Seit ein paar Jahren castet Heidi bei GNTM auch Schwarze Models und jede Staffel haben sie das gleiche Problem auf der Suche nach Jobs: Ihr „Typ“ ist nicht gefragt. Dabei ist die GNTM-Welt noch eine heile Welt im Vergleich zur wirklichen Fashion-Industry, die Inklusion nur als Trend zu sehen scheint. 

Wir haben einen kleinen Ausschnitt der Geschichte Schwarzer Models zusammengesammelt. Und bevor eine Bullshitwelle uns überrollt: Ja, auch asiatische Models und andere PoC haben es schwer in der weißen Modewelt. Das sind alles Probleme die nach Lösungen suchen, und wir widmen uns heute einem, wohlwissend, dass es noch sehr viele weitere gibt.

Schwarze Models in der Fashion Industrie: Let’s go back in history

Das ursprüngliche Model oder Mannequin lief über die Laufstege großer Modehäuser oder in privaten Häusern der wohlhabenden Bevölkerung, damit diese das Kleid getragen sehen konnten, ohne es selbst anprobieren zu müssen, was bei den ausladenden Kleidern mehr als verständlich ist.

Lange gab es dort keine Schwarzen Models, denn immerhin ging man davon aus, dass die gut betuchten Kunden alle weiß sind. Selbst wohlhabenden Schwarzen wurde Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts oftmals noch der Eintritt in Modehäuser oder Modeateliers verwehrt. 

Das änderte sich mit der Filmindustrie und den ersten Schwarzen Schauspielern. (Wer wissen will, wie hart es für PoC war, in Hollywood zu bestehen, sollte unbedingt Once upon a time in Hollywood auf Netflix schauen!)

Donyela Luno DAS Schwarze Supermodel der 60er.

  • Sarah Lou Harris war in den 1940ern das erste Schwarze Model, welches für eine USA-weite Werbekampagne für Lucky Strike eingesetzt wurde. Danach lief sie als erstes Schwarzes Model für eine New York Fashion Show und wurde in die erste Schwarze Modelkartei der Welt aufgenommen.
  • Das texanische Model Dorothea Towles lief 1949 als erstes Schwarzes Model auf der Pariser Fashion Week für Christian Dior. Danach stieg sie zu den bekanntesten Models in Europa auf.
  • Donyela Luno, bekannt als DAS erste Schwarze Topmodel, das 1966 auf der britischen Vogue erschien. Ein Jahr zuvor bekam sie ein Cover der Harper’s Bazaar.

Shirley Bassey, Sterling St. Jacques, 1978
Shirley Bassey und Sterling St. Jacques, 1978. Er war das erste bekannte, Schwarze und männliche Model der Welt.(Photo: imago images/Everett Collection)

  • Ebenfalls in den 60ern wurde Sterling St. Jacques das erste Schwarze Top-Male-Model.
  • 1971 erschien das erste Schwarze Covergirl auf dem Playboy: Darine Stern.
  • Erst 1974 gab die amerikanische Vogue ein Cover mit einem Schwarzen Model heraus: Darauf zu sehen war die einzigartige Beverly Johnson. Damit gehörte die US-Vogue zu den letzten Hochglanzmagazinen, die das taten.
  • 1987 wurden nur Schwarze Models für den bekannten Pirelli-Kalender geschossen, welcher auch Supermodel Waris Dirie berühmt gemacht hatte.
  • Erst 1993 erschien mit Naomi Campbell das erste Schwarze Model auf der Pariser Vogue.
    Nachdem sie die erste Schwarze auf den Covern der GQ und Sports Illustrated war, bekam sie auch das Cover des Victoria’s Secret Katalogs 1997 und wurde das erste Schwarze Angel.

Model Naomi Campbell Victorias Secret Modenschau in New York
Naomi Campbell war das erste Schwarze VS Angel.(Photo: imago images/UPI Photo)

Der tägliche Rassismus auf den Laufstegen

Mit der Wende zu den 2000ern haben wir die Gegenwart erreicht. Schauen wir mal, was sich geändert hat. Denn seit den 1980ern und 90ern sind Schwarze Models zweifellos Teil der Modelandschaft geworden und nicht mehr nur Einzelfälle.

Dennoch ist es traurig wie viele alteingesessene Marken erst nach der Jahrtausendwende das erste Mal mit Schwarzen Models arbeiteten. Inzwischen haben sich allerdings auch Influencer zu wichtigen Brand Ambassadors entwickelt und diese sind dank halbwegs demokratischer Sozialer Medien (über Tiktok und Rassismus lest ihr hier) um einiges diverser als die Fashionwelt.

  •  2003 erst nahm Estee Lauder da serste Mal ein dunkelhäutiges Model unter Vertrag für eine weltweite Kampagne: Liya Kebede.
  • 2008 veröffentlichte die Vogue Italia „The Black Issue“ mit ausnahmslosen BPoC Models.
  • 2015 ist zum ersten Mal ein Schwarzes Model mit Afro (wenn auch wenige Zentimeter kurz) über den Victoria’s Secret Laufsteg geschwebt: Maria Borges.
  • 2017 wurde eine Louis Vuitton erstmalig von einem Schwarzen Model eröffnet: Janaye Furman. Ein Jahr später wurde der Virgil Abloh der Men’s Wear Designer für LV.

Janaye Furman Louis Vuitton 2018
Erst 2018 eröffnete ein schwarzes Model eine Louis Vuitton Show.(Photo: imago/Starface)

  • Ebenfalls 2017 erschien The Diversity Issue in der US-Vogue und ging komplett nach hinten los, denn Schwarze Models wurden digital aufgehellt und kulturelle Stereotype wurden bedient. Das Krönchen war Model Karlie Kloss als Geisha. 
  • 2017 eröffnete Anok Yai als erstes Schwarzes Model nach 20 Jahren erneut eine Prada Fashion Show. Davor war es Naomi Campbell 1997.
  • Erst 2018 castete Chanel mit Alton Mason sein erstes Schwarzes Male-Model für eine Fashion Show. Davor lief lediglich Pharell Williams als Entertainer und Model für die Marke. 2018!? Really?
  • 2019 wurde Noor Tagouri für die Vogue fotografiert und als Noor Bukhari erwähnt. Als der Fehler auffiel, bot die Vogue ihr ein geschriebenes Feature an, allerdings ohne Bild, denn „die Vogue würde nicht mehr ein Diversity-Topic im Jahr veröffentlichen.“ Das war nicht der einzige Vorfall, indem Models of Color mit dem falschen Namen erwähnt wurden. Auch Adut Akesh wurde von dem australischen WHO Magazin falsch betitelt.
  • Jedes Jahr bringt the Fashion Spot einen Diversity Report zu den wichtigsten Fashion Shows im Jahr  heraus. Von gerade einmal 17 % non-white Models im Jahr 2015, gab es 2019 immerhin 38,8 %. Dabei lag New York mit einer Quote von 45,8% an der Spitze. Mailand lag ganz hinten mit 29,9 %. Auf den Spitzenplätzen der meistgebuchten 10 Models sind dennoch nur Models europäischer und asiatischer Ethnizität.
  • Im Jahr 2020 (Fall 2020) sieht der Diversity Report etwas anders aus. Models of Colour sind auf 40,6  % im Vergleich zu Spring 2020 gefallen. Trotzdem lief in jeder Show mindestens ein nicht-weißes Model und das meistgebuchte Model war Achenrin Madit, ein afroamerikanisches Topmodel.  
  • 2020: Der afroamerikanische Star-Stylist Jason Bolden beschuldigt das Fashion Label Celine keine schwarzen Promis einzukleiden, außer sie haben einen weißen Stylisten. Schon zuvor war Celine in Verruf weil sie zwischen 2009 und 2013 kein einziges schwarzes Model auf ihren Runway Shows hatten, auf der Instagram Seite sind im gesamten Feed gerade einmal 2 zu sehen. Damit steht Celine ebenfalls nicht allein.

Achenrin Madit war das gefragteste Model der letzten Fashion Shows für Fall 2020.

Diskriminierung an allen Ecken

Schwarze Models haben es nicht leicht, asiatische Models haben es nicht leicht, ebenso wie Models über 30, Transgender Models, männliche Models generell, körperlich eingeschränkte Models oder Plus-Size Models. 

Die Fashionwelt verändert sich. Bisher zum Positiven. Doch es ist fraglich, ob das nicht nur am Trend „Diversity“ liegt. Das sieht man zum Beispiel an den fallenden Zahlen von Transgender und Plus Size Models. Sind sie schon wieder out? Ist Alter jetzt das neue „diverse“?

Eine andere Frage, die sich stellt, ist: Wann sind wir zufrieden? Ab wie viel Prozent BIPoC-Models, sind wir in der Welt angekommen, die wir uns wünschen? Brauchen wir eine genaue Zahl? Die Frage ist schwer zu beantworten. Denn obwohl es Sinn ergeben würde zu sagen: Wenn der Laufsteg die ethische Verteilung des Landes wieder spiegelt, (das hat New York schon so ziemlich geschafft) bleibt dabei ein Haken: Eine New Yorker Fashion Show zeigt nicht nur die Trends für die USA und eine Mailänder Fashion Show will nicht nur Italiener ansprechen. Vielmehr sind sie maßgeblich die Vorreiter für weltweite Trends. 

Nimmt man die Verteilung seines Zielpublikums? Dieses wird regelmäßig völlig falsch eingeschätzt wie im Fall von Victoria’s Secret, die geheime Codes für schwarze Kunden haben und angewiesen werden diesen zu sagen, ihre Größe wäre ausverkauft. 

Naomi Campbell sprach bereits 2013 über Rassismus in der Modelindustrie & wird hart attackiert von ihrem weißen Interviewer.

Gleichzeitig bleibt die Frage, ob man überhaupt versuchen sollte, bestimmte Quoten zu erreichen. In einer optimalen Welt würden Models gecastet werden, weil sie zur Marke passen, gut laufen, die Mode inszenieren können und Ausstrahlung haben, unabhängig von der Hautfarbe. 

Vielleicht müssen sich die Marketingteams noch einmal hinsetzen und wirklich genaue Analysen der Zielgruppen machen. Wetten, dass die typische Gucci Trägerin nicht 19, weiß und 1,80 groß ist? Vermutlich sind sie weit über den modisch „unsexy“ 30 Jahren. Warum also nicht wirklich die Zielgruppe ansprechen mit charismatischen Models, die sie widerspiegeln.

was denkst du, muss sich ändern?

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