19 % – so viel mehr verdienen Männer hierzulande. Das zeigen Daten des Statistischen Bundesamts. Damit hinkt Deutschland hinterher. Denn in anderen europäischen Ländern beträgt der Gender Pay Gap, also die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen, durchschnittlich nur 16 %.

Nur: Wie lässt sich diese Lücke schließen? Was können Unternehmen tun, um ihre Mitarbeiter:innen gerechter zu bezahlen? Und wie sollten berufstätige Frauen reagieren, wenn sie das Gefühl haben, dass sie in vergleichbarer Position wesentlich weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen? All diese Fragen hat wmn der Autorin und Wirtschaftsexpertin Henrike von Platen gestellt. Ihre Antworten findest du hier.

Gender Pay Gap: Wir müssen übers Geld sprechen!

Im Büro wird über vieles gesprochen: anstehende Projekte, den besten Kaffee der Stadt oder das neueste DIY-Projekt, um das Wohnzimmer schön einzurichten. Aber mit den Kolleg:innen übers Gehalt quatschen? Das wird hier nicht gerne gesehen. Und wer es dennoch tut, schaut in peinlich berührte Gesichter oder wird leise nuschelnd darauf hingewiesen, dass es eine Verschwiegenheitsklausel im Arbeitsvertrag gibt und man lieber nicht darüber sprechen sollte.

Eine, die das ändern will, ist Henrike von Platen. Die Wirtschaftsberaterin und Gründerin der gemeinnützigen GmbH Fair Pay Innovation Lab setzt sich bereits seit Jahren dafür ein, offener übers Gehalt zu sprechen und so mehr Transparenz zu schaffen. Sie diskutierte bereits bei der Sendung hart aber fair mit Frank Plasbergs Gästen über das Thema und hielt zahlreiche Vorträge. Dabei hat sie stets ein Ziel im Auge: Den Gender Pay Gap zu schließen.

Und zwar ganz konkret, von Unternehmen für Unternehmen. Mit ihrem Team hat sie im Sommer 2020 ein Pilotprojekt ins Leben gerufen, mit dem sie ihr Vorhaben vorantreiben will.

Gender Pay Gap
Henrike von Platen spricht in wmn über die Gender Pay Gap Foto: Betke, Olover / Oliver Betke

 Wie Henrike von Platen die Gender Pay Gap schließen will

„Im letzten Jahr haben wir den sogenannten Universal Fair Pay Check ins Leben gerufen“, erklärt sie gegenüber wmn. Hierfür können sich Unternehmen bei Henrike von Platen und ihrem Team melden, um sich zertifizieren zu lassen. Der erste Schritt: eine Analyse der Entgeltdaten. Diese legt offen, wie hoch der Gender Pay Gap im Unternehmen ist, und kann zeigen, ob es neben der Lohnlücke zwischen Männern und Frauen noch andere Einkommensunterschiede, etwa aufgrund des Alters oder der Herkunft gibt.

„Mithilfe unserer Analyse erkennen die Unternehmen, wo genau der Schuh drückt und können dann passgenaue Maßnahmen identifizieren, um den Gender Pay Gap zu schließen. Mit diesem Vorgehen sorgen wir dafür, dass Unternehmen wissen, was sie tun, anstatt aufs Geratewohl irgendwelche Diversity-Maßnahmen umzusetzen und sich dann am Ende zu wundern, dass diese nicht richtig wirken“, erklärt von Platen in wmn.

Auf Seite 2 liest du, wieso Unternehmen da mitmachen sollten und was Frauen sagen sollten, wenn sie glauben, dass sie zu wenig verdienen.