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Mythos wahr? Sind Herbstkatzen wirklich die „schlechteren“ Katzen?

Sie sind wild, nicht stubenrein und haben ein schlechtes Immunsystem. Stimmt es wirklich, was der Volksmund über Herbstkatzen erzählt?

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Katzen, die nicht haaren: Mythos oder Wahrheit?

Du wünschst dir eine Katze, hast aber Angst davor, dass sie die ganze Wohnung vollhaart und du eventuell allergisch darauf reagierst? Wir zeigen dir, welche Katzenrassen dann für dich infrage kommen.

Noch heute ranken um Herbstkatzen zahlreiche Mythen, die teilweise an den Haaren herbei gezogen sind – und doch ein Stückchen Wahrheit und Geschichte in sich tragen. Passend zum Herbstanfang wird es höchste Zeit, mit den gängigen Gerüchten aufzuräumen.

Anna Chiara ist selbst stolze Katzenmama.
Foto: privat

Unsere Autorin Anna Chiara lebt seit 14 Jahren mit ihrer Katze Anouk zusammen. Ihre Erfahrungen teilt sie in zahlreichen Ratgeber-Artikeln. Alle Tipps und Tricks, die du hier liest, haben die beiden für dich getestet.

Was genau sind Herbstkatzen?

Katzen bringen im Jahr ca. zwei- bis dreimal Nachwuchs zur Welt. Die „Hauptsaison“ ist im Frühling in den Monaten von April bis Juni. Die Miezen, die zu dieser Zeit geboren werden, bezeichnet man als „Maikatzen“. Während Katzen im Zuge der Domestizierung das ganze Jahr über trächtig werden können, wären früher der Frühling und der Herbst die Stichzeit.

Die Kitten, die im Herbst das Licht der Welt erblicken, werden „Herbstkatzen“ genannt. Die Geburt findet meist zwischen September und November statt, weiß das Magazin Katzenkram. Früher nannte man sie auch „Stoppelkatzen“ – abgeleitet von den abgeernteten Stoppelfeldern, auf denen die Katzenmama notgedrungen jagen musste, um ihre Kitten zu versorgen. Seitdem drehen sich um die Herbstkätzchen zahlreiche Märchen und Mythen.

Sind Herbstkatzen wirklich die „schlechteren“ Katzen?

Die Miezen müssen sich noch heute gegen viele Mythen behaupten. Schluss damit – wir räumen mit den gängigen Mythen auf:

Herbstkatzen werden eher krank

Hierbei handelt es sich um eine Behauptung, die in der Tat auf einer logischen Erklärung basiert. Sie stammt aus der Zeit, als Katzen noch als Nutztiere auf Bauernhöfen und Farmen lebten. Dort dienten sie dazu, Mäuse zu fangen und sicherten sich somit ihre Nahrung. Ist eine Mieze schwanger, braucht sie deutlich mehr Snacks am Tag – in Summe bis zu 15 Mäusen am Tag. Zur raren Herbstzeit lebten deutlich weniger Nager auf den Feldern als zur warmen Frühlingszeit, sodass die Jagd mager ausfiel.

Hinzu kommt, dass die Kitten keine Zeit hatten, sich für die kalte Winterzeit einen gewissen Winterspeck anzufuttern. Das ist wichtig, denn die frisch geborenen Katzen können den Wärmehaushalt ihres Körpers nicht stabil halten, sodass sie im Winter schnell frieren. Die Folge: Viele Katzenkinder erkrankten im Winter und hatten damit sehr schlechte Überlebenschancen.

Schauen wir uns die Samtpfoten heutzutage an, brauchen wir uns allerdings keine Sorgen machen. Die meisten werden (zum Glück) in einem warmen und sicheren Haushalt geboren, wo die Menschen und die Mutterkatze gut für sie sorgen können. Schon früh bringen Züchterinnen und Züchter den Nachwuchs für Impfungen und allgemeine Check-Ups in die Tierarztpraxis. Also: Zwischen Frühlings- und Herbstkatzen gibt es keinen Unterschied mehr.

Regelmäßige Gesundheitschecks und Impfungen vor Krankheiten beim Tierarzt, bei schlechtem Wetter rollt man sich halt genüsslich auf der Heizungsliege zusammen. Eine kleine Erkältung ist meist das schlimmste, was Katzen im Winter erwartet.

Herbstkatzen landen öfter im Tierheim

Warum sollten sie, denkst du jetzt vielleicht. Leider ereilt viele Herbstkatzen das Schicksal, dass sie als niedliche, kleine Babykatzen mit einer Schleife um den Hals unterm Weihnachtsbaum landen. Wenn die erste Euphorie vorüber ist, merken viele jedoch schnell, dass eine Katze auch Arbeit und Verantwortung mit sich bringt. Immer wieder landen diese Katzen dann nach einer Weile im Tierheim. Bitte sei dir im Klaren darüber, dass die Anschaffung einer Katze ein gut durchdachter Schritt sein sollte und Lebewesen nicht als Weihnachtsgeschenk her halten sollten – egal, ob Frühlings- oder Herbstkatze.

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Herbstkatzen sind kleiner als Maikatzen

Wagen wir auch hier wieder einen Blick in die Vergangenheit: Damals waren Herbstkatzen durchaus kleiner als Maikatzen, da sie mit einer schlechten Nahrungsversorgung ins Leben gestartet sind. Dieser Defizit hat auch ihr Wachstum beeinträchtigt. Heute ist dieser Effekt höchstens noch bei Straßenkatzen oder Streunern zu beobachten, die im Herbst geboren wurden. Bei unseren Hauskatzen hängt die Körpergröße nicht mehr von der Jahreszeit ihrer Geburt ab.

Herbstkatzen sind total wild

Den im Herbst geborenen Miezen wird nachgesagt, sie seien ausgesprochen wild und hätten einen aufgedrehten Charakter. Den Ursprung dieses Mythos bilden ebenfalls historische Gründe. Jungkatzen, die die Strapazen des harten Winters trotzten und überlebten, galten im Volksmund als besonders hart und robust. Die Kämpfernaturen wurden schlichtweg als wild und unzähmbar bezeichnet. Alle, die eine Herbstkatze zu Hause haben, werden nun völlig zu recht sagen: Das ist Quatsch!

Herbstkatzen sind nicht stubenrein

Um den Herbstkätzchen zu Unrecht eine weitere schlechte Eigenschaft anzuhängen, erzählte man sich, sie seien nicht stubenrein und würden sich auch nicht trainieren lassen. Dieser Mythos ist definitiv falsch. Die Geburtszeit der Mieze hat absolut nichts damit zu tun, ob sie stubenrein wird oder nicht. Hierbei spielen andere Faktoren eine viel entscheidendere Rolle.

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Fazit: Von wegen Herbstkatzen taugen nichts! Es spricht überhaupt nichts dagegen, ein Katzenbaby aufzunehmen, das im Herbst geboren wurde. Da unsere heutigen Samtpfoten heute in den meisten Haushalten ein wohlhabendes Leben führen, sind all die Mythen unwahr und Schnee von gestern.

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