Veröffentlicht inPsychologie

Hochsensibilität in der Partnerschaft: Was tun, wenn die Liebe auf Gefühlschaos trifft?

Du bist hochsensibel, dein Partner aber nicht? Das kann für einige Paare zur Herausforderung werden. Wie sich Hochsensibilität in Beziehungen zeigen kann, erfährst du hier.

Hände mit Blumen
Hochsensibilität kann in einer Partnerschaft zu einer kleinen Challenge führen. Foto: Pexels / Orthosved

“Ich dachte immer, ich seh’ das bestimmt zu eng oder ich reagiere sicher über”, sagt Luisa, eine gute Freundin von mir. Sie ist hochsensibel und hat sich dadurch schon in der ein oder anderen prekären Lage in Beziehungen gesehen. Mal fühlt man für die Außenwelt zu viel und mal zu wenig. So geht es vielen hochsensiblen Menschen in Partnerschaften, denn hochsensible Menschen, fühlen von allem einfach ein bisschen mehr. Wie sich die Hochsensibilität in Partnerschaften auswirkt, erkläre ich dir hier.  

Hochsensibilität in der Partnerschaft: Gegensätze ziehen sich an, oder?  

Laut Definition ist Hochsensibilität “das Temperamentsmerkmal höherer sensorischer Verarbeitungssensitivität.” Das bedeutet vor allem, dass Reize anders wahrgenommen und verarbeitet werden. So kommt es schnell zu einer Überflut an äußeren Einflüssen. 
Vielleicht bist du gerade von der Arbeit gekommen und dein Partner / deine Partnerin möchte sich direkt mit dir unterhalten oder sofort zum gemeinsamen Abendessen ausgehen. Wobei du doch eigentlich kurz eine Pause bräuchtest, um die Geschehnisse zu verarbeiten. 

Vielleicht neigst du auch dazu, alles zu überdenken und nimmst jede noch so kleine Veränderung im Verhalten oder der Stimme deines Gegenübers wahr. Was zunächst erstmal nach Kleinigkeiten klingt, kann in Beziehungen zum Streitthema werden. Gerade wenn du und dein Partner / deine Partnerin sehr gegensätzlich seid und so unterschiedliche Bedürfnisse habt. 

Zwei Frauen umarmen sich
In einer Beziehung ist das Wichtigste sich gegenseitig zu unterstützen. Foto: Pexels / cottonbro

Hochsensibilität in der Partnerschaft: Deshalb kann es schwierig werden 

Was passiert in einer Partnerschaft, wenn mein:e Partner:in nicht hochsensibel ist? Da der Großteil der Menschheit tatsächlich als Nicht-HSPler:innen oder Normalsensibel gilt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass du eine Person datest, die nicht hochsensibel ist. Natürlich hängt eure Dynamik nicht einzig und allein von dem Begriff der Hochsensibilität ab, dein Gegenüber kann trotzdem sehr sensibel und empathisch sein. Außerdem finden sich in Partnerschaften häufig bestimmte Verhaltensweisen wieder, die aus einem internalisierten Sexismus, der in unserer Gesellschaft nun mal immer noch existiert, resultiert.

Im Umkehrschluss kann die HSP-Person nun denken, dass etwas mit ihr nicht stimmt oder sie sich und ihre sensible Seite für die Beziehung ändern muss. So wird die andere Person als “normal” angesehen und auf eine gewisse Weise idealisiert. Gerade bei den klassisch stereotypischen Geschlechterrollen, kann es für Frauen zunächst leichter erscheinen, als der sensible und somit auch „schwache“ Part angesehen zu werden. 

Wenn du allerdings versuchst, dich krampfhaft zu verstellen, geht das meistens nicht gut aus, denn du erschaffst ein Bild von dir, welches nicht existiert. So kann es für eine Partnerschaft auf Dauer ungesund sein. 

4 Tipps zum Umgang mit Hochsensibilität in der Partnerschaft

Wenn du dich in einer Partnerschaft befindest in der eine Partei hochsensibel ist, gibt es zwei Keywords, die für euch besonders wichtig sind: Geduld und Kommunikation. Was für eine Beziehung mit Hochsensibilität außerdem wichtig ist, sind die folgenden Punkte:  

1. Verliebt oder anxiety?  

Wenn du HSPlerin bist, kennst du es bestimmt: Manche Alltagssituationen lösen unkontrollierbaren Stress in dir aus und dein Puls steigt. Das kann dir auch passieren, wenn du deinem Date oder Partner gegenüberstehst. Bin ich also verliebt oder stresst mich die andere Person gerade eigentlich durch ihre laute Stimme und hinten links ist gerade ein Teller runtergefallen, während die Musik im Radio immer lauter wurde?

Eine solche Fehlinterpretation des Verliebtheitsgefühls haben die US-Psychologen Art Aron und Donald Dutton schon in ihrem sogenannten “Brückenexperiment” bewiesen. Deshalb ist es sinnvoll, wenn du deine Gefühlswelt im Blick hast und mögliche Triggerpunkte identifizierst. 

Die Wahl der Kennenlernsituation deines Partners / deiner Partnerin kann dir dabei helfen. So kannst du dich zum Beispiel für einen Ort entscheiden, an dem du nicht von äußeren Einflüssen abgelenkt oder gestresst wirst.  

2. Achtsamkeit praktizieren und einen overload vermeiden 

Viele hochsensible Menschen haben gelernt, im Alltag ihre Gefühle einfach zu unterdrücken und zu ignorieren. Da kommt die Kommunikation zum Einsatz! Denn wenn du deinem Partner / deiner Partnerin von deinem Gefühlschaos erzählst, kann er oder sie sich besser auf dich einstellen und eventuell Situationen angenehmer mit dir gestalten. Gib dir also genug Zeit für Pausen und hör in dich hinein. So kannst du ausmachen, was genau dir gerade zu viel ist. 

Frau mit Blüten im Gesicht
Wenn du hochsensibel bist, kann eine Pause ab und zu gut tun. Foto: Pexels / RF._.studio

3. Eine gesunde Balance schaffen: Nähe und Abstand 

In einer Partnerschaft geht es natürlich darum, dass beide Parteien zum Zuge kommen. So wäre ein konstanter Kampf darum, wessen Bedürfnisse nun wann und wie beachtet werden müssen nicht nur extrem ungesund, sondern gerade für HSPler:innen ein absoluter Stressfaktor.  

Für HSPler:innen kann die konstante Nähe, die eine Beziehung bringt, erdrückend sein, für nicht-HSPler:innen selbstverständlich. Vielleicht stellst du das Radio beim Autofahren lieber aus. Dein Gegenüber hingegen könnte die ganzen drei Stunden auf der Autobahn damit verbringen, den gleichen Song im Loop zu spielen.

Wichtig ist, dass ihr euch aufeinander einlasst und Kompromisse findet, damit für beide Parteien eine angenehme Lösung gefunden werden kann. Das ist natürlich leichter gesagt als getan, allerdings ist die Kommunikation der erste Schritt in die richtige Richtung. Denn Unverständnis ist nicht umsonst einer der Hauptstreitgründe.  

4. Was kann ich als Nicht-HSPler:in tun? 

Wenn du mit jemandem in einer Partnerschaft bist, der hochsensibel ist, kannst du ein paar Dinge tun, um die Person zu unterstützen. 

  • Wenn du bemerkst, dass dein Gegenüber überfordert, gestresst oder unruhig ist, kannst du versuchen, bewusst Ruhe und Geborgenheit zu bieten. 
  • Außerdem kannst du Freiräume und Ruhemöglichkeiten schaffen, indem du eine gemeinsame Meditation oder einen kleinen Spaziergang in der Natur vorschlägst. 
  • Bleib geduldig: Für HSPler:innen kann es manchmal zu einer riesigen Aufgabe werden, Entscheidungen zu treffen. Mit Geduld entlastest du dein Gegenüber ungemein. 
Paar hält Händchen
Eine Beziehung mit hochsensiblen Menschen, kann eine Bereicherung sein. Foto: Pexels / PNW Production

Hochsensibilität in der Partnerschaft: Bereicherung statt Belastung  

Eines ist demnach klar: Das Wichtigste in einer Beziehung ist, dass ihr einander ergänzt und das Anderssein eures Gegenübers schätzt. Denn in jedem Fall soll dein Partner oder deine Partnerin dich und dein Leben bereichern und die Beziehung sollte in jedem Fall ein Safe Space sein. Nur weil du hochsensibel bist, heißt es nicht, dass du falsch bist. “Man ist eben anders”, sagt Luisa dazu. “Aber anders sein ist doch eigentlich etwas Schönes.” 

Alle Namen in diesem Artikel wurden von der Redaktion geändert.

Weiterlesen:

Hochsensibilität erkennen: Die 7 wichtigsten Merkmale & Alltagsstrategien!
Zu sensibel? Diese 4 Vorteile der Sensibilität solltest du kennen
Mental gesund: Diese sensiblen Sternzeichen sollten besonders auf sich achten
Gefühle auf der Arbeit unterdrücken? Besser, du lenkst sie in sinnvolle Bahnen