Wenn ich mich auf den Straßen Berlins und auf meinen Reisen durch Europa so umschaue, sehe ich immer mehr Menschen, die eine interkulturelle Beziehung führen. Auch ich bin eine Schwarze Frau, die mit einem weißen Mann verheiratet ist. Daher weiß ich um die Probleme, die auftreten können, wenn man eine interkulturelle Liebe führt. Welche Hürden ich bereits in meinen früheren Beziehungen und meiner jetzigen Ehe überwinden musste, erfährst du in diesem Artikel. 

Interkulturelle Liebe: Diese Probleme können auftreten 

Gerade beim Thema Familiengründung haben mein Ehemann und ich schon stundenlange Gespräche geführt. So hat er die Erfahrungen, die ich als Kind und auch heute noch als erwachsene Person sammeln musste, nie erlebt. Anders wird es jedoch sein, wenn er irgendwann einmal der Vater eines Schwarzen Kindes sein sollte.

Daher war es mir schon früh wichtig, mit ihm darüber zu reden, was das für ihn bedeuten würde. Doch egal, ob du mit einer Schwarzen oder PoC zusammen sein solltest, die Hürden, die ihr im Laufe eurer Beziehung überwinden müsst, ist bei fast jeder interkulturellen Liebe gleich. Mit welchen Problemen ich kämpfen musste: 

1. Rassismus 

Rassismus ist kein Thema, über das gerne geredet wird. Dementsprechend wollen viele das Thema am liebsten übergehen. Wenn du jedoch in einer Beziehung mit jemanden bist, bei dem Rassismus und Diskriminierung zum Alltag gehört, darf dieses Thema nicht ignoriert werden. Ich habe das Glück, einen Partner an meiner Seite zu haben, mit dem ich offen über meine Gefühle sprechen kann, wenn es in den Nachrichten wieder einmal heißt, dass ein Schwarzer Mensch durch eine Polizeikugel sein Leben verloren hat.

Übrigens: Was sich durch den Tod von George Floyd geändert hat.

Auch, wenn mein Mann niemals das Gleiche empfinden kann, wie ich, hilft es mir doch ungemein, dass er in solchen Zeiten für mich da ist. Dass er versteht, womit Schwarze Menschen täglich zu kämpfen haben. Auch wenn mir beim Gedanken das Herz zerbricht, unsere Kinder früher oder später konfrontiert werden. 

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Rassismus spielt bei einer interkulturellen Liebe eine große Rolle. Foto: Getty Images/ Maskot

Und auch im Freundes- und Familienkreis ist die Unterstützung deines Partners oder deiner Partnerin enorm wichtig. So haben nicht alle das Glück, dass ihre interkulturelle Liebe von jedem akzeptiert wird. Abfällige Kommentare, angewiderte Blicke, all das sind Dinge, mit denen du deine:n Partner:in konfrontieren solltest, wenn sie dir auffallen. Und auch hier gibt es nur einen richtigen Weg: Dass er oder sie, sich bedingungslos für dich einsetzt! 

2. Vorurteile schaffen 

Wenn wir in meiner Familie über Stereotype sprechen, erzählt mir meine Mutter stets eine Geschichte aus meiner Kindheit. So waren wir einmal in der Woche bei unserem Stamm-Supermarkt einkaufen. Kleine Kinder bekamen von der Kassiererin immer ein paar Bonbons in die Hand gedrückt, außer ich: Ich bekam jedes Mal eine Banane.  

Meine Mutter, die zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich gut Deutsch sprach, war verwundert, sagte jedoch viele Male nichts. Erst nach ein paar Wochen, fragte sie die Kassiererin, warum ich nicht auch ein paar Bonbons kriegen dürfte. Ihre Antwort: „Ach, das Äffchen liebt doch Bananen.“ Das war das letzte Mal, dass meine Mutter den Supermarkt betrat und bis heute macht sie sich Vorwürfe, dass sie mich, aufgrund ihrer Sprachbarriere nicht richtig verteidigen konnte.

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Schon als kleines Kind war Rassismus kein Fremdwort für unsere Redakteurin. Foto: Getty Images/ MoMo Productions

Auch wenn wir es hier mit einem unfassbaren, rassistischen Vorurteil zu tun haben, können auch kleine Stereotype dafür sorgen, dass sich dein:e Partner:in unwohl fühlt. So musst du deiner/deinem Schwarzen Partner:in nicht jeden Tag frittiertes Hähnchen machen oder jedes Mal Curry mit Reis bestellen, wenn du ein Date mit deinem/deiner indischen Freundi:n hast. Versuche, die Klischees, Klischees sein zu lassen und deinen Freund oder deiner Freundin einfach mal zu fragen, welche Dinge sie/er mag. 

3. Eine Familie gründen 

Einer der größten Herausforderungen, die ich bei einer interkulturellen Liebe sehe, ist das Gründen einer Familie. So können hier bereits am Anfang viele Meinungsverschiedenheiten auftreten, wenn es um die Erziehung der Kinder geht. Mir ist es beispielsweise wichtig, dass mein Kind bereits frühzeitig lernt, dass es Menschen geben wird, die aufgrund der Hautfarbe gewisse Vorurteile haben werden. Nur so habe ich das Gefühl mein Kind schon frühzeitig darauf vorzubereiten, wenn Kinder auf dem Spielplatz nicht mit ihm oder ihr spielen wollen. 

Mein Mann hingegen möchte nicht, dass unser Kind schon im frühen Alter mit dieser Angst konfrontiert wird. Ein Punkt, den ich aus seiner Sicht absolut verstehen kann. Wenn ich jedoch an meine Kindheit zurückdenke, wurden mir bereits im Alter von drei Jahren böse Blicke zugeworfen oder rassistische Bemerkungen an den Kopf geworfen. Ohne dass ich wusste, warum das gerade passiert. Auch wenn dieser Gedanke traurig ist, empfinde ich eine frühe Aufklärung für wichtig, um mit der Situation einigermaßen umzugehen. 

Eine Schwangerschaft ist ein guter Grund, um über die Erziehung zu sprechen. Foto: Getty Images/ Cavan Images

Doch auch in anderen interkulturellen Konstellationen gibt es Unterschiede, denen man sich bewusst werden muss, wenn man eine Familie gründen möchte. In Lateinamerika ist es beispielsweise üblich, seinen Kindern bereits in jungen Jahren Kaffee zu geben. All diese Unterschiede sollte man vor der Familienplanung offen besprechen, damit die interkulturelle Liebe auch über Jahre hinweg funktioniert. 

Interkulturelle Liebe: Kommunikation ist der Schlüssel zum Erfolg 

Als Schwarze Frau in einem weißen Land habe ich bereits viele negative Erfahrungen aufgrund meiner Hautfarbe sammeln müssen. Vielleicht wäre es leichter gewesen, einen Schwarzen Mann zu heiraten, der meine Erfahrungen und Gedanken teilt. Das Schicksal wollte es jedoch anders und so liebe ich einen weißen Mann und würde es mir niemals anders wünschen.

Nur durch viele Gespräche war es uns möglich, unsere interkulturelle Liebe auch noch nach vielen Jahren aufrechtzuerhalten. Auch wenn wir uns bei einigen Themen noch nicht hundertprozentig sicher sind, bin ich zuversichtlich, dass unsere gute Kommunikation letztendlich dazu führen wird, auch weitere Hürden erfolgreich zu meistern.

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