Was ist nur mit den Top-Unternehmen Deutschlands los? Statt wie in vielen anderen Ländern den Frauenanteil zu steigern, haben sie sich nicht nur dazu entschieden, weniger Spitzenmanagerinnen zu beschäftigen – sie beriefen auch noch weniger Frauen in die Vorstände. 

Doch damit nicht genug: Laut einer Auswertung der gemeinnützigen AllBright-Stiftung haben 55 von 160 Börsenunternehmen sogar einen Frauenanteil von 0% zum Ziel für die nächsten Jahre gesetzt. Was soll denn das? Wir sagen euch, welche Firmen keine Frauen im Vorstand wollen. Ihr werdet überrascht sein!

Frauen sitzen in Deutschland kaum im Vorstand

Aber erst einmal die Fakten: Laut der Auswertung der AllBright-Stiftung liegt der Frauenanteil in den Vorständen der 160 Börsenunternehmen bei gerade einmal 10 %. Schaut man sich die Zahl der Vorstandsvorsitzenden an, wird es nicht besser: Nur 3 % von ihnen sind weiblich. Besonders erschreckend ist die Frauenquote bei den DAX30-Unternehmen. Hier ist keine einzige Frau Vorstandsvorsitzende.

Noch deutlicher wird diese rückschrittliche Entwicklung im internationalen Vergleich: Während 2020 in Deutschland nur noch 12,8 % der Frauen in den Vorständen der Dax-Unternehmen sitzen, sind es in den USA  28,6 %, in Schweden 24,9 % und in Großbritannien 24,5 %. 

Infografik: Frauen an der Spitze noch immer eine Seltenheit | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista

Die Zahlen von Frauen an der Spitze deutscher Unternehmen sehe nicht gut aus.

Diese Unternehmen haben das Ziel „Null Frauen“

All diese Zahlen machen deutlich, dass Deutschland im internationalen Vergleich hinterhinkt. Mehr noch: Wir werden den Eindruck nicht los, dass die Unternehmen an dieser Entwicklung rein gar nichts ändern wollen. Das belegen auch die festgesetzten Ziele von 55 der 160 Unternehmen. Denn diese haben laut der Stiftung nicht vor, eine Frau in den Vorstand zu berufen und formulieren ausdrücklich das Ziel „Null Frauen“ bis 2022.

Hintergrund: Die 160 Börsenunternehmen sind per Gesetz dazu verpflichtet, feste Ziele für die Steigerung des Frauenanteils in ihren Vorständen zu veröffentlichen. Es ist aber möglich, die „Zielgröße Null“ anzugeben. Und genau das taten 55 Unternehmen. Sie alle streben also null Frauen im Vorstand an.

Und das sind die Namen der Unternehmen, die keine Frauen im Vorstand wollen:

1&1 Drillisch, Adva Optical, Aixtron, Alstria, Office Reit Amadeus Fire, Atoss Software, BayWa, Bechtle, Bertrandt, Brenntag, Cancom , Carl Zeiss Meditec, CompuGroup,  Medical, Delivery Hero, Deutsche Wohnen, Dr. Hönle, Dürr, Eckert & Ziegler, Encavis, Evotec, Freenet, HeidelbergCement HelloFresh, Hochtief, Hypoport, Indus, Instone Real Estate, Jenoptik, Jost Werke, Klöckner & Co, Koenig & Bauer, Krones,  LPKF Laser & Electronics, Nemetschek, Nordex, Norma Group, Rational, Rheinmetall, Rocket Internet, RWE, Scout24, Siltronic, Sixt, SNP, Stratec, Südzucker, Takkt Telecolumbus, Traton, United Internet, Varta, Vossloh, Wacker Chemie, Wacker Neuson und Zeal Network.

HelloFresh
HelloFresh: Auch der Lieferdienst möchte laut einem Bericht keine Frauen im Vorstand.(Photo: Shutterstock/Daria Nipot)

Auch HelloFresh will keine Frauen im Vorstand

Und? Sind euch zwischen all den 55 Namen Firmen aufgefallen, bei denen ihr niemals gedacht hättet, dass sie keine Frau im Vorstand wollen? Vielen Facebook-Usern stach besonders ein Name ist Auge: HelloFresh. Das 2011 gegründete Unternehmen ist laut eigenen Angaben der weltweit größte Lieferdienst für Lebensmittel nach Rezept.

Dass gerade diese junge, so fortschrittlich wirkende Berliner Firma explizit keine Frauen im Vorstand haben will, wundert uns. Deswegen fragen wir bei HelloFresh nach, was sie zu dem Bericht der AllBright-Stiftung zu sagen haben. Bis jetzt (Stand: 8. Oktober 2020, 16:55 Uhr) hat sich das Unternehmen leider nicht zum „Null Frauen“-Ziel geäußert.

Seit dem Börsengang 2017 konnte sich HelloFresh über starke Wachstumszahlen freuen. Mit der Pandemie erhielt das Unternehmen noch einmal einen extra Erfolgs-Boost.

Gerade in der Krise braucht es Frauen

Obwohl im Krisenjahr nicht alle Firmen so punkten konnten wie HelloFresh, lässt Wiebke Ankersen, Co-Geschäftsführerin der AllBright-Stiftung, Corona als Ausrede für weniger Frauen in Vorständen überhaupt nicht gelten. „Was auch immer Aufsichtsräte veranlasst, in der Krise verstärkt auf Männermannschaften zu setzen – es ist ein kurzsichtiger Reflex, der zeigt, wie wenig verankert Vielfalt an deutschen Unternehmensspitzen noch ist.“ 

Damit würde der dringend nötige Modernisierungsschub im deutschen Top-Management blockiert. Wichtig sei es, öffentlich Chancengleichheit und Vielfalt in der Führung von den Unternehmen einzufordern.

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