Kennst du jemanden, bei dem sich grundsätzlich alles um sich selbst dreht? Oder bist sogar du diejenige, die nur mit sich selbst zu tun hat? Dann sperr die Ohren auf. Denn es kann sein, dass du es hier mit einer egozentrischen Person zu tun hast. Diese Störung wird häufig in Verbindung mit Narzissmus gestellt, sollte allerdings nicht mit normaler Selbstfürsorge verwechselt werden. Sich von Zeit zu Zeit selbst in den Vordergrund zu stellen, ist sehr gesund. Wann Ichbezogen-Sein allerdings kritisch werden kann und wie du es erkennst, erfährst du hier. 

Ichbezogen: Egozentrische Menschen erkennen 

Ichbezogene Menschen, kannst du an vielen Merkmalen erkennen. Wichtig dabei ist zu beachten, dass dieser Egozentrismus mehrfach oder durchgehend auftritt. Laut Definition wird Egozentrik wie folgt beschreiben: Mit Egozentrik wird ein „Egozentrismus der Wahrnehmung“ beschrieben, der die Unfähigkeit bezeichnet, sich in die Rolle eines Anderen hineinzuversetzen bzw. die Perspektive eines Anderen anzunehmen sowie die eigene Sichtweise als eine unter mehreren aufzufassen. An diesen Merkmalen kannst du folglich Egozentrismus erkennen.

Frau mit Spiegel in der Hand
Ichbezogen-Sein kann sich auf viele Arten äußern. Foto: Pexels / Sasha Kim

1. Einseitige Unterhaltungen 

Ein ausgewogenes Gespräch besteht in der Regel immer aus zwei Perspektiven und einem Austausch. Sobald eine Person allerdings versucht, jedes Thema auf sich zu beziehen und jedes Gespräch an sich zu reißen, könnte dies ein Zeichen für Egozentrismus sein. Denn ichbezogenen Menschen fällt es laut Therapeut:innen unglaublich schwer, eine andere Sichtweise anzunehmen. 

2. Keine Erwiderungen  

Du hast das Gefühl, dass all die Mühe und der Aufwand, den du in eine Beziehung steckst, nicht zurückkommt? Auch dies ist ein Anzeichen für Ichbezogenheit. Denn die andere Seite sieht nicht, dass sie sich genau so viel Mühe geben könnte, wie du es tust. 

3. Perspektivwechsel  

Wie bereits erwähnt, fällt es egozentrischen Menschen schwer, sich in andere Perspektiven hineinzuversetzen. Das kommt häufig mit einem Mangel an Empathie einher. So werden andere Meinungen oft nicht akzeptiert oder nachvollzogen. 

4. Regeln gelten nur für andere 

Laut Therapeut:innen gehen egozentrische Menschen oft davon aus, dass sie ihr Leben nach ihren eigenen Regeln führen können. Dabei können sie nicht erkennen, dass ihr Verhalten sich auf andere Menschen auswirkt und sie dabei unachtsam mit ihrer Umwelt umgehen. 

5. Rücksichtslosigkeit  

Meist nehmen ichbezogene Menschen wenig Rücksicht auf die Bedürfnisse anderer Menschen. So kann es passieren, dass Partner:innen regelmäßig nur ihre eigenen Bedürfnisse berücksichtigen und beispielsweise nur Aktivitäten auswählen, die ihnen selbst am besten gefallen. 

6. Kontrollierendes Verhalten  

Entgegen der Auffassung, dass egozentrische Menschen in den meisten Fällen nur auf sich achten, passiert es allerdings auch, dass sie versuchen, alles daranzusetzen, ihr Umfeld zu kontrollieren. Denn es muss alles so funktionieren, wie sie es sich vorgestellt haben. 

7. Feedback kommt nicht an 

Wenn du einer egozentrischen Person Rückmeldung zu ihrem Verhalten gibst, kann es sein, dass sie dieses überhaupt nicht annimmt. Größtenteils passiert das aus dem Grund, dass sie keine Verantwortung für ihr Verhalten übernehmen können und die Konsequenzen ihres Handelns nicht sehen. 

Zwei Frauen vor Spiegel
Mehr Kommunikation und Akzeptanz können helfen. Foto: Pexels / Yan Krukov

Wie gehe ich am besten mit egozentrischen Menschen um? 

Dennoch ist der Umgang mit egozentrischen Menschen nicht gänzlich unmöglich. So gibt es einige Punkte, an die du dich halten kannst, um den Umgang für dich angenehmer zu gestalten. 

1. Grenzen setzen  

Wenn die Person zu viel Raum einnimmt, kannst du dir durch klare Grenzen etwas Zeit freischaufeln. Beispielsweise indem du sagst, dass du für das Telefonat nur zehn Minuten Zeit hast oder nach zwei Stunden beim Treffen wieder gehen musst. So setzt du eine klare Grenze für dich im Umgang. 

2. Den Umgang erleichtern  

Du kannst dir selbst den Umgang erleichtern, indem du dir einige Dinge selbst ins Gedächtnis rufst. Beispielsweise, dass du nichts, was dein Gegenüber sagt, persönlich nehmen musst. Beunruhigende Gespräche mit der Person musst du nicht sofort führen oder kannst diese auch verlassen. Mach dir zur Not auch etwas Luft bei Freund:innen. 

3. Realistische Erwartungen  

Wichtig ist, dass du weißt, dass sich manche Verhaltensweisen eventuell nie ändern werden. So solltest du realistische Erwartungen an die Person stellen. Einige Dinge können sich durch viele Gespräche und Kommunikation ändern. Doch sei dir immer bewusst, dass du dich nicht unbedingt immer auf die Person verlassen kannst. 

4. Gefühle kommunizieren 

Kommunikation ist das wichtigste Stichwort in solchen Beziehungen. Wenn dir die Person wichtig ist, versuche ihr deine Gefühle zu erklären, damit ihr gemeinsam an einer Lösung arbeiten könnt.  

5. Die Reißleine ziehen  

Manchmal kommen wir an einen Punkt, an dem es beim besten Willen nicht weitergeht. Deshalb ist es für dich wichtig, klare Grenzen abzustecken und die Beziehung zu beenden, sofern du keine Chancen auf Besserung siehst. Denn laut Therapeut:innen können sich ungesunde und unausgeglichene Beziehungen auf unsere psychische Gesundheit auswirken. 

Fazit: Ichbezogene Beziehungen sind unterschiedlich 

Egal, in welchem Kontext du auf eine egozentrische Person triffst: Der Umgang kann emotional, auslaugend oder verletzend sein. Deshalb ist es wichtig, dass du deine Grenzen klar ausmachst und zu jeder Zeit mit deinem Gegenüber kommunizierst. Nur so kannst du einen gesunden Umgang für beide Seiten anstreben. 

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