Das wohl bekannteste Mantra der Welt lautet „Om“ und stammt aus dem Hinduismus. In der westlichen Welt haben sich allerdings längst „moderne“ Mantras etabliert, die auch Affirmationen genannt werden. In diesem Artikel erkläre ich dir, warum Mantras oder Affirmationen dabei helfen können, mehr Selbstliebe zu erlangen. Außerdem stelle ich dir fünf Sätze vor, die du in deinen alltäglichen Sprachgebrauch integrieren solltest, wenn du lernen möchtest, dich selbst zu lieben.

Was ist ein Mantra?

Ein Mantra ist ein heiliges Wort oder ein heiliger Vers. Es wird so lange wiederholt, bis es sich manifestiert. Man kann es sprechen, flüstern, singen, denken oder aufschreiben – und danach mitunter sogar aufessen.

Mantras sind fester Bestandteil des Buddhismus, Hinduismus, der Yoga- sowie der Meditationspraxis. Sie dienen dazu, das Denken vor schädlichen Vorstellungen zu schützen. So ergibt sich auch der Wortsinn. Das Sankrit-Wort mantram kommt von manas, was Geist bedeutet und tram, was so viel wie schützen bedeutet.

Ein Mantra ist demnach ein Instrument, um den Geist zu schützen. Im Hinduismus soll ein Mantra zusätzlich spirituelle Energien freilassen. In der Meditation soll es helfen, tiefer in den eigenen Geist abzutauchen.

Frau Meditation
Beim Meditieren soll ein klassisches Mantra helfen, tiefer in den eigenen Geist einzutauchen. Foto: Imago Images/ Addictive Stock

Mantra für mehr Selbstliebe: Was sind Affirmationen?

In der westlichen Welt hat sich vor allem im Zuge der Meditation, die immer höher im Kurs steht, die Praxis der Affirmationen etabliert. Hierbei handelt es sich um keine heiligen und religiösen Verse, sondern um Sätze, die Situationen oder Handlungen positiv bewerten. Dennoch sind Affirmationen mit einem Mantra vergleichbar, da man sie während der Meditation gebetsartig aufsagt und mit der Atmung in Einklang bringt.

Bei einer Affirmation summt man demnach kein „Om“ vor sich hin, sondern sagt sich einen Satz auf, der positiv denken lässt. Wiederholt man diesen Satz immer wieder, prägt sich dieser in unser Unterbewusstsein ein und lässt daraus im besten Fall Überzeugungen erwachsen. Aus diesen Überzeugungen sollen letztlich Taten werden und unsere Lebensumstände sollen sich ändern.

Ein Beispiel: Verfallen wir dem Denken, dass wir etwas nicht können oder verdienen, werden wir es mitunter gar nicht erst versuchen. Ein Mantra, welches unsere Selbstliebe stärkt, wäre dann: „Ich kann das. Ich verdiene das.“

Diese Sätze baut man immer wieder in die Meditationspraxis ein, sagt sie sich morgens vor dem Spiegel, bevor man das Haus verlässt, auf, hängt sich kleine Zettel mit den Zeilen in der Wohnung auf oder schreit sie beim Joggen in der Natur in die Welt hinaus. All das soll helfen, dass sich die hoffnungsvollen Gedanken manifestieren, wir mehr Selbstliebe erlangen und letztlich gestärkt durchs Leben gehen.

Selbstliebe
Mantras und Affirmationen sollen zu mehr Selbstwert und Selbstliebe führen. Aber klappt das wirklich? Foto: Imago Images/ Addictive Stock

Bringen Mantras tatsächlich mehr Selbstliebe? Darauf kommt es an

Die Idee eines Mantras bzw. von Affirmationen leuchtet ein. Statt den Verstand mit negativen Gedanken zu vergiften, füllt man ihn immer wieder mit Positivität. Allerdings mutet der Gedanke auch etwas esoterisch und spirituell an. Kein Wunder, immerhin wird er hier in zahlreichen spirituellen Praktiken angewandt.

Und hier kommen wir auch gleich zu der alles entscheidenden Frage: Bringen Mantras für die Selbstliebe denn wirklich etwas? An dieser Stelle muss ganz klar betont werden, dass Mantras und Affirmationen nicht jedem Menschen helfen. Manchen schaden sie mitunter sogar in Sachen Selbstliebe! Das ergab zumindest eine Studie der Universität Waterloo und New Brunswick.

Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass vor allem Menschen mit einem geringen Selbstwert nicht von einem Mantra profitieren, sondern sich mitunter sogar schaden. Und zwar dann, wenn sie die Affirmation nach dem Aufsagen hinterfragen.

Proband:innen, die sich vor dem Spiegel sagten, dass sie liebenswürdig sind und diese Aussage danach anzweifelten, büßten sogar an Selbstliebe ein. Menschen, die bereits einen gesunden Selbstwert aufweisen, profitierten dagegen.

In der Zusammenfassung der Studie heißt es abschließend: „Das Wiederholen positiver Selbstaussagen kann sicher von Vorteil sein für Menschen, aber auch nach hinten losgehen, und zwar genau für die Menschen, die sie brauchen.“ Mantras für mehr Selbstliebe sind demnach mit Vorsicht zu genießen.

Diese 5 Mantras für mehr Selbstliebe solltest du kennen

Fernab dieser Studie schwören zahlreiche Selbsthilfe-Gurus allerdings auf Mantras für mehr Selbstliebe. Mir ist es wichtig, an dieser Stelle zu betonen, dass man sich von einem Satz allein keine gravierenden Änderungen für sein Leben erhoffen sollte. Wer zudem in ständigen Gedankenkarussellen und Selbstzweifeln festhängt, tut gut daran, eine Therapie zu starten. Ein Mantra allein wird hier wenig bewegen.

Wer sich mit der Methode jedoch wohlfühlt und damit lediglich anstrebt, zu etwas mehr Selbstliebe zu gelangen, dem können Mantras ungemein helfen. Man sollte aber darauf achten, dass man die Sätze nicht ständig hinterfragt, sondern vollumfänglich für sich annimmt.

Umso wichtiger ist es, ein Mantra zu finden, welches 100 % zu einem passt. Ich sage mir beispielsweise bei der Meditation gerne: „Ich bin genug, ich tue genug und ich habe genug“, um mich von meinen Selbstzweifeln loszumachen. Nur weil diese Sätze für mich funktionieren, müssen sie das aber nicht auch für dich. Daher habe ich hier fünf weitere Mantras bzw. Affirmationen für dich als Inspiration gesammelt:

  1. Ich bin gut genug.
  2. Ich vertraue mir.
  3. Ich bin stark.
  4. Ich nehme mich so an, wie ich bin.
  5. Ich liebe mich Tag für Tag mehr.

Wähle ein Mantra, das zu dir passt. Wähle ein Mantra, das dich, während du es sprichst oder denkst, stark fühlen lässt. Wähle ein Mantra, an das du bereit bist, zu glauben. So gehst du einen Schritt in die Richtung eines Lebens voller Selbstliebe.

Ähnliche Artikel: