„Mädchen können alles erreichen!“ 

Dieser Satz klingt so unglaublich pauschal und doch ergibt er soviel Sinn. Nämlich das, was wir heute an Rechten als Frau mit Selbstverständnis genießen, haben sich Generationen vor uns jahrzehntelang erkämpft. Und es steht noch eine Menge an Rechten vor uns, zu erringen, deshalb müssen wir diesen Satz immer im Kopf behalten.

Wir zeigen dir, welche Frauenrechte alles für uns verändert haben.

Gesetze, die das Leben der Frau verändert haben

Lange Zeit waren wir Frauen nicht mit Männern gleichgestellt. Erst seit 1918, also seit etwa 100 Jahren, nähern wir uns langsam einer Verbesserung der Verhältnisse für Frauen. Eine umfassende Gleichberechtigung konnte das Gesetz trotzdem nicht erreichen. Erst weitere Änderungen sorgten dafür. Aber wir erzählen der Reihe nach, welche 11 Frauenrechte uns stärker gemacht haben.

1. Frauen dürfen wählen (1918)

Heute ist es für uns noch kaum vorstellbar, dass Frauen bis vor hundert Jahren kein Bestandteil der Politik waren. Doch leider war es früher bittere Realität. Erst am 30. November 1918 wurde das aktive und passive Frauenwahlrecht eingeführt. Das bedeutet, dass die Frau einerseits wählen und andererseits gewählt werden konnte. Einen deutlichen Höhepunkt erlangten die Frauen in der Politik, als 16 Jahre lang eine Frau als Bundeskanzlerin regierte.

2. Frauen dürfen ein Bankkonto eröffnen (1962)

Stell dir vor, du würdest arbeiten gehen, um für dich Geld zu verdienen, aber dieses Geld kassiert dein Ehemann ein. Unmöglich? Nicht so für die Frauen früher. Denn selbst wenn ein Mann seiner Frau erlaubte zu arbeiten, verwaltete er bis zum Jahre 1962 ihr Gehalt. Erst dann durften Frauen ein eigenes Bankkonto eröffnen.

Frau mit Geld
Frauen können seit x ihr Gehalt selbst verwalten. Foto: Massonstock / Canva

3. Frauen dürfen vor und nach der Geburt mit Bezahlung Zuhause bleiben (1970)

In der DDR durften Mütter ab dem Jahr 1950 fünf Wochen vor und sechs Wochen nach der Geburt zu Hause bleiben und bekamen dennoch Leistungen in voller Höhe ihres Lohnes. Ab dem Jahr 1958 bekamen sie sogar Stillgeld in Höhe von zehn Mark. In den 70er Jahren wurde dann das bezahlte Babyjahr eingeführt.

Und im Westen? Ja, der hinkte bei diesem Frauenrecht noch hinterher. Denn erst ab dem Jahr 1952 durften Frauen hier sechs Wochen vor und nach der Geburt zu Hause bleiben. Und: Bis vier Monate nach der Geburt durfte den Frauen nicht gekündigt werden.

4. Frauen dürfen ihren eigenen Namen behalten ( 1976)

Früher Frauen nach der Hochzeit automatisch immer den Nachnamen des Ehemannes annehmen müssen. 1976 hat sich das jedoch geändert und der Mann darf auch den Nachnamen der Frau annehmen.

Namensänderung Hochzeit
Erst seit 46 Jahren können Frauen ihren Namen behalten und der Mann nimmt ihren an. Foto: Getty Images/ Anna Blazhuk

5. Frauen dürfen sich scheiden lassen (1977)

Es machte früher kaum einen Unterschied, wie unglücklich eine Frau in ihrer Ehe war. Selbst wenn der Mann sie schlug oder betrug, konnte sie ihren Mann nicht verlassen. Sie war finanziell von ihm abhängig und würde vor der gesellschaftlichen Vernichtung stehen. Sobald nämlich eine Frau ihren Mann verlies und nicht andersrum, wurde meistens vermutet, mit ihr sei etwas nicht in Ordnung gewesen. Deswegen wurde ihr auch häufig das Sorgerecht abgesprochen. Erst 1977 kam das für die Frau befreiendste aller Gesetze: Das Recht zur ehelichen Scheidung.

Frau Schwanger
Jahrelang wurde dafür gekämpft, dass Frauen abtreiben dürfen. Foto: Getty Images/ Klaus Vedfelt

6. Frauen dürfen abtreiben (1995)

In den 70ern erreichte die Frauenbewegung einen neuen Meilenstein. Ein weiteres Frauenrecht kam dazu. Nämlich die Erlaubnis für Schwangerschaftsabbrüche. Das Gesetz wurde mehrmals gekippt und überprüft und letztendlich wurde dann im Jahr 1995 eine Regelung verabschiedet, die auch heute noch gilt. Wenn du drei Tage vorher bei einer anerkannten Beratungsstelle warst, unabhängig davon, ob es eine Vergewaltigung gab oder medizinische Gründe vorliegen, ist eine Abtreibung straffrei.

7. Frauen werden auf dem Arbeitsmarkt gleichberechtigt (1980)

Worüber wir heute nur den Kopf schütteln können, war damals ganz normal! Bis zum Jahr 1980 durften Unternehmen für eine offene Stelle gezielt männliche Bewerber suchen. Und: Frauen bekamen einen niedrigeren Stundenlohn als Männer. All dies änderte sich Gott sei Dank im Jahre 1980.

Noch heute verdienen Frauen teilweise weniger als Männer. Hier liest du, was es mit dem Gender Pay Gap auf sich hat und wie wir ihn schließen können.

8. Vergewaltigung in der Ehe wird bestraft! (1997)

Der weibliche Körper wird auch heute noch sexualisiert, tabuisiert und Frauen Opfer von Gewalt. Doch: Die Situation heute ist mit der vor ein paar Jahren nicht vergleichbar. Denn wenn die Frau keine Lust auf Sex hatte, konnte sich der Mann ihren Körper sich trotzdem zu eigen machen. Und das mit Gewalt! Erst die Strafrechtsreform im Jahr 1997 stellte alle erzwungenen, sexuellen Handlungen unter Strafe. Und das auch innerhalb der Ehe.

Rechte für Frauen
Vergewaltigungen werden erst nach 1997 strafrechtlich verfolgt. (Photo: Jacob Lund/ shutterstock)

Zum ehelichen Leben gehört auch, die Unlust des Partners zu überwinden. Der Ehemann ist nicht darauf aus, ein Verbrechen zu begehen – manche Männer sind einfach rabiater.

Wolfgang von Stetten, CDU-Abgeordneter, 1995

Wer heute das Zitat des CDU-Bundestagsabgeordneten liest, dem werden sich die Nackenhaare aufstellen, so grundlegend falsch klingt es. Es hat bis zu Jahrtausende gebraucht, bis die Vergewaltigung einer Frau durch ihren Ehemann als eine Straftat galt. Letzteres konnte zuvor immer die Ehe als Rechtfertigung geduldet werden.

9. Frauen dürfen in Teilzeit arbeiten (2001)

Im Jahre 2001 kam man Frauen, vor allem jungen Müttern, auch im Arbeitsleben mehr entgegen. Denn Arbeitnehmerinnen haben seitdem Anspruch auf Teilzeit. Was die Freiheit der Frauen erweitert, ist gleichzeitig auch ein goldener Käfig. Denn tatsächlich arbeiten viel mehr Frauen in Teilzeit. 80 Prozent der Teilzeitbeschäftigten sind Frauen. Nur leider haben sie in Teilzeit oftmals schlechtere Chancen, auf den Chefsessel zu klettern.

10. Frauen müssen Schläge nicht mehr hinnehmen (2001)

Wenn ein Mann seine Frau geschlagen hat, stand die Frau vor dem Nichts, wenn sie die Gewalt nicht mehr hinnehmen und ihn verlassen wollte. Denn sie musste die gemeinsame Wohnung verlassen. Seit 2001 muss allerdings der Mann für zehn Tage raus aus der Wohnung. Den betroffenen Frauen steht nicht nur eine Beratung zur Seite, sondern sie dürfen auch in der Wohnung bleiben.

Jedoch zeigen noch heute viele erschreckende Statistiken, dass im Thema häusliche Gewalt und Frauenmord noch nicht genug getan wird. Jeden Tag gibt es in Deutschland einen polizeilich registrierten Tötungsversuch an einer Frau, jeden dritten Tag stirbt eine Frau durch die Hand ihres Ex-Freundes oder -Mannes und die Dunkelziffer schwer verletzter oder vermisster Frauen und Mädchen muss wesentlich höher sein. Wir haben also auch in Deutschland noch eine Menge an Arbeit vor uns.

Frau nein
Das Nein ist die eindeutigste Antwort. Foto: IMAGO / Westend61

11. Ein Nein heißt Nein! (2016)

Früher haben sich Männer nur strafbar gemacht, die sexuelle Handlungen mit der Androhung oder Ausübung von Gewalt erzwungen haben. Doch seit dem Jahr 2016 gelten andere Regeln.

Jetzt reicht es auch, wenn die Frau ein einfaches „Nein“ ausspricht. Von einem Frauenrecht wie in Dänemark oder Schweden, bei dem beide Sexpartner dem Geschlechtsakt eindeutig zustimmen müssen, sind wir dennoch weit entfernt.

Diese Frauenrechte sind Meilensteine der Geschichte!

Diese 11 Frauenrechte sind Menschenrechte! Sie haben uns nicht nur ermöglicht, wählen zu gehen und politischen Einfluss auf unser Land zu nehmen. Nein, dank ihnen dürfen wir Frauen auch selbst bestimmen, ob und wie viel wir arbeiten und sind endlich gleichberechtigt mit Männern. Zumindest auf dem Papier.

Denn noch immer ist es kein Geheimnis, dass Frauen weniger verdienen als Männer. Wie sich der Gender Pay Gap schließen lässt, erklärt eine Expertin in wmn.