Ich folge Linda Leinweber schon eine ganze Weile auf TikTok und bin begeistert davon, wie sie versucht, psychologische und therapeutische Ansätze für jeden zugänglich zu machen. Mir war schnell klar: Diese Frau brauchen wir für unsere Reihe der weekly heroine! Hier küren wir jede Woche eine starke und inspirierende Frau, von der wir uns gerne eine Scheibe abschneiden würden. Im folgenden Interview steht uns Linda Rede und Antwort und verrät uns, warum ihr die Themen Selbstliebe, Depressionen und Panikattacken besonders am Herzen liegen.

Linda Leinweber – kurz & knapp

  • Linda-Marlen Leinweber arbeitet seit 7,5 Jahren als Psychologin und ist zusätzlich zertifizierter Coach und Heilpraktikerin der Psychotherapie.
  • Sie hat es sich zur Mission gemacht, Menschen dabei zu unterstützen, ein gesundes und glückliches Leben zu führen.
  • Dafür bietet sie 1:1 Mental Coachings im Video Call an, gibt Workshops und ist als Speakerin unterwegs.
  • Zusätzlich ist sie auf Social Media aktiv. Das hilft ihr dabei, ihre Tipps für mentale Gesundheit und ihre Aufklärungsarbeit mit ihrer wachsenden Community zu teilen und zu verbreiten.
  • Da sie remote arbeitet, ist aktuell die Welt ihr zu Hause und sie sucht sich immer wieder einen Ort aus, der ihr gerade gefällt und an dem es sich gut arbeiten lässt.
  • Kleiner Funfact: Linda ist großer Justin Bieber Fan, obwohl sie – wie sie selbst sagt – mit 33 Jahren doch eigentlich zu alt dafür ist. Außerdem hat sie es schon als Kind geliebt zu schlafen und regelrecht darum gebettelt, schlafen gehen zu dürfen.

Linda Leinweber im Interview: „Ich hatte selbst Panikattacken“

Das Besondere an Linda: Sie weiß, wovon sie spricht. Denn negative Gefühle sind ihr keinesfalls fremd. Uns hat sie verraten, warum es ihr wichtig ist, über psychologische Phänomene und Themen aufzuklären und den Menschen da draußen etwas mitzugeben…

wmn: Schaut man sich deine Social-Media-Seiten an, erkennt man schnell, dass du vor allem über Themen wie Depressionen, Panikattacken, Ängste oder Selbstliebe sprichst. Warum liegen dir diese Themen besonders am Herzen?

Linda Leinweber: Ich hatte selbst Panikattacken. Deswegen liegt mir dieses Thema sehr am Herzen. Ich hatte damals Schwierigkeiten, schnelle und gute Hilfe zu finden – daher möchte ich speziell hier mein Wissen mit vielen Menschen teilen. Ich weiß, wie hart es ist, wenn du gerade in diesem mentalen Loch bist…

Laut Linda kannst du nur im Reinen mit dir selbst sein, wenn du lernst dich so zu lieben wie du bist. Credit: Uwe Eichhorn/Linda Leinweber

Depressionen sind während der Pandemie ein sehr präsentes Thema geworden – genau wie Ängste. Hier ist es mir wichtig, dass Menschen a) verstehen, WAS mit ihnen passiert und WARUM und b), dass sie Tools an die Hand bekommen, die sie gegebenenfalls selbst umsetzen können, um die ersten Schritte alleine gehen zu können.

Denn Therapieplätze, die von der Kasse finanziert werden, sind momentan mit extrem langen Wartezeiten verbunden. Und Selbstliebe – tja, das ist in meinen Augen die Grundlage für ein glückliches Leben.

Nur, wenn wir lernen, uns mit unserer Einzigartigkeit – innerlich und äußerlich – zu akzeptieren, trauen wir uns unseren Weg mit Gelassenheit und Authentizität zu gehen.

Linda Leinweber

„Warum nicht das Wissen frei verfügbar machen ?“

wmn: Gab es einen Schlüsselmoment in deinem Leben, in dem du dich dazu entschlossen hast, dein Wissen auf Social-Media-Plattformen weiterzugeben?

Linda Leinweber: Mit dem Beginn meiner Selbstständigkeit in 2019 war mir klar, ich möchte mehr Menschen erreichen als die, die im Coaching oder im Workshop vor mir sitzen. So viele Menschen struggeln mit ähnlichen Herausforderungen.

Der Schritt zu Tik Tok wurde durch einen guten Freund von mir, Tobias Jost aka Karriereguru, angestoßen. Er hatte die Plattform gerade für sich entdeckt und hat mir den letzten Push gegeben, auch zu starten. Und ich bin ihm sehr dankbar dafür!

Kennst du schon unseren Podcast? Hier erfährst du alles rund um Selbstzweifel und wie du sie loswirst.

„Selbstliebe ist für mich der Prozess, diese „Schablone“ eines glücklichen und guten Lebens zu hinterfragen…“

wmn: Neben Ängsten und Depressionen greifst du auch immer wieder das Thema Selbstliebe auf. Was glaubst du, warum es viele junge Frauen nicht schaffen, sich selbst zu lieben und das Leben zu führen, welches sie sich wünschen?

Linda Leinweber: Das kann vielfältige Ursachen haben. Erfahrungsgemäß liegt der Ursprung oft im Wertesystem. Werte übernehmen wir manchmal unbewusst manchmal bewusst von unserem Elternhaus, der Gesellschaft, von Freunden/ unseren Peergroups, von den Dingen, die wir in der Werbung, in Filmen und in Social Media sehen. So entwickelt sich ein Bild von dem, was „richtig“ und was „falsch“ ist. 

Selbstliebe ist für mich der Prozess, diese „Schablone“ eines glücklichen und guten Lebens zu hinterfragen und gegebenenfalls aufzulösen. Dann hast du die Grundlage, dein Leben nach deinen Wünschen zu gestalten. Dieser Prozess braucht allerdings Zeit, Selbstreflexion und Mut. Denn manchmal tut es auch weh, etwas „Gut geheißenes“ aufzugeben und alte Komfortzonen zu verlassen.

„Es ist normal, dass wir uns Gedanken darüber machen, was andere über uns denken.“

wmn: Wer mit sich selbst nicht zufrieden ist, denkt häufig darüber nach, was andere über ihn denken könnten. Welchen Tipp kannst du unseren Leser:innen mit auf den Weg geben, damit sie sich zukünftiger weniger von ihren Gedanken leiten lassen?

Linda Leinweber: Erst einmal ist es mir wichtig zu betonen, dass es normal ist, dass wir uns Gedanken darüber machen, was andere über uns denken. Wir sind soziale Wesen und Zugehörigkeit zu einer Gruppe ist ein psychologisches Grundbedürfnis. Es lässt dich sicherer fühlen. Das kommt noch aus einer Zeit, wo du vom Säbelzahntiger aufgefressen worden wärst, wenn du von der Gruppe verstoßen worden wärst. 

Was hilft, ist zum Beispiel sich bewusst zu machen, dass die meisten Menschen sehr viel mehr mit sich beschäftigt sind, als dass sie sich Gedanken über dein Leben machen würden. Wir leiden oft unter dem Spotlight-Effekt – hier gehen wir automatisch davon aus, dass uns alle anschauen, wenn du beispielsweise einen Restaurant oder einen Raum mit Menschen betrittst. In der Realität interessiert das die Menschen herzlich wenig…

weekly heroine
Linda Leinweber erklärt, warum es nicht schlimm ist psychologische Hilfe anzunehmen. Credit: Stefan Klüter/Linda Leinweber

Ich nutze auch gerne Affirmationen, die dich daran erinnern, dass es ok ist, dass du deinen Weg gehst, wie du ihn gehen möchtest: „Es ist ok, wenn andere deine Leben nicht gut heißen/ dich nicht mögen – du willst nicht ihr Leben haben/ magst sie auch nicht.“

Höre nur auf die Menschen, die etwas haben, das du begehrst/was du schätzt.

Linda Leinweber

„Stell dir vor, du hättest nur noch x Monate zu leben – was würdest du dann machen? Das ist dir wirklich wichtig.“

„Angst ist eine natürliche Emotion“

wmn: Zu Beginn haben wir kurz darüber gesprochen, dass es auf deinen Social-Media-Seiten immer wieder um das Thema Angst geht. Woher kommt das Angst-Gefühl und was kann man tun, um es zu überwinden?

Linda Leinweber: Angst ist eine natürliche Emotion, die uns davon abhalten soll, Dinge zu tun, die gefährlich für deine körperliche oder psychische Gesundheit sein könnten. Deswegen ist Vermeidung auch die natürliche Reaktion. 

Wenn das Vermeidungsverhalten allerdings so stark wird, dass du dein normales Leben nicht mehr leben kannst, weil du Angst vor Situationen entwickelt hast, die alltäglich sind, wird es kritisch. Am besten hilft Psychotherapie – denn hier lernst du Tools kennen, mit denen du dich nach und nach wieder sicher in deinem Körper fühlst und dich traust in die Konfrontation zu gehen.

Nur so kann deine Psyche Positiverfahrungen machen und verstehen „Aha, mir passiert ja gar nichts!“. Ein weiteres Ziel der Therapie ist auch, die Angstgedanken im Kopf zu verändern. Hier helfen unter anderem Methoden der Neubewertungen/ Reframing oder der kognitiven Umstrukturierung.  

„In meinen Augen kannst du nur gewinnen, wenn du dir Unterstützung holst.

wmn: Ich stelle es mir schwierig vor, selbst zu erkennen, wann man nur eine schlechte Phase hat und wann man sich professionelle Hilfe suchen sollte. Daher frage ich mich: Wie kann man eine psychische Erkrankung erkennen und ab wann sollte man einen Therapeuten oder eine Therapeutin aufsuchen?

Linda Leinweber: Lieber zu früh als zu spät! In meinen Augen kannst du nur gewinnen, wenn du dir Unterstützung holst. Ich arbeite viel im präventiven Bereich mit meinen Mental Coaching Angeboten – denn wenn du gerade nur eine „schlechte Phase“ hast, reichen höchst wahrscheinlich wenige Sessions aus, dass du wieder in deine Balance findest.

Als grobe Faustregel würde ich aber sagen, wenn du merkst, dass du dein Leben nicht so leben kannst, wie du es dir wünscht und deine bisherigen Kraftquellen wie Sport, gute Gespräche mit Freunden oder Achtsamkeit verschwunden sind oder nicht mehr ausreichen, um dir Power zu geben, dann schau dich nach Angeboten um.

Und hab‘ keine Angst vor Therapie! Ich habe auch schon Therapie in Anspruch genommen und empfinde es als puren Luxus, dass sich jemand 50-60 Minuten Zeit ALLEIN für DICH und dein Leben nimmt. Es kann auch Spaß machen!

wmn: Zu guter Letzt: Was wünscht du dir für die Zukunft und welche neuen Projekte sind geplant?

Linda Leinweber: Ich wünsche mir, dass psychische Gesundheit genauso normal wird, wie körperliche Gesundheit. Wir gehen zur Vorsorge, ernähren uns gesund, treiben Sport – warum ist es immer noch etwas Schambesetztes seine Psyche zu verstehen und zu stärken? Hier ist mein tiefer Wunsch, wirklich eine Enttabuisierung mit anzustoßen. 

Ich habe viele Ideen! Ich bin in Gesprächen für einen Online-Kurs zum Thema Mental Health, ein größerer Podcast steht im Raum und ganz sicher wird bald auch ein Buch kommen. Am liebsten hätte ich die Zauberuhr von Hermine…dann wäre das alles leichter in einen 24h Tag zu packen!

Hast du Lust auf noch mehr weekly heroines?