Grenzen setzen kann manchmal gar nicht so leicht sein. Viele Menschen finden sich in Situationen wieder, in denen sie sich selbst verlieren, um anderen gerecht zu werden. Dabei ist psychischer Selbstschutz laut Expert:innen essentiell. Wie du deine eigenen Grenzen am besten festlegst, erfährst du hier. 

Selbstschutz: Warum fällt es uns so schwer uns selbst zu beschützen?  

Joe Sanok schreibt auf Harvard Business Review, dass die Praxis der Festlegung gesunder Grenzen Menschen triggern kann. Obwohl Grenzen für jeden Menschen etwas anderes bedeuten, zwingen sie uns in der Regel dazu, toxische Verhaltensweisen zu untersuchen, die ihre Wurzeln in unserer Vergangenheit haben, und können negative innere Dialoge zum Vorschein bringen, die schmerzhaft sind, wenn man sie anspricht.

Einem Menschen, der dazu neigt, es anderen recht zu machen – eine Unsicherheit, die er wahrscheinlich in seiner Kindheit entwickelt hat -, fällt es vielleicht schwer, Grenzen zu setzen, weil er das Gefühl hat, ständig „geben“ zu müssen, um für andere wertvoll zu sein. Menschen mit hohem Leistungswillen hingegen könnten eine Grenze als persönliches Versagen oder als Angriff auf ihr Ego ansehen. Jemand könnte eine Grenze dazu benutzen, negative Selbstgespräche zu verstärken. 

Zwei Frauen an Tisch
Auch auf der Arbeit müssen laut Expert:innen Grenzen gesetzt werden. Foto: Pexels / MART PRODUCTION

Harte und weiche Grenzen: Der Unterschied 

Joe Sanok schreibt außerdem, dass es einen Unterschied zwischen harten und weichen Grenzen gibt und dass dieser Unterschied uns helfen kann, herauszufinden, wie wir am besten Grenzen setzen. 

Harte Grenzen: Sind Grenzen, bei denen du nicht bereit bist, Kompromisse einzugehen. Denk dabei an Dinge, die du niemals tust oder als vernünftig akzeptieren würdest.  

Weiche Grenzen: Das sind Grenzen, die eher Wünschen entsprechen und bei denen du zu Kompromissen bereit bist. Betrachte sie als Ziele, die du erreichen willst und bei denen du flexibel bist.  

6 Tipps zum Grenzen setzen 

Auf Psychology Today gibt Tina Gilbertson Tipps dazu, wie das Grenzen setzen richtig funktionieren kann. Denn Grenzen setzen an sich kann man lernen. Doch wie funktioniert es, diese auch festzusetzen und zu stärken? 

1. Tipp: Mache dir klar, wo genau die Grenze verläuft. Wo willst du die Grenze ziehen? Ist es in Ordnung, wenn deine Mitbewohnerin dein Essen isst? Oder ist es einfach nicht in Ordnung, wenn sie deine Sachen anfasst? Denn: Wenn du dir nicht im Klaren darüber bist, wo deine Grenzen liegen, werden es auch andere nicht sein. 

2. Tipp: Lege schon im Voraus Konsequenzen fest. Was wird passieren, wenn jemand eine Grenze überschreitet? Wenn es keine Konsequenzen gibt, kann es auch keine Grenzen geben.   

3. Tipp: Rechne mit Verstößen. Wenn du Menschen, die dich bereits kennen, eine neue Grenze setzt, kannst du davon ausgehen, dass diese Grenze getestet wird. Das bedeutet wiederholte Verletzungen trotz deiner Proteste.  

4. Tipp: Sei konsequent. Tests finden im Laufe der Zeit statt. Wenn es heute nicht in Ordnung ist, sollte es morgen auch nicht in Ordnung sein. Deine Grenzen dürfen sich nicht mit deiner Stimmung ändern, sonst wissen andere nicht, was akzeptabel ist und was nicht. 

5. Tipp: Gewöhne dich daran. Das Setzen von Grenzen ist keine einmalige Angelegenheit. Sobald du eine Grenze gesetzt hast, beginnt die langfristige Arbeit, diese Grenze zu verteidigen. 

6. Tipp: Gib anderen nicht die Schuld, wenn diese deine Grenzen verletzen. Erstens wissen die Leute nicht unbedingt, wo du stehst, auch wenn du denkst, dass sie es wissen sollten. Zweitens ist jeder von uns dafür verantwortlich, seine eigenen Interessen zu wahren. 

Zwei Frauen überqueren Straße
Grenzen können in jedem Lebensbereich gesetzt werden. Foto: Pexels / Katya Wolf

Selbstschutz: TikTok-Hacks zum Grenzen setzen 

Auch auf TikTok kursieren die verschiedensten Videos dazu, wie Grenzen gesetzt werden sollten. So sagt die Speakerin Lisa Nichols, dass Menschen unsere Grenzen oft überschreiten, weil wir sie selbst nicht klar genug gesetzt haben. Die Therapeutin Stina Sanders rät dazu, unser Durchsetzungsvermögen zu stärken. So solltest du beim Grenzen setzen immerzu darauf achten, Ich-Botschaften zu versenden.

Außerdem sagt sie dazu, dass wir lernen sollen, Nein zu sagen. Dazu kommt, dass sie dazu rät, seinen eigenen Raum zu schützen. Das bedeutet, achtsam zu sein, wenn es um die eigenen Kapazitäten und Zeitressourcen geht. Und zu guter Letzt rät Stina Sanders dazu, sich professionelle Hilfe zu holen, wenn du merkst, dass dir das Grenzen setzen noch nicht so gut gelingt. Denn psychischer Selbstschutz ist genau so wichtig, wie psychischer Selbstschutz. 

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