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Was wirklich mit Kindern depressiver Eltern passiert

Was passiert eigentlich mit Kindern depressiver Eltern? In diesem Artikel haben wir uns mit diesem Thema genauer befasst.

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Depression erkennen: Ein Selbsttest hilft

Bei einer Depression handelt es sich um eine ernst zu nehmende psychische Erkrankung. Umso wichtiger ist es, sie frühzeitig zu erkennen. Ein Selbsttest kann dabei helfen!

Das Still Face Experiment des Entwicklungspsychologen Edward Tronick hat bereits vor mehreren Jahren herausgefunden, wie entscheidend die Mimik und Gestik in der Eltern-Kind-Interaktion ist. Auf YouTube sieht man dort anfangs eine liebevolle Mutter mit ihrem einjährigen Baby. Sie reagiert auf alle Äußerungen des Babys, kommuniziert mit Blicken, der Stimme und durch Berührungen. Das Baby zeigt Freude, lacht und gluckst.

Plötzlich wendet sich die Mutter mit einem ausdruckslosen Gesicht ab. Das Baby reagiert sofort und ist verunsichert, da der Kontakt abrupt abgebrochen ist. Verzweifelt versucht es, durch Gestik und Stimme die Aufmerksamkeit der Mutter zurückzugewinnen. Es schreit, quiekt, zeigt hierhin und dorthin – jedoch ohne Erfolg. Die Versuche werden immer verzweifelter. Das Baby kann nicht verstehen, was plötzlich passiert, und versucht, mit seinem ganzen Körper die Mutter wieder in Kontakt zu bringen. Der Stress im Baby steigt, bis es schließlich in Tränen ausbricht.

Doch was geschieht, wenn Eltern an Depressionen leiden und es sich nicht nur um ein Experiment handelt? Wie beeinflusst die psychische Erkrankung das Leben der Kinder? Mehr dazu, erfährst du in diesem Artikel.

Depressive Eltern: Das können die Auswirkungen sein

In Deutschland wachsen etwa 3,8 Millionen Kinder mit mindestens einem psychisch erkrankten Elternteil auf, oft leiden diese an Depressionen. Doch die Auswirkungen auf die Kinder sind vielschichtig. Manche Familien meistern die Herausforderungen, während andere an den Belastungen zerbrechen.

Inwieweit sich die Depression auf das Kind auswirken, hängt von verschiedenen Faktoren. Dazu gehört nicht nur das Alter der Kinder, sondern auch die Dauer der Erkrankung und das familiäre Umfeld. Außerdem entwickeln Kinder mit depressiven Eltern häufig ein hohes Verantwortungsbewusstsein. Kein Wunder, so übernehmen viele doch die elterliche Rolle. Besonders sieht man das bei Erstgeborenen oder Einzelkindern. Und auch Extremfälle sind keine Seltenheit. Hier hilft am Ende nur die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt und auch die Kinder müssten dann selbst in Behandlung.

Kind Depression
Was wirklich mit Kindern depressiver Eltern passiert Foto: Africa Studio – stock.adobe.com

Laut Silke Wiegand-Grefe, die in einer Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie arbeitet, gibt es jedoch auch das Gegenteil. So gibt es Familien, in denen die Depressionen der Eltern gut aufgegangen werden und die Kinder keine Symptome hinsichtlich einer Erkrankung entwickeln.

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Depression als Tabu-Thema

Kinder, die mit depressiven Eltern aufwachsen, steht oft vor dem Dilemma, dass ihre Eltern ihre psychische Erkrankung verbergen wollen, um ihre Kinder zu schützen. Leider führt genau das zu einem Tabu-Thema innerhalb der Familie. Die Kinder fühlen sich schuldig und nehmen die Verantwortung für die Erkrankung auf sich, was zu einer weiteren Belastung führen kann.

Was hilft meinem Kind? Sprecht offen über eure Depression

Kinder sind gute Beobachter und nehmen Veränderungen wahr, auch wenn darüber nicht gesprochen wird. Aus diesem Grund ist es wichtig, mit eurem Kind über eure Depressionen zu sprechen, auch wenn es schwerfällt. So ist es wichtig, das Tabu-Thema in einem offenen Gespräch zu brechen.

Fazit: Offene Kommunikation als wichtiger Indikator

Kinder psychisch erkrankter Eltern stehen vor vielen Herausforderungen. Die Auswirkungen können von Verantwortungsbewusstsein bis hin zu eigenen psychischen Problemen reichen. Die Offenheit über die Erkrankung und eine stärkere Einbindung der Kinder in den therapeutischen Prozess sind entscheidend, um die negativen Folgen zu minimieren. Nur durch ein ganzheitliches Verständnis und offene Kommunikation kann man Kindern helfen, die mit depressiven Eltern aufwachsen.