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Können Tiere lügen? Die 6 größten Lügner des Tierreichs

Vögel nachahmen, sich tot stellen, die Farbe ändern oder eine Fress-Falle bauen – wir entlarven die kreativsten Lügenmärchen der Tiere.

© GordonGrand - stock.adobe.com

Das sind die gefährlichsten Tiere der Welt

Löwen, Hyänen und Feuerquallen möchte man in der freien Wildbahn nicht gerne über den Weg laufen. Es gibt aber noch gefährlichere Tiere:

„Ich hatte keinen Empfang“ oder „So teuer war das gar nicht“ sind klassische Alltagslügen, die wir alle bestimmt schon einmal benutzt haben. Im Durchschnitt lügen wir sogar rund 25-mal am Tag. Doch ist das Flunkern wirklich nur uns Menschen vorbehalten? Die Frage „Können Tiere lügen?“ ist in der Wissenschaft noch immer umstritten. Dabei werden auch in der Tierwelt die ein oder anderen Lügenmärchen erzählt.

Können Tiere lügen?

Das Lügen ist schon lange Teil der menschlichen Kommunikation. Dabei geht es nicht nur um das gesprochene Wort – oder das mit Absicht verschwiegene – sondern auch um non-verbale Aspekte, wie zum Beispiel unsere Körpersprache, unseren Tonfall sowie die Mimik und Gestik. „Wer lügt, kennt die Wahrheit, sagt aber mit Absicht etwas Falsches“, erklärt der Forscher Daniel Hanus gegenüber der Aachener Zeitung. Wir erfinden also eine mehr oder weniger kreative Unwahrheit, um unser Gegenüber absichtlich zu täuschen. Können Tiere auch auf diese Art lügen?

Ja, Tiere können in gewissem Sinne lügen, obwohl ihr Verhalten nicht unbedingt mit den menschlichen Konzepten von Lügen und Täuschung gleichzusetzen ist. „Je nachdem, wie man den Begriff Lügen sieht, kommt man zu einer unterschiedlichen Antwort“, so Daniel Hanus weiter. Im Tierreich geht es vielmehr darum, andere Tiere zu täuschen oder in die Irre zu führen, um an Nahrung zu kommen oder selbst nicht als solche zu enden. Dahinter steckt jedoch weniger eine böse Absicht, sondern der pure Überlebensinstinkt.

Die größten Lügen in der Tierwelt

Wenn ihr Leben auf dem Spiel steht, können Tiere also lügen. Ob Menschenaffen, Insekten oder Vögel – sie alle haben raffinierte Strategien entwickelt, um etwas vorzutäuschen und ihr Umfeld zu irritieren. Von Männchen, die wie Weibchen aussehen über clevere Fress-Fallen bis hin zum Nachahmen von Vogelgesang ist alles mit dabei.

Grauhörnchen: Wo ist die Nuss?

Das in Nordamerika lebende Grauhörnchen hat eine geniale Taktik, um seine gefundenen Nüsse vor anderen hungrigen Artgenossen zu verstecken. Dazu buddelt es mehrere Löcher und tut so, als würde es die Nuss dort vergraben. In Wirklichkeit versteckt es die Nuss jedoch zwischen den Zähnchen, um sie schließlich ganz woanders zu verbuddeln. Andere Eichhörnchen, die das Spektakel beobachten und sich die Nuss stibitzen wollen, graben also erst einmal viele leere Löcher aus, bis sie irgendwann frustriert aufgeben.

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Sepien: Die bessere Hälfte

Wie heißt es so schön: Stille Wasser sind tief. Und dort, wo es tief ist, wird gelogen, bis sich die Balken biegen. Einige Meerestiere schummeln, um sich vor Konkurrenten zu tarnen, beschreibt Rebecca Young, eine Biologin der Universität von Texas in Austin, gegenüber National Geographic. Zum Beispiel die Sepien, auch „Echte Tintenfische“ genannt – wobei sich darüber streiten lässt, wie „echt“ die Tiere wirklich sind. Denn die Männchen können je nach Bedarf ihre Farbe ändern, um wie ein Weibchen auszusehen. So schützen sie sich vor anderen, angriffslustigen Männchen.

Besonders cool: Männliche Trauersepien können ihre Farbe sogar pro Körperseite verändern. Sprich: Befindet sich ein Männchen zwischen einem anderen Männchen und einem Weibchen, so kann es seine Farbe ändern und für das Männchen plötzlich wie ein Weibchen wirken. Für das Weibchen jedoch sieht es weiterhin männlich aus, sodass einem heimlichen Flirt nichts mehr im Wege steht.

Blauhäher: Der Fake-Falke

Auch in den Höhen der Lüfte sind echte Lügen-Künstler unterwegs. Vögel sind sogar wahrlich das „Supertalent“ in Sachen Lügen. Sie sind in der Lage, Laute und Schreie verschiedener Greifvögel nachzuahmen, um andere Vögel zu erschrecken und zu verjagen. Diese Strategie setzen die Blauhäher gerne ein, wenn sie das Futterhäuschen ganz für sich alleine leer futtern möchten. Indem sie wie ein Falke schreien, schlagen sie andere Vögel in die Flucht.

Mit Erdmännchen klappt diese Taktik ebenso gut, wissen die Trauerdrongos in Afrika. Denn die Erdmännchen flüchten in ihren Bau, sobald sie die Alarmrufe des Vogels hören. Da sie ihr Futter dabei einfach liegen lassen, täuschen die Trauerdrongos gern mal eine Gefahr vor. Sie stoßen ihren Warnruf aus, warten bis die Erdmännchen verschwunden sind und klauen sich dann das Futter.

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Kuhstärling: Kinderbetreuung for free

Ein Nest zu bauen, ist für Vögel mit viel Aufwand und Arbeit verbunden. Da wäre es doch praktisch, sich einfach bei jemandem einzumieten, der bereits ein hübsches Heim gebaut hat. So macht es der nordamerikanische Kuhstärling. In einer Saison legt ein Weibchen bis zu 40 Eier, die es klammheimlich in die Nester anderer Vögel hineinschmuggelt. Der sogenannte Michiganwaldsänger tappt in die Lügen-Falle und zieht die fremden Jungen auf. Dieses Phänomen wird als Kleptoparasitismus bezeichnet. Das Problem: Für die Adoptiv-Eltern ist die Prozedur äußerst anstrengend, sodass ihre Population bereits zurückgegangen ist.

Primaten: Das knallharte Pokerface

Primaten, insbesondere unsere engsten Verwandten wie Schimpansen und Bonobos, zeigen häufig komplexe soziale Verhaltensweisen wie Täuschung. Sie können beispielsweise verstecken, dass sie Nahrung gefunden haben, um diese nicht mit anderen teilen zu müssen. Dazu kontrollieren sie ihre Körperhaltung und ihre Gesichtsausdrücke, um keine Aufregung oder Freude zu zeigen. Dann suchen sie sich ein ruhiges Plätzchen, um heimlich zu futtern.

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Insekten und Spinnen: Meister der Mimikry

Unter den Spinnentieren und Insekten kursieren auch einige Lügenmärchen. Die weibliche Bolusspinne sondert beispielsweise einen Duft ab, der den Pheromonen weiblicher Motten sehr ähnelt. Damit lockt sie männliche Motten in ihr Netz, welche sie dann genüsslich verspeisen kann. Auch das Wandelnde Blatt oder die Stabheuschrecke nutzen Mimikry, um Räuber zu täuschen, indem sie gefährlicher oder ungenießbar erscheinen, als sie tatsächlich sind.

Fazit: Können Tiere lügen?

Auf die Frage „Können Tiere lügen?“ gibt es demnach keine wissenschaftlich fundierte Antwort. Viele Wissenschaftler:innen sind der Meinung, die tierischen Täuschungen könne man nicht als Lüge bezeichnen, weil sich die Tiere nicht bewusst für das Lügen entscheiden. Vielmehr ist es ein angeborenes bzw. erlerntes Verhalten, welches sich im Kampf ums Überleben bewährt hat. Um bewusst zu lügen, braucht es das Bewusstsein über das eigene Selbst und die Fähigkeit, sich in ein anderes Lebewesen hineinzuversetzen. Laut Forscher:innen sind nicht einmal Menschenaffen dazu in der Lage. Lügen bleibt also bislang Menschensache.