahren in einem Studium eingeschrieben ist und pro Semester nur eine Prüfung ablegt, sollte sich fragen, ob die Motivation für den Studienabschluss ausreichen wird. Ein Beratungsgespräch bei der Studienberatung kann hier helfen, um sich seiner Sache sicher zu werden. 

5. Was ändert sich durch den Studienabbruch?

Impulsive Entscheidungen können natürlich auch zu einem Studienabbruch führen und im ersten Moment befreien: Endlich ist die Last auf der Brust kleiner. Zuvor abzuwägen, wie es danach weitergeht, kann jedoch nicht nur bei der Entscheidung, das Studium abzubrechen helfen, sondern hilft auch danach, den besseren Weg einzuschlagen. 

Ohne Perspektive abzubrechen, könnte dazu führen, dass man versackt. Besser fragst du dich schon zuvor: Was will ich eigentlich? Was macht mich glücklich? Und am wichtigsten: Wie kann ich dieses Ziel erreichen?

Bewirb dich um Praktika oder setze dich in andere Vorlesungen, aber auch Berufsmessen können jetzt die richtige Anlaufstelle sein. Übrigens muss dein begonnenes Studium keine verlorene Zeit sein. Zum Beispiel lassen sich viele Studienleistungen auf andere Studiengänge oder Ausbildungen übertragen.

Das Studium abzubrechen ist vor allem eines: mutig!

Und genau so sollte man den Abbruch des Studiums auch in Bewerbungsgesprächen verkaufen. Immerhin hat man sich getraut, seinem Lebenslauf einen Schnitzer zu verleihen und den Passionen nachzugehen, die besser passen und vor allem glücklicher machen. 

Ich für meinen Teil habe meine Zweifel jedes Mal runtergeschluckt und bin drangeblieben. Und auch das war die für mich goldrichtige Entscheidung. Denn eines sei zum Abschluss verraten: Das Studium ist gut für die geistige und theoretische Bildung. Nichts geht jedoch über praktische Erfahrungen, die man neben dem Studium sammelt und die einem zeigen, wofür man sich das Ganze eigentlich antut. 

Mehr Input fürs Studium gefällig? Das sind die besten Tools für die Bachelorarbeit, so klappt die Weiterbildung an der Fernuni und so überlebst du den Prüfungsstress.