Einige Menschen sind mit einem fotografischem Gedächtnis geboren, andere einfach mit einem IQ jenseits der 100. Jedoch gibt es natürlich auch Menschen, die einfach lernen müssen, um ein Thema zu verstehen. Das kann eine ziemlich nervtötende Aufgabe sein, aber es gibt Methoden, wie du besser lernen kannst. Wir stellen sie dir vor.

Frau lernt grüner Tee gesund
Es gibt einige Methoden, mit denen du besser lernen kannst. Foto: imago images/Cavan Images

Besser lernen mit Tipps von Sherlock Holmes & The Mentalist

Was ist lernen eigentlich? Lernen beinhaltet viele Faktoren, wie die Fähigkeit, sich Dinge zu merken und anzuwenden. Aber auch Problemlösungs- oder Assoziationsvermögen sind wichtig. Wir haben uns heute dem Teil des „Merkens“ gewidmet, der in Schule und Uni bei Faktenwissen unerlässlich ist.

Methode 1: Besser merken mit der Locimethode

Die Locimethode trägt ihren Namen aufgrund des lateinischen Worts Locus, also Ort. Sie verknüpft Informationen mit Orten, die wir kennen und an die wir uns bildhaft erinnern können. Die Locimethode gehört zu den beliebtesten Methoden, um sich mehr zu merken und besser zu lernen.

Wozu ist sie gut? Die Locimethode ist perfekt geeignet für alles, was in die Rubrik Auswendiglernen gehört. Du kannst sie besonders für kurzfristiges Wissen nutzen.

So geht’s: Man stellt sich einen Ort vor, den man kennt. Das kann das eigene zu Hause sein oder ein der Vorlesungsraum. Es reicht auch schon dein Zimmern oder dein Garten.

Anschließend legst du die zu lernenden Infos an bestimmten Orten und Zimmern ab und verknüpfst sie mit diesem Ort. Da du den Ort auswendig kennst, kannst du ihn das nächste Mal in Gedanken ablaufen und die dazugehörigen Informationen abrufen. Je besser du wirst, desto mehr Orte, Zimmer, Routen oder Accessoires kannst du verknüpfen.

Besser lernen: Grundriss
Lege Informationen an Orten ab, die du im Schlaf ablaufen könntest.

Beispiel: Du möchtest dir zum Beispiel die fünf Kontinente merken und nimmst dafür dein Elternhaus. Versuche nun, Assoziationen mit den Räumen zu erzeugen. Afrika liegt zum Beispiel in der Küche, weil es dort so heiß ist. Südamerika im Badezimmer, weil es dort feucht ist, wie im Regenwald. Europa ist das Esszimmer, weil die Menschen dort zu viel zu essen haben. Auf dem Sofa vor dem Fernseher liegt Nordamerika, und schaut die Kardashians, und so weiter. 

Versuche dir die Szenen lebhaft vorzustellen. Wird das Wissen abgefragt, durchläufst du einfach dein Elternhaus und gehst durch die einzelnen Zimmer. Du wirst merken, dass du dir die Kontinente im Nu eingeprägt hast und anwenden kannst.

Abwandlungen der Locimethode

Die Locimethode hat viele Variationen und Abwandlungen. Alle basieren aber im Prinzip darauf, Informationen an bekannten Plätzen abzulegen, zu assoziieren und so besser lernen zu können.

Körperkarte: Willst du dir keinen Ort ausmalen, dann lege Informationen in bestimmten Körperteilen von dir ab. Deinen Körper hast du immer dabei und kannst ihn ausgiebig anstarren, um dich wieder erinnern zu können.

Tastenkarte: Heutzutage müssen wir uns unheimliche viele Codes und PINs merken. Anstatt dir die Zahlen sinnlos einzuhämmern, kannst du dir aber auch einfach das Muster auf dem jeweiligen Touchpad merken. Natürlich solltest du bei einer Bankzahl die 3er-Reihen vor dir haben, beim Pin für deine Online-Konten hingegen eine QWERTZ-Tastatur.

Methode 2: Besser lernen mit dem Gedächtnispalast

Der Gedankenpalast ist eine Methode aus der Mnemonik (Gedächtniskunst) und besonders durch Sherlock Holmes bekannt geworden. Dabei beruht sie auf der Locimethode und ist im Prinzip die fortgeschrittene Variante davon. Sie ist besser geeignet für Langzeitwissen, welches du auch nach Monaten und Wochen noch abspeichern möchtest.

Der Haken an der Locimethode ist nämlich, dass die Orte, die du kennst, irgendwann überquellen vor abgelegtem Wissen oder schlicht und einfach nicht ausreichen. Dann solltest du zu Sherlocks Gedankenpalast greifen.

Wozu ist sie gut? Der Gedankenpalast ist eher etwas für fortgeschrittene „Merker:innen“, die viel explizites Wissen dauerhaft behalten möchten. Mediziner:innen und Jurist:innen können zum Beispiel sehr gut davon profitieren.

Gedankenpalast
Wie sieht dein Gedankenpalast aus?

So geht’s: Im Prinzip funktioniert der Gedankenpalast ganz ähnlich wie die Locimethode. Der einzige Unterschied ist, dass der ausgedachte Ort nicht real ist und ständig erweitert werden kann. Daher der Name Gedankenpalast.

Du baust dir also für das Merken der fünf Kontinente eine eigene Etage. In jedem Zimmer ist ein Kontinent. Zusätzlich kannst du zum Beispiel die Bevölkerungszahlen oder Länder auf Gegenstände im Raum ablegen.

Beispiel: Du merkst dir die Kontinente, indem du dir eine fiktive Etage baust. Dort gibt es Küche, Bad, Wohnzimmer etc. Zusätzlich kannst du dir die wichtigsten Länder auf Gegenstände legen. Zum Beispiel wäre im Wohnzimmer der Fernseher die USA, Grönland wäre vielleicht das Fell auf dem Sofa, weil es dort kalt ist, Kanada das Sofakissen mit dem Elch darauf, Mexiko die Nachos auf dem Sofatisch …

Methode 3: Ein festes Ritual

Du tust deinem Gehirn immer einen Gefallen, wenn du ihm Stützen baust. Denn so werden Informationen miteinander verknüpft und können sich besser gemerkt werden. Beispielsweise solltest du zum Lernen immer den gleichen Ort aufsuchen. Wenn du auch noch zur gleichen Uhrzeit lernst und das gleiche Getränk trinkst, merkt sich dein Gehirn die Informationen immer besser. Ein Profi-Tipp ist auch, beim Lernen immer den gleichen Geruch in der Nase zu haben. Sprüh dir beispielsweise ein Parfum auf das Handgelenk, dass du sonst nicht benutzt. Wenn du in der Prüfung dann dasselbe Parfum trägst, erinnerst du dich besser an den Stoff.

Methode 4: Reden, Reden, Reden

Du kennst es sicher auch: Du liest deine Lernkarten durch, schweifst mit den Gedanken ab und weißt plötzlich nicht mehr, was du die letzten fünf Minuten gelesen hast. Das passiert nicht, wenn du deinen Lernstoff laut vorträgst und immer wieder wiederholst. Entweder du erzählst es dir selbst oder – das wäre optimal – du erzählst es jemand anderem. Wichtig ist, dass das Erzählte hinterfragt wird und du es erklären musst. So merkst du, wo noch Lücken bei dir sind.

Methode 5: Kompakte Lernpäckchen packen

Acht Stunden am Tag Vokabeln zu pauken, bringt dir höchstens Kopfschmerzen, aber sicher keine gute Note. Viel effektiver ist es, wenn du dir Lernpäckchen packst, zwischen denen du eine kleine Pause machst. So gibst du deinem Gehirn erst die Möglichkeit, die neu erworbenen Informationen zu verarbeiten. Eine Lerneinheit könnte also so aussehen: 15 Minuten Vokabeln lernen, 5 Minuten Pause, 10 Minuten Hörverstehen, 5 Minuten Pause, 15 Minuten Textarbeit, 5 Minuten Pause, 10 Minuten Vokabeln wiederholen.

frauen gründen Arbeitskollegen besser lernen
Über die Locimethode kannst du auch die Namen neuer Kollegen ganz einfach lernen. Foto: Gettyimages/Flashpop /

Fazit: Addiere Bilder zu trockenem Faktenwissen

Der Grund, warum die Locimethode so gut funktioniert ist, dass man sich Dinge besser merken kann, wenn man sie durch möglichst viele Sinne erfährt. Das wird in der Neuropsychologie Dual Coding genannt. Man kann sich zum Beispiel eine Vokabel besser merken mit einem dazugehörigen Bild. 

Die Locimethode macht sich das zunutze und verbindet Wissen mit visuellen Reizen und Vorstellungen. Besonders effektiv ist sie, wenn du dir auch ein Geruch oder ein Geräusch dazu vorstellst. Ich wette, du hast dir gemerkt, welcher Kontinent im Wohnzimmer lebt und wer am Fernseher klebt.

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