Manchmal müssen wir uns in unseren Grundfesten und Glaubenssätzen erschüttern lassen. Ich will euch zeigen, dass ein in Deutschland noch immer großflächig angewandter Erziehungstipp eigentlich von den Nazis stammt. Im Dritten Reich gab es einige Menschen, die sich angeblich mit der Kindererziehung auskannten. Allerdings wissen die wenigsten, dass dieser Erziehungstrick eigentlich aus der Zeit der Nazis im Dritten Reich kommt. Eine TikTokerin klärt nun darüber auf, warum dieser Trick so problematisch ist.

Jeder Mensch kenn den Erziehungstipp: „Wenn dein Baby schreit, dann lass es einfach weinen. Das härtet ab.“ Ich kenne diese Weisheit noch sehr genau aus meiner Kindheit und auch heute noch scheint es ein wichtiger Teil der Erziehung vieler junger Mütter und Väter zu sein.

Dieser Tipp ist ein Mythos: Was tun, wenn dein Baby schreit

Die TikTokerin @aylahni nimmt sich einem großen Mythos an, den sie in den USA genauso gut kennt wie wir Deutschen. Es geht um den Erziehungstipp, ein Baby „einfach mal schreien“ zu lassen.

Der Tipp stammt ursprünglich von der deutschen Ärztin Johanna Haarer, die im dritten Reich als Koryphäe unter den Beziehungsratgebenden galt. Sie schrieb das Buch Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind. Die TikTokerin @aylahni nimmt ihre Tipps auseinander und beschreibt, wie toxisch diese Tipps eigentlich sind. Sie spricht von schwarzer Pädagogik.

Was ist schwarze Pädagogik nach Johanna Haarer?

Johanna Haarer lebte von 1900 bis 1988 und war ihrer Zeit eine nationalsozialistische Lungenfachärztin. Das Buch Die Deutsche Mutter und ihr erstes Kind kam im Jahr 1933 heraus. Haarer beschreibt hier, wie man ein Kind zu einem richtigen Nationalsozialisten erzieht. Die TikTokerin fasst zusammen:

Was macht einen Nationalsozialisten unter anderem aus?

  • Gefühlskälte
  • Grausamkeit gegenüber anderen Menschen
  • Das Bedürfnis, andere auszugrenzen

Das erreicht man am besten, indem man Kinder schon von kleinauf zu Gefühlskälte erzieht. Haarer gab den Erziehungstipp, dass die Mutter sich in den ersten 24 Stunden von ihrem Kind trennen sollte. Das Stillen solle nach einem ganz genauen Zeitplan ablaufen. Alle vier Stunden durfte die Mutter zu ihrem Kind, um es 20 Minuten lang zu füttern. Ansonsten sollte sie das Kind in einem anderen Raum sich selbst überlassen.

Ansonsten sollte die Mutter ihrem Kind nicht mehr Aufmerksamkeit schenken als unbedingt für die Körperpflege und die Nahrungsaufnahme wichtig sind. Ansonsten würde man das Kind nach Strich und Faden verwöhnen.

Baby schreit? Verwöhnen wir unsere Kinder heutzutage?

Nach Johanna Haarer würden die Kinder heutzutage nach Strich und Faden von ihren Eltern mit Liebe und Zuneigung verwöhnt werden. Heute geben wir Kindern verglichen mit dem Dritten Reich viel mehr Aufmerksamkeit.

Doch schadet es den Kindern? Die TikTokerin @aylahni ist sich sicher, dass das den Kindern heute keineswegs schadet, sondern ihnen im Gegenteil sogar in der Entwicklung hilft. Sie weiß: Ein Baby kannst du im ersten Jahr nicht mit zu viel Liebe und Fürsorge verwöhnen.

Sie beruft sich hier auf die Forschung der heutigen Pädagogik, die besagt: Ein Kind braucht gerade im ersten Jahr des Lebens viel Liebe und Fürsorge. Diese erfolgt zum großen Teil durch den Kontakt mit der Mutter oder andere Bezugspersonen.

Wenn ein Baby schreit, sollte man das Gegenteil tun

Tipp von der Pädagogin: Wenn ein Baby weint, dann sollte man sich direkt um es kümmern und es nicht erst minutenlang schreien lassen. Der Grund dafür ist biologischer Natur: Babys haben nämlich kein Zeitgefühl. Ein Baby kann also nicht selbst einschätzen, wie lange es schon weint. Auch wenn es deiner Meinung nach nur ein paar Minuten waren, können diese dem Baby sehr viel länger vorkommen.

Warum ist der Tipp für schreiende Babys heute noch so verbreitet?

Das Buch von Johanna Haarer wurde in abgewandelter Form noch bis in die 80er-Jahre in Deutschland verkauft. Das ist der Grund, warum auch heute noch viele Erziehende nach diesem oder einem ähnlichen Muster handeln, wenn ihre Babys schreien.

Weiterlesen?