Wasser predigen und Wein trinken ist etwas, das wir Menschen besonders gern und oft tun. Da wird von Body Positivity geredet und von Umweltschutz und von der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Gleichzeitig hält man aber 365 Tage im Jahr Diät und fliegt nach Bali in den Urlaub in ein Luxushotel, das von einem Mann geführt wird. Zum Glück gibt es das Internet, um dem Frust über solche Dinge Luft zu machen. Unter dem Hashtag #doublestandards finden sich viele Beispiele, die die Doppelmoral unserer Gesellschaft humorvoll auf den Punkt bringen.

Double Standards auf Social Media: Die unbequeme Wahrheit

Wir lieben die sozialen Medien für ihre Fülle an kreativen, inspirierenden und unterhaltenden Inhalten. Aber wir bekommen es auch immer wieder mit Influencer:innen, Prominenten oder auch einfach alten Klassenkamerad:innen zu tun, die uns lang und breit erzählen, wie wichtig dieses und jenes ist und an anderer Stelle völlig selbstverständlich entgegen der selbst promoteten Überzeugungen handeln. Wie sehr diese Art der Doppelmoral in unserer Gesellschaft verankert ist – und zwar bei Weitem nicht nur auf Social Media – zeigen diese wortgewandten Tweets und TikToks auf die bestmögliche Weise.

„Jetzt lächle doch mal!“

Wenn ein Mann schlecht drauf ist, hat er hauptsächlich eines: Gründe. Wenn aber eine Frau schlechte Laune hat, ist sie tendenziell hysterisch. Aber hey, sie kann nichts dafür, wahrscheinlich hat sie ihre Tage. Denn da sind Frauen ja schlecht drauf. Wegen der Hormone und so. Gern folgt dann die Aufforderung „Lächle doch mal“, die jede Frau in ihrem Leben garantiert schon mal gehört hat. Deshalb ein Friendly Reminder von diesem Twitter-User: Frauen dürfen schlechte Laune haben, wann immer sie wollen. Ganz hormon-unabhängig.

Ja, auch Frauen betreiben Double Standards

Diese Tiktokerin hat ein Phänomen unserer Zeit beschrieben, das im öffentlichen Diskurs über Sexismus oft vergessen wird: nämlich, dass auch Männer davon betroffen sind. Im Video geht es um einen attraktiven Verkäufer, der von begeisterten Kundinnen gefilmt wird. Zurecht bemerkt @claudia_luii, dass dies im umgekehrten Fall sehr wahrscheinlich zu einem Sexismus-Shitstorm geführt hätte. Also: Männer zu sexualisieren ist genauso uncool wie Frauen zu Objekten zu machen. Was du nicht willst, was man dir tut …

@claudia_luii

literally think about this #greenscreenvideo #doublestandards #fyp #foryou #foryoupage #black #guy #hot #society #blm

♬ original sound – claudia ?

„Krass, sie ist so ’ne Dorfmatratze!“

Ich weiß nicht, wie es in deiner Jugend war, aber ich kenne mindestens drei Frauen, die bereits mit 16 Jahren schon mal als „Dorfmatratze“ bezeichnet worden sind – weil sie einen Jungen geküsst haben. Andersrum war es jedes Mal ein ganz großes Fest, wenn der Tim die Johanna „endlich rumgekriegt“ hat. An diesem Double Standard hat sich bis heute nicht viel geändert.

Ein Mann als CEO? Das ist ja lächerlich!

Über dieses Tiktok von longlivenewero musste ich besonders lachen – it’s funny ‚cause it’s true. Sie parodiert die Double Standards zwischen Männern und Frauen in ganz alltäglichen Situationen. Dinge wie, dass jeder Sport im Fernsehen automatisch langweilig wird, sobald er von Frauen gespielt wird. Oder dass es ein ziemlich ungesundes Ungleichgewicht in Sachen freie Oberkörperkultur zwischen Mann und Frau gibt. Oder dass Frauen immer noch auf penetrante Weise angemacht werden und kein „Nein“ akzeptiert werden will. Oder die Frage, die gerade erst Annalena Baerbock gestellt wurde: Job und Kinder? Hooow?

@longlivenewro

If women acted like men pt. 1 #doublestandards #comedy #reversedroles #slutshaming

♬ original sound – New Ro

Body Positivity & die „lustigen Dicken“

Ein ebenfalls klassischer Double Standard wird in diesem Tweet beschrieben: Menschen aus der Filmbranche, Influencer:innen und Modekettenbesitzer:innen sprechen sich immer mehr für Body Positivity und eine realistische Darstellung von Körpern aus. Aber schaut man sich mal auf den sozialen Medien und vor allem im Film und in Serien um, ist der Standard noch immer groß, schlank und extrem attraktiv. Noch schlimmer: Oft werden Curvy Darsteller:innen als die „dicken Lustigen“ eingesetzt. Sie müssen dann ungelenk tanzen oder ganz viel essen. Weil sie sind ja dick. Haha.

Double Standards geben uns die Chance zur Besserung

Das schöne an Double Standards ist, dass sie bereits ihr eigenes „Falschsein“ beinhalten. Das heißt, jede:r weiß eigentlich, dass Sexismus und Bodyshaming kacke ist, nur an der Umsetzung hapert es noch gewaltig. Die Tatsache, dass es Menschen gibt, die sich ironisch über eigentlich echt traurige Ungerechtigkeiten des Alltages lustig machen, zeigt, dass es durchaus ein öffentliches Bewusstsein für diese Themen gibt. Das lässt hoffen, dass wir bereits auf dem richtigen Weg sind.

Hier geht’s weiter: Sexismus am Arbeitsplatz? Dieser Satz macht Schluss damit. Und wir zeigen dir 7 Selbstliebeübungen, mit denen du dir bald der liebste Mensch bist.

Du willst deine Double Standards ablegen und offener durchs Leben gehen? Im Video erklären wir dir alles zum Thema Inklusion: