Vor kurzem war ich in einer audiovisuellen Ausstellung, die durch weite Teile eines alten Kohlekellers führte. Bevor der Guide die große Stahltür zum Eingang aufstieß, ermahnte er uns: „Bleibt zusammen, darin ist es stockdunkel, nur die Kunstwerke weisen euch den Weg.“ Während ich vor allem aufgrund der engen Gänge und tiefen Decken ganz kurzatmig wurde, würden Menschen, die von der sogenannten Achluophobie betroffen sind, diese Ausstellung niemals betreten. Zu groß ist ihre Angst vor der Dunkelheit. In diesem Artikel erfährst du, was hinter der Phobie steckt, wie sie entsteht und wie man sie therapieren kann.

Was steckt hinter der Angst vor der Dunkelheit?

Die Angst vor der Dunkelheit heißt auch Achluophobie. Das Wort setzt sich zusammen aus den altgriechischen Vokabeln achlýos und phobos. Übersetzt bedeutet das so viel wie Angst vor dem Nebel bzw. der Dämmerung. Aber auch der Begriff der Nyktophobie ist geläufig, wobei die griechische Vokabel nyktós die Nacht bedeutet.

Die Achluophobie ist eine spezifische Phobie vor der Dunkelheit bzw. vor den vermeintlichen Gefahren, die mit der Dunkelheit verbunden sind. Diese Angst geht zum Teil so weit, dass Betroffene es beispielsweise meiden, nachts das Haus zu verlassen oder dunkle Räume wie einen Keller zu betreten. Sie versuchen zudem ständig Licht bei sich zu haben, um ihre Angst zu umgehen.

Die Angst vor der Dunkelheit ist bei Kindern weit verbreitet

Viele Eltern werden sicher die Bitte ihres Kindes kennen, das Licht anzulassen oder die Tür einen Spalt weit geöffnet zu lassen. Allerdings hat diese Bitte wenig mit der phobischen Störung zu tun. Vielmehr kann diese Angst als normale Entwicklungsphase betrachtet werden. Vor allem zwischen dem dritten und dem vierten Lebensjahr ist diese Angst vor der Dunkelheit typisch.

Von einer ausgewachsenen Angststörung spricht man erst dann, wenn die Angst vor der Dunkelheit den Tagesablauf beeinträchtigt oder sich ein Vermeidungsverhalten manifestiert.

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Angst in der Dunkelheit ist nicht nur ein Phänomen unter Kindern. Auch Erwachsene können betroffen sein. Credit: IMAGO/ Addictive Stock

Auch Erwachsene leiden an der Angst

Keineswegs ist die Angst vor der Dunkelheit allein den Kindern vorbehalten. Auch erwachsene und ältere Menschen können von dieser Phobie betroffen sein. Das verwundert wenig, immerhin kann es verunsichern, wenig sehen zu können. Den ganzen Tag über sehen wir gut und das ist auch wichtig, um potenzielle Gefahren wahrnehmen zu können.

In der Nacht oder in dunklen Räumen wird uns diese Fähigkeit genommen. Das kann zu mulmigen Gefühlen führen. Mal ein Gefühl der Unbehaglichkeit zu spüren, wenn es an Licht mangelt, macht aber noch keine Angst vor Dunkelheit aus. Auch hier sind der Leidensdruck und das mögliche Vermeidungsverhalten entscheidend, ob von einer diagnostizierten Phobie gesprochen werden kann.

Betroffene der Achluophobie müssen beispielsweise die gesamte Nacht über das Licht brennen lassen. Dadurch büßen sie an Schlafqualität und zuletzt an Lebensqualität ein. Und als Faustregel bei jeder psychischen Erkrankung gilt: Wird die Lebensqualität beeinträchtigt, ist eine Therapie nötig.

Wie entsteht die Angst vor der Dunkelheit?

Die Ursprünge solcher Ängste können in Extremfällen mit Erfahrungen zusammenhängen, die in der Dunkelheit gemacht wurden: zum Beispiel Missbrauch oder Gewalt. Die Angst kann aber auch genetisch bedingt, also vererbt worden sein oder durch die eigene Persönlichkeit bedingt sein.

Wer beispielsweise ein sehr ausgeprägtes Vorstellungsvermögen hat, kann sich leichter in Angstszenarien versetzen. Zum Teil sind es aber auch ganz offensichtliche Angstauslöser: Vielleicht wurde vor der Angstphase ein Horrorfilm geschaut, der zu großen Teilen in der Dunkelheit spielt.

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Die Angst vor der Dunkelheit kann veranlagt sein, aber auch aufgrund der Persönlichkeit bedingt sein. Credit: imago images/Addictive Stock

Wie sieht die Therapie für die Phobie vor der Dunkelheit aus?

In der Therapie arbeitet man meist mit einer Expositions-basierten kognitiven Verhaltenstherapie. Einfach gesagt wird der oder die Betroffene unter Anleitung des:der Therapeut:in durch eine Angstphase geleitet, die zuvor ausgelöst wurde.

Bezogen auf die Angst vor der Dunkelheit wird also ein Szenario geschaffen, in dem der oder die Betroffene immer größerer Dunkelheit ausgesetzt wird. Zuletzt steht das Ziel, dass die Angstphase begleitet durchgestanden wird und dadurch ein Umlernen erfolgt. Diese Form der Therapie soll zeigen, dass keine Gefahr von der Dunkelheit ausgeht. Bei sehr schweren Formen kann zusätzlich auch eine medikamentöse Behandlung in Betracht kommen.

Weiterlesen: Wenn du mehr über Angststörungen erfahren möchtest und welche Therapieformen gegen Angst helfen, lies hier unsere beiden Interviews mit dem Facharzt Dr. Martin Greetfeld dazu.

So können sich Betroffene selbst helfen

Betroffene können sich zudem auch selbst helfen, indem sie autogenes Training erlernen oder Entspannungsübungen anwenden. Psychiaterin Kathrin Domschke verrät im GEOMagazin außerdem, dass Betroffene versuchen sollten, ihre Angst positiv zu verkehren. Sie sollen der Dunkelheit also etwas Positives abgewinnen – zum Beispiel wie geschult ihre akustischen Sinne in diesem Moment sind.

Allerdings sollte man nichts überstürzen und sich langsam an solche Experimente wagen. Beispielsweise könnten Betroffene versuchen, jeden Tag einige Minuten mehr ohne Licht auszukommen. Wichtig ist zudem, jeden kleinsten Erfolg zu feiern und in einem Tagebuch aufzuschreiben. Wer jedoch merkt, dass er seiner Angst allein nicht Herr:in wird, sollte sich in jedem Fall auf eine Therapie einlassen.

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