Das Coming-out ist für die meisten Menschen der LGBTQ-Szene nicht einfach. Je nach Herkunft oder politischen Ideologien der Familie und Freund:innen kann es sehr unterschiedlich ablaufen. Wir haben auf Reddit für dich drei Geschichten herausgesucht, die dir einige Facetten zeigen. Zudem findest du hier hilfreiche Tipps.

Coming-out: Was ist das und warum ist es so schwer?

Als Coming-out bezeichnet man das Teilen der Sexualität, die nicht der Norm entspricht. Wenn man selbst nur über seine (nicht der Norm entsprechende) Sexualität Bescheid weiß und man es niemand anderen gesagt hat ist man „in the Closet“. Wenn man mit seinen Freund:innen und der Familie darüber gesprochen hat ist man „geoutet“.

Einige queere Menschen können sich aufgrund ihrer Herkunft oder den politischen Ansichten ihrer Familie und Freund:innen nicht oder nur sehr schwer outen. Selbst in unserem Nachbarland Polen sind die Rechte der LGBTQ-Szene eingeschränkt. In einigen Ländern muss man sogar mit der Todesstrafe rechnen, wenn man der LGBTQ-Szene angehört. Gerade deswegen ist das Outing einer der schwersten Gespräche für Queers auf der ganzen Welt. Einige trauen sich bis zum Ende ihres Lebens nicht, sich zu outen.

Coming Out Gay
Das Coming-out ist für die meisten Queers ein wichtiger Teil in ihrem Leben (Quelle: Jena Ardell/ Getty Images) Credit: Jena Ardell /Getty Images

Coming-out Geschichten: So unterschiedlich kann das Gespräch ablaufen

Hier findest du drei Geschichten aus einem Reddit-Feed:

„Mein Vater hat mich mit 16 mit einem anderen erwischt. Ungefähr drei Wochen später nahm er mich mit zu einer Prostituierten, die mich hetero machen sollte. Sie war sehr nett, wir haben uns betrunken und Rommee gespielt“

„Ich war 17 und befand mich in meinem letzten Schuljahr. Meine kleine Schwester war im ersten Jahr und wir waren auf derselben Schule, also hat sie einiges über mich gehört. Sie wurde einmal von unserer Mutter angeschrien, weil sie in der Schule geklaut, gespickt und getrunken hat. Sie dachte, es wäre eine gute Idee zurückzuschreien, dass sie ja wenigstens nicht so eine Schwuchtel wie ich bin. Leider hatte sie damit recht. Also hatte ich kein richtiges Coming-out, weil sie mich geoutet hat.(Sie dachte bis ich ausgezogen bin, dass ich schwul war, da nach ihr alle bisexuellen Menschen einfach nur Huren sind.)“

„Als ich 13 war hab ich meiner Mutter und meinem Stiefvater gesagt, dass ich wahrscheinlich bisexuell bin. […] Ihre Reaktion war zusammengefasst: ‚Das ist toll Schätzchen! Kannst du mir das Salz geben? ‚ Als ich es meinem Vater gesagt habe, hat er gefragt, ob das bedeutet, dass ich ihm meine Freundin vorstellen möchte. Ich habe protestiert und ihm erklärt dass ich niemanden date. Er war sehr verwirrt.“

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Meine Erfahrungen mit dem Coming-out

Auch für mich war es nicht einfach, mich vor meiner Familie zu outen. Ich habe als ich 19 war herausgefunden, dass ich lesbisch bin. Bis heute hab ich das Outing vor dem einen Teil der Familie nicht durchgezogen, da diese dem orthodoxen Glauben angehören. Stattdessen habe ich den Kontakt abgebrochen, da ich wusste, dass sie mich so nicht akzeptieren werden.

Der andere Teil weiß zwar, dass ich lesbisch bin, jedoch wurde dies auch nicht ganz akzeptiert. Beziehungsweise hat das sehr lange gedauert und auch heute noch muss ich gegen viele Vorurteile und Probleme aufgrund meiner Sexualität ankämpfen.

Tipps für das Outing: So kannst du dich vorbereiten

Da das Outing bei jedem unterschiedlich verläuft und jeder eine andere Position hat, gibt es keine Liste, die man abarbeiten kann, bevor man sich outet. Es gibt aber vier Punkte, die man im Auge behalten sollte.

Am wichtigsten ist: Wenn dein Umfeld sehr homophob ist und du kein Support-System hast, auf das du dich verlassen kannst, falls sie dich herausschmeißen, solltest du dich zu dem Zeitpunkt nicht outen. Gerade in streng religiösen Umfeldern kann sowas sehr gefährlich enden.

Gehe nicht davon aus, dass du dich nur einmal outen musst. Du wirst das noch dein ganzes Leben anderen sagen. Zumindest wird jedes Coming-out einfacher.

Ein etwas leichterer Tipp: Es kann immer sein, dass deine Familie und deine Freunde nicht so reagieren, wie du es dir vorgestellt hast. Gerade dort ist es gut ihnen zu vermitteln, dass du immer noch die gleiche Person bist, die sie kennen.

Fühle dich nicht gezwungen, dich zu outen. Es ist deine freie Entscheidung, wann du dich outen möchtest. Schließlich müssen heterosexuelle Menschen sich auch nicht outen.

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