Xavier Naidoo
Xavier Naidoo ist schon länger ein Verschwörungstheoretiker. (Photo: imago images/Reiner Zensen) Source: imago images / Kadir Caliskan

3 Gründe, warum Promis während Corona Verschwörungstheoretiker werden

Die Coronakrise fordert auch prominente geistige Opfer. Aus diesen 3 Gründen werden Promis zu Verschwörunsgtheoretikern

Tag für Tag mischen sich neue Promis unter die Masse an Verschwörungstheoretikern, die während der Coronakrise einen Aufschwung erleben. Besonders schwierig sind angemessene Reaktionen auf die Posts. Irgendwie sinnvoll oder sogar zielorientiert sollten die Antworten sein, aber auch wenn die meisten Theorien widerlegt sind, hilft selten Widerspruch. Übrig bleiben verharmlosende Gags und Spott. Keine gute Lösung.

Dabei gibt es viele Möglichkeiten zu erklären, warum gerade in der Coronakrise so viele Promis durchdrehen und zu Verschwörungstheoretikern werden. Drei mögliche Gründe haben wir gesammelt.

1. Aufmerksamkeitsmangel

Da stehen unsere Promis den ganzen Tag mehr oder weniger im Rampenlicht und auf einmal hängen alle an den Lippen von Merkel, Spahn und Drosten. Das ist vor allem fürs Ego hart und führt dazu, dass sich einige abgehängt fühlen. Der akute Öffentlichkeitsentzug kann natürlich mit Social Media kompensiert werden. Und mit Verschwörungstheorien.

Xavier Naidoo
Xavier Naidoo hat sich auf Twitter mal so richtig ins Aus geschossen.

Mit dem Sänger Xavier Naidoo haben wir uns bereits intensiv beschäftigt. An diese Verschwörungstheorien glaub der Sohn Mannheims sonst noch. Sein ausländerfeindlicher Twitter-Song sorte vor wenigen Monaten bereits für Aufschreie.

2. Arroganz

Neben dem Soulsänger sind die prominentesten Verschwörungstheoretiker gerade Attila Hildmann (veganer Koch) und Til Schweiger (Regisseur/Produzent). Hauptberuflich hat niemand etwas mit Wissenschaft, Medizin oder Politik zu tun, das hält allerdings auch keinen ab, seine Meinung abzugeben. 

Das ist erst mal schön, immerhin leben wir in einer Demokratie, wird aber gefährlich, wenn es um eine weltweite Pandemie geht. Der Content geht oft einfach an der Realität vorbei, bietet keine Lösungen an und ist pure Hetze. Kurz gesagt: Verschwörungstheorien.

Til Schweiger
Til Schweiger dreht sich die Realität derzeit wie sie ihm passt.(Photo: imago images/Future Image)

Til Schweiger: Orientierungslosigkeit wird zur Gefahr

Besonders alarmierend ist der Fall von Til Schweiger. Dass der gerne seinen politischen Willen von sich gibt, ist bekannt. Er verliert sich aber in immer dubioseren Umfeldern um den scheinbar intellektuellen Hals-Nasen-Ohren-Arzt Bodo Schiffmann, der die Partei Widerstand2020 mitgegründet hat und sich gegen die Regierungsmaßnahmen stemmt. Dieser hat mit Schweiger nun auch noch einen orientierungslosen Promi an seiner Seite, der mit ihm für ein Recht auf Ansteckung kämpft. Das führt uns direkt zum nächsten Punkt.

3. Auch Promis suchen Halt

Wir alle leben in unserer eigenen Blase. Kontrollverlust und Zukunftsängste durch die Coronakrise treffen uns alle gleichermaßen. Egal, wie voll das Bankkonto ist. Die Wissenschaftlerin Pia Lamberty erklärte in einem Interview mit dem Tagesspiegel, wie auch Verschwörungstheoretiker vorgehen.

Wenn Menschen das Gefühl haben, keine Kontrolle zu haben, suchen sie Strategien, um damit umzugehen. Eine Strategie ist, auch da Muster zu sehen, wo keine sind. - Pia Lamberty

Sich mit selbsternannten Experten wie Ken Jebsen zu umgeben, die die eigene Meinung und die eigenen Muster unterstützen, gibt zusätzlichen Halt. Wer Gründe für seine Verschwörungstheorien sucht, der findet sie auch.

Jebsen selbst betont zu Beginn seiner Videos wirklich überzeugend, seit 35 Jahren als Journalist zu arbeiten und einen Presseausweis zu haben. Kehrseite: Jebsen ist 2014 vom rbb wegen antisemitischer Äußerungen entlassen worden und betreibt seitdem seinen Youtubekanal KenFM, indem er alternative Fakten und Verschwörungstheorien von sich gibt. Ganz abgesehen davon, dass jeder einen Presseausweis bekommt, der jemals eine Redaktion von innen gesehen hat (Zitat von Sophie Passmann).

Attila Hildmann
Eine Diskussion mit Attila Hildmann wird einige Nerven kosten.(Photo: imago images / Klaus Martin Höfer)

Wie können wir mit Verschwörungstheoretikern umgehen?

Oliver Pocher hat es versucht vor kurzer Zeit probiert, sein Gespräch mit Attila Hildmann auf einer Demonstration in Berlin verlief erstaunlich ruhig. Ob sich Ansichten längerfristig geändert hätten, wenn das Gespräch fortgeführt worden wäre, darf bezweifelt werden. Eine Einigung zwischen gegenteiligen Positionen ist allerdings auch kaum möglich. Pocher scheint seine Lebenszeit dafür nicht zu schade zu sein. Für dich haben wir ein paar Tipps gesammelt, die du in Situationen wie diesen gut gebrauchen kannst.

  1. Allgemeine Gegenfragen, wie zum Beispiel: “Warum glaubst du Quelle 1 mehr als Quelle 2?" können zum Hinterfragen anregen
  2. Professionalität der Quelle. Ist der Stil für eine Nachrichtenagentur angemessen?
  3. Auf Widersprüche aufmerksam machen. Oft lassen sich relativ einfach Unklarheiten in den Argumentation erkennen.  

Kein Platz für Angst

Dennoch solltest du nichts offensichtlich Falsches unwidersprochen stehen lassen. Egal, ob nur ein Schutzreflex, oder eine akute Belastungsstörung hinter den Verschwörungstheoretikern steckt, sie befeuern Verschwörungstheorien und sorgen für Verunsicherung. Dass sie so Futter für neue Gewalt liefern, zeigen die beiden Angriffen auf Fernsehteams von ZDF und ARD.

Diskussionen mit Verschwörungstheoretikern sind wirklich nicht einfach. Mit der 90-Sekunden-Regel lernst du dich selber zu beherrschen. Auch Sport stabilisiert deine Psyche. Wir haben alles über die Neueröffnung der Fitnessstudios für dich. So gehören auch die wildesten Corona-Träume der Vergangenheit an.


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