Endlich tut sich was! Deutschlands Unternehmen werden immer weiblicher. Statt 58 sitzen seit Anfang letzten Jahres 64 Frauen im Vorstand börsennotierter deutscher Firmen. Das wirkt erstmal gering, ist aber ein Anstieg um 0,9 Prozent im Vergleich zu 2019. Und diejenigen, die es bis ganz nach oben geschafft haben, dürfen sich freuen. Sie verdienen deutlich mehr als ihre männlichen Kollegen. Aber warum eigentlich?

Frauen im Vorstand wird es nun öfter geben

Noch vor Kurzem schockte uns die Auswertung der gemeinnützigen AllBright-Stiftung mit ihren Zahlen zu den Frauen in der Führungsriege. Demnach haben 55 von 160 Börsenunternehmen sich explizit als Ziel gesetzt, in den nächsten Jahren keine Spitzenmanagerinnen beschäftigen zu wollen.

Zumindest ein Teil von ihnen wird diese Null nun streichen müssen. Denn der Bundestag hat kürzlich das sogenannte zweite Führungspositionen-Gesetz beschlossen. Börsennotierte und paritätisch mitbestimmte Firmen mit mehr als 2000 Beschäftigten müssen künftig mindestens eine Frau im Vorstand aufweisen, wenn dieser mehr als drei Mitglieder:innen hat.

Und damit nicht genug: Die anderen börsennotierte oder mitbestimmte Unternehmen sollen begründen müssen, wenn sie für im Vorstand keine Frauen einplanen. 

Frauen sind im Vorstand noch immer deutlich in der Minderheit.

Erste Unternehmen haben seit Bekanntgabe des Gesetzesentwurfs laut einer Studie des Vereins FidAR bereits Frauen in die Vorstände berufen. Darunter sind Adidas, Bayer, Eon, Infineon, Fielmann und Südzucker. Dabei gilt die Mindestbeteiligung eigentlich erst bei einer Neubesetzung des Postens.

Auch spannend: Frauen in der Politik – Sind sie die besseren Staatschefs? Wir haben den Zukunftsforscher Matthias Horx gefragt.

Frauen sind „ganz oben“ noch immer selten, aber gut bezahlt

Doch was verdienen die Frauen, die es nach „ganz“ oben“ geschafft haben? Überraschenderweise scheint hier der Gender Pay Gap nicht zu gelten. Denn 2019 haben Frauen im Schnitt deutlich mehr als Männer verdient. Das geht aus einer Auswertung des Beratungs- und Prüfungsunternehmens EY hervor. Demnach wurden Frauen aus der Top-Etage aller Börsenindizes der Dax-Familie besser bezahlt als ihre männlichen Kollegen – und das bereits seit vier Jahren. 

Weibliche Vorstände aus den Top 30 Dax-Konzernen haben 2019 im Schnitt etwa 2,93 Millionen Euro verdient. Dies sind im Mittel rund 30.000 Euro mehr als die männlichen Vorstandsmitglieder.

Auch bei den 60 Firmen im MDax lag das Gehalt der Spitzenmanagerinnen mit durchschnittlich 1,44 Millionen Euro um etwa 115.000 Euro höher als das der Männer. Im SDax zeigt sich ein ähnliches Bild. Frauen im Vorstand verdienten hier 1,07 Millionen Euro mehr als die Top-Manager.

Darum werden Frauen im Vorstand besser bezahlt

Doch warum sahnen Frauen im Vorstand im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen so ab? EY-Experte Jens Massmann glaubt, dass dahinter das wachsende Bestreben der Unternehmen steckt, mehr Frauen für ihr oberstes Führungsgremium zu gewinnen. Allerdings gäbe es davon noch immer nicht viele, sodass sich ihr Marktwert und damit auch das Gehalt erhöht.

Allerdings wirke sich die schlechte Konjunktur auch auf das Gehalt von Frauen im Vorstand aus. Schon vor der Corona-Krise haben sowohl weibliche als auch männliche Top-Manager deutliche Gehaltseinbußen hinnehmen müssen. Bereits 2018 habe es demnach 0,5 Prozent weniger Lohn gegeben. Dieser Trend wird sich laut Massmann weiter fortsetzen. 

Noch mehr News zu Frauen im Arbeitsleben?

crlnmyr