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Bachelor in Paradise – warum lieben wir Trash TV so sehr?

Wir lieben Trash TV wie Bachelor in Paradise & schämen uns keine Sekunde dafür. Woher unser Selbstbewusstsein & unsere Trash-Liebe kommt, liest du hier.

Bachelor in Paradise
1961 lief die Serie 'Bachelor in Paradise' im amerikanischen TV. Seither sind die Trash-Sendungen nur noch schlechter geworden.

„Das ist ja selbst unter meinem Niveau!“ hört man oft, wenn man heute offen zugibt, Trash TV-Formate wie Bachelor in Paradise zu gucken. Abfällige Blicke inklusive. Jetzt mal ehrlich, ihr, die andere für ihre Guilty Pleasure-Formate verurteilt: Ihr sitzt bestimmt heimlich hinter heruntergelassenen Jalousien in eurem Wohnzimmer und guckt Verbotene Liebe und Riverdale.

Bachelor in Paradise – die Perversion der Dating Shows

Zugegeben: Bachelor in Paradise ist etwas für Hartgesottene. Immerhin muss man, um wirklich Freude an diesem Spin-Off zu empfinden, zunächst die letzten Jahre des Bachelors und der Bachelorette gesehen haben, um die Skandale und Intrigen zu verstehen. Denn hier fahren ehemalige Kandidaten und Kandidatinnen ins Paradies und sollen untereinander ihre große Liebe finden. Die beste Resteverwertung, seit es Soljanka gibt.

Alexander Hindersmann und Nadine Klein
Alexander Hindersmann und Nadine Klein – kurz vor ihrer Trennung. Der ehemalige Gewinner bei der Bachelorette ist nun wieder bei Bachelor in Paradise zu sehen.

Die meist unerfolgreichen Teilnehmer*innen der letzten Staffel kämpfen nun auf Koh Samui in T-Hailand um ihre Traumfrauen- und männer. Jede Woche werden abwechselnd von den Männern und Frauen die Rosen verteilt. Damit das Ganze nicht zu idyllisch wird und von vornherein feststeht, welches Pärchen am Ende das Paradies gen Heimat und gemeinsame Zukunft verlässt, hat sich RTL natürlich ordentlich was einfallen lassen. 

Jede Woche gibt es Trubel – feinsäuberlich hinter den Kulissen angekurbelt, inszeniert und in skandalträchtige Häppchen geschnitten – der das Paradies weniger paradiesisch wirken lässt. Ständig kommen neue Kandidaten ins Spiel, die dafür sorgen, dass keine Woche langweilig wird. Ein deutlicher Vorteil zum Bachelorformat – wobei selbst hier mittlerweile später Kandidaten ins Rennen geschickt werden. Für more drama versteht sich.

Doch auch die Kandidaten, die ihr passendes Gegenstück scheinbar bereits gefunden haben, sorgen für Spannung: Da wird schon mal alter Liebeskummer ausgepackt und aufgebauscht. RTL wird einfach nicht müde, uns wöchentlich mit neuem Drama zu versorgen

Koh Samui
Z-Promis im Paradies auf Koh Samui, die allesamt durch den Bachelor oder die Bachelorette bekannt sind. Das simple Konzept kommt gut an bei den Zuschauern.

Testosteron-Kämpfe und Frauen, die sich zerfleischen, weil die Mutter beleidigt wurde. What a clischeé. Und dennoch: Wir bleiben dran. Doch warum eigentlich? Wieso verabreden wir uns auf einen Sekt oder sitzen allein mit einem Glas Wein auf der Couch und nehmen teil an diesem Format?

Faszination Trash TV

Die Queen of Trash TV-Analyse und Kulturwissenschaftlerin Anja Rützel – kein GNTM Finale kommt ohne ihre Review aus – hat sich in ihrem Buch „Trash TV“ mit der Frage auseinandergesetzt, warum wir Trash TV so sehr lieben.

Sie macht keinen Hehl daraus, dass Trash TV 'Fernsehschrott' ist. Eben deswegen wäre es so erstrebenswert, sie zu sehen. Leichte Kost bedeutet nämlich, dass wir unserem Alltag entfliehen können. In der Tat wird unser Alltag immer hektischer und unübersichtlicher. Wir haben immer seltener Lust, uns nach einem harten Tag mit hochtrabenden Themen auseinanderzusetzen: Trash TV kommt uns dann gerade recht.

Dabei ist das Spektrum der Zuschauer breit gesät. Auch der typische Abendschau- und Arte- Gucker verirrt sich nur zu gern auf diese Sendeplätze, um dann auf Twitter einen Rant über den Untergang der Gesellschaft loszulassen. Alle anderen nutzen die Formate nur zu gern, um ihr eigenes Leben mit dem der Skandalnudeln zu vergleichen. Aus dieser vermeintlichen Überlegenheit fühlt sich das eigene Leben gleich viel besser an.

Lästern
Was gibt es Schöneres als überheblich das Leben von Z-Promis zu judgen? Eine gesunde Prise Schadenfreude & Voyeurismus inklusive.

Natürlich spielen auch Schadenfreude und Voyeurismus eine große Rolle. Doch ist das keineswegs negativ und nach der Meinung von Wissenschaftlern auch nichts, wofür wir uns schämen müssten. Immerhin geben wir unserem Hirn in dieser Zeit die nötige Auszeit, das es braucht, um sich zu erholen und wieder voll zu funktionieren. Ganz nach dem Motto: heute Trash TV, morgen Welt retten.

Peter Walschburger – Psychologe Professor an der Freien Universität Berlin – meint darüber hinaus, dass Trash TV in uns eine uralte soziale Natur anspricht. Er sagt

„Der Mensch hat Millionen von Jahren in kleinen Sozialverbänden gelebt, in denen es wichtig war, wie man sich positioniert.“

Dahingehend ist es für Trash TV-Zuschauer heute interessant zu sehen, wie sich die Teilnehmer verhalten. Wir vergleichen uns mit den Teilnehmern und fragen uns, wie wir uns wohl verhalten würden. 

Moralapostel aufgepasst

Wer Trash TV gucken möchte, sollte es tun – frei von schlechtem Gewissen. Die Prominenten werden sich freuen, hängt doch ihre weitere Laufbahn von den Einschaltquoten ab. Sie wissen außerdem genau, worauf sie sich einlassen. Bei Bachelor in Paradise machen sie das ohnehin nicht zum ersten Mal. Auch Professor Walschburger meint

„Es ist ein Spiel, und die Prominenten spielen es freiwillig mit. Sie befriedigen damit auch ihr Geltungsbedürfnis."

In diesem Sinne: Prost und viel Spaß bei der nächsten Folge Bachelor in Paradise!