Den Begriff “Bio” ist längst über die Supermarktgrenzen hinaus bekannt. Die Nachfrage nach fairen und nachhaltigen Produkten wächst und wächst. Auch Mode kann Bio sein, solange bestimmte Produktionsbedingungen eingehalten werden. Daher setzen immer mehr Modelabels auf Bio-Baumwolle.

Diese 4 Gründe sprechen für Bio-Baumwolle

Baumwolle hat viele Vorteile. Sie ist reißfest, dehnbar, knittert weniger als Leinenstoff und fühlt sich auf der Haut wunderbar weich an. Kein Wunder, dass Baumwolle über die Hälfte aller Textilrohstoffe weltweit ausmacht. Dennoch ist gerade einmal 1 % der gesamten weltweiten Baumwolle Bio, obwohl die Produktionsbedingungen von konventioneller Baumwolle unterirdisch sind.

Zwei Frauen arbeiten auf einer Baumwollplantage.
Die Arbeit auf den Baumwollplantagen ist reine Knochenarbeit.(Photo: imago-images.de/Xinhua)

1. Schlechte Arbeitsbedingungen

Über 95 % aller Baumwollproduzenten leben in Entwicklungsländern. Harte Arbeit, wenig Geld und Kinderarbeit sind ein fester Bestandteil der Plantagenarbeiten. In den harten Konkurrenzkämpfen bedrohen Ernteausfälle und Naturkatastrophen viele Existenzen.

2. Enormer Wasserverbrauch

Damit der Regen die kleinen Wattebäuschchen nicht zerstört, wird Baumwolle in trockenen Gebieten angebaut, bevorzugt in China und Indien. Weil die Pflanze dennoch sehr durstig ist, setzen Bauern auf künstliche Bewässerung. Für ein Kilo Baumwolle werden über 10.000 Liter Wasser verbraucht. Das hat Folgen. Beispiel gefällig? Das Austrocknen des Aralsees hängt direkt mit der Bewässerung von Baumwollplantagen eng zusammen.

Bei Bio-Baumwolle kann eine Menge Wasser gespart werden, weil biologisch bewirtschaftete Böden Wasser besser speichern. Zusammen mit einer Tröpfchen- und Furchenbewässerung lassen sich laut der Soil Association 91 % des Wasserverbrauchs einsparen, der Energieverbrauch kann um 60 %, die Produktionskosten um 38 % verringert werden. Sogar der Einfluss auf die Erderwärmung sinkt um sagenhafte 46 %.

3. Häufiger Einsatz von Pestiziden

Der ständig feuchte Boden ist wie geschaffen für Schädlinge, die mit Hilfe von Pestiziden und Kunstdünger bekämpft werden. Nicht zu knapp; Baumwolle macht nur 2,5 % aller Anbauflächen aus, allerdings werden hier 16 % aller Pestizide versprüht. Die Spritzmittel gefährden auch Menschenleben. Laut der WHO sterben 20.000 Menschen jährlich an Pestizidvergiftungen im Baumwollanbau, 500.000 Vergiftete haben mit schwerwiegenden Folgen zu kämpfen. Dazu werden circa 80 % aller Pflanzen gentechnisch verändert.

Bei der Produktion von Bio-Baumwolle sind synthetische Pestizide und Gentechnik streng verboten.

Frau Shoppen
Als Käufer machen wir uns wenig Gedanken. Was hinter Worten wie „nachhaltig“ steckt, bekommen wir kaum mit.

Wie handeln die Fast Fashion-Ketten?

Für den ersten Launch der H&M “Conscious”-Kollektion hatten 2012 nur wenige Menschen Aufmerksamkeit übrig. Die nachhaltige Kollektion kommt auch heute noch ein- bis zweimal pro Jahr heraus, mittlerweile haben fast alle großen Modeketten nachgezogen. Nachhaltigkeit boomt, vor allem, wenn sie zum kleinen Preis angeboten wird. Für große Marken ist das bei einem Bio-Aufpreis zwischen 5 – 20 % durch Massenproduktionen möglich.

Die eigene Sustainability Site von H&M zeigt, wie wichtig Modeunternehmen das Thema Nachhaltigkeit ist. Ob das der eigene Wille oder Zielgruppenmarketing ist, lässt sich schwer einschätzen. Zumindest die Erfolge und Versprechungen werden offensiv präsentiert. Die Ziele sind hoch. So will H&M zunehmend auf Kaschmir verzichten und bis 2040 sogar klimapositiv sein.

Auf der Firmenwebsite gibt H&M an, dass bereits 57 % aller verwendeten Materialien recycelt oder nachhaltig sind, bis 2030 sollen es 100 % sein. Der Anteil an Bio-Baumwolle lag dagegen bei nur 16 %. 

Dafür sind immerhin 95 % der verwendeten Baumwolle steht H&M recycelt oder nachhaltig gewonnen, bereits in diesem Jahr will das Unternehmen zu 100 % auf nachhaltige Baumwolle setzen. Diese Baumwolle darf somit entweder unter Bio-Baumwolle, recycelte Baumwolle oder Baumwolle aus der Better Cotton Initiative fallen.

Pestizide auf Feld versprühen
Pestizide werden fast überall eingesetzt. Der Einsatz ist zurecht umstritten.(Photo: istock.com/mladenbalinovac)

Das Problem: Better Cotton ist lange keine Bio-Baumwolle. Zwar setzt sich die Initiative für Nachhaltigkeit, Ressourcen- und Umweltschonung ein, konventionelle oder gentechnisch veränderte Baumwolle wird trotzdem eingesetzt. Auch der Begriff “nachhaltige Baumwolle” ist irreführend, weil dennoch Pestizide zum Einsatz kommen können.

Woran erkenne ich Bio-Baumwolle?

Die eigenen Labels der Marken sind nur bedingt vertrauenswürdig und transparent. Deshalb gibt es einige unabhängige, aussagekräftige und zuverlässige Siegel für Bio-Baumwolle. Greenpeace hat die Wichtigsten bewertet. Das sind die besten Siegel für Bio-Baumwolle:

  • GOTS

Der Global Organic Textile Standard umfasst die Herstellung, Verpackung, Kennzeichnung, den Handel und Vertrieb aller Textilien aus mindestens 70 % biologisch erzeugten Naturfasern. Die sozialen Mindestkriterien beruhen auf Grundlage der Internationalen Arbeitsorganisation.

  • IVN BEST

Für den Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft müssen alle Textilien aus Naturfasern bestehen. Die Fasern stammen aus kontrolliert biologischem Anbau oder kontrolliert biologischer Tierhaltung. Synthetische Fasern sind nicht erlaubt, genauso wenig wie synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel und Entlaubungsmittel, die vor allem in der Baumwollproduktion eingesetzt werden und hochgiftig sind. Erst dann wird ein Produkt mit dem Qualitätszeichen BEST versehen.

  • Made in Green

Made in Green zertifiziert Textil- und Lederprodukte, solange diese aus schadstoffgeprüften Materialien und in umweltfreundlichen Betrieben hergestellt wurden. Dazu legen sie besonderen Wert auf sichere und sozialverträgliche Arbeitsplätze.

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