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Vögel fliehen vor Silvester-Feuerwerk und fallen vor Erschöpfung vom Himmel

An Silvester nehmen viele Vögel Reißaus. Dabei legen sie mehrere Kilometer am Stück zurück. Die dramatischen Auswirkungen hat nun eine Studie näher beleuchtet.

© Karl-Heinz Schmidt - stock.adobe.com via canva.com/tatsiana-hrak, funtastetive [M]

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Um den leuchtenden Raketen und lauten Böllern zu entfliehen, nehmen viele Vögel zu Silvester Reißaus. Für Wildgänse bedeutet der Silvesterabend Stress pur. Auf ihrer Flucht legen sie unzählige Kilometer zurück und nehmen sogar gesundheitliche Strapazen auf sich. Eine Studie mit Hunderten Tieren zeigt die erschreckenden Ergebnisse.

Studie zeigt: Silvester ist Horror-Nacht für viele Vögel

Wie verbringst du den diesjährigen Silvesterabend? Sei es mit leckerem Raclette im Freundeskreis oder beim Spielabend mit der Familie – das Mitternachtsfeuerwerk ist für viele ein Muss. Schließlich gehört es zur Tradition, die bösen Geister des Vorjahres mit bunter Pyrotechnik zu vertreiben. Seit einigen Jahren wird dieser Brauch jedoch kritisch hinterfragt, denn die Knallerei versetzt die Tierwelt in Angst und Schrecken.

Was viele nicht bedenken: Neben unseren Haustieren leiden auch zahlreiche Wildtiere wie Rehe, Wildschweine und Vögel unter dem Lärm zu Silvester. Wie eine Studie enthüllt, sind insbesondere Wildgänse von den Ausmaßen betroffen.

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Der Qualm und die grellen Lichter verwirren die Vögel beim Fliegen. Foto: Gettyimages / Nodar Kontselidze / EyeEm

Wildgänse spüren die Auswirkungen mehrere Tage

Forschende vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie in Konstanz und vom Niederländischen Institut für Ökologie haben die Auswirkungen auf Wildgänse untersucht. Sie statteten Hunderte Vögel mit GPS-Sendern aus und verfolgten ihre Bewegungen über acht Jahre. Daraufhin wurden die Bewegungsdaten von 347 Wildgänsen in Norddeutschland, Dänemark und den Niederlanden analysiert.

Besonders im Zeitraum vom 19. Dezember bis zum 12. Januar war der Stress bei den Tieren deutlich. Das Aufschrecken durch die Böller verkürzt ihre Nachtruhe, und die Feinstaubbelastung steigt drastisch an. Dieser Stress zehrt an ihrer lebenswichtigen Energie, die sie im Winter sparen sollten. Um sich zu erholen, bewegen sich die Tiere tagsüber weniger und müssen mehr fressen. Sie leiden unter den Silvesterfeierlichkeiten weitaus länger als nur eine Nacht.

Vögel fallen vor Erschöpfung vom Himmel

Aus der Untersuchung ging hervor, dass die Wildgänse die Flucht ergreifen, sobald um 0 Uhr die Sektkorken und Böller knallen. Dazu verlassen sie ihre Ruheorte und fliegen mehrere hundert Kilometer weit, auf der Suche nach einem ruhigen und geschützten Ort. Dabei legen sie erstaunliche Distanzen von bis zu 500 Kilometern zurück. Und das in nur einer Nacht.

Normalerweise fliegen Wildgänse solche Strecken nur während des Zugfluges, weiß Studienautorin Andrea Kölzsch vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie. „Die Vögel fliegen oftmals bis zur Erschöpfung und fallen dann vom Himmel“, erklärt die Berliner Tierschutz-Beauftragte Kathrin Herrmann gegenüber dem RBB.

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Qualm und Rauch nehmen ihnen die Orientierung

Damit ihnen die aufsteigenden Raketen nicht in die Quere kommen, fliegen die Wildgänse zudem bis zu 150 Meter höher als gewöhnlich. Hinzu kommt, dass der aufsteigende Rauch und die grellen Lichter des Feuerwerks für Desorientierung und panisches Fluchtverhalten sorgen. Schlimmstenfalls kollidieren die Tiere in ihrer Panik mit Stromleitungen oder Fensterscheiben und verunglücken.

Tierschützende fordern Verbot von Feuerwerk

Vielerorts ist das Zünden von Feuerwerkskörpern in Wäldern, Parkanlagen und Naturschutzgebieten verboten, da bereits kleine Explosionen die Vögel verängstigen können. Um die Tiere in der Silvesternacht zu schützen, halten viele Tierschützer und Tierschützerinnen ein allgemeines Böllerverbot für sinnvoll. Bislang gibt es jedoch noch keine einheitliche Regel.