Große Brüste gehören immer noch zum Schönheitsideal. Dennoch legen sich jedes Jahr in Deutschland Tausende Frauen unters Messer, um ihre große Oberweite loszuwerden. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ästhetische-Plastische Chirurgie steht die Brustverkleinerung in Deutschland auf Platz 9 der am häufigsten durchgeführten Behandlungen im Jahr 2021.

Shirin David hat’s getan, Victoria Beckham und auch Aurelia, die uns in dem folgenden Artikel ihre Geschichte erzählt.

Aurelia ist 23, studiert Geschichte und Englisch auf Lehramt und hat sich wie viele andere junge Frauen ihre Brüste verkleinern lassen. Wir haben mit ihr über ihre Erfahrung gesprochen.

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Viele verstecken sich wegen ihren großen Brüsten und fühlen sich in ihrem Leben eingeschränkt. Doch das muss nicht so sein. Foto: IMAGO/ Addictive Stock

Aurelia : „Ich wurde von meinen Brüsten mehr eingeschränkt, als dass sie mir gefallen haben“

wmn: Wie kamst du dazu, dass du dich mit dem Thema Brustverkleinerung auseinandergesetzt hast und wie alt warst du da?

Aurelia : Da war ich etwa 15, 16 Jahr alt. Ich hatte schon mit 13 relativ große Brüste und das war etwas, was mich immer schon gestört hat. Ich dachte immer, ich könnte mich wohler in meinem Körper fühlen. Mich hat das Thema damals schon beschäftigt, aber ich dachte immer, ich gebe den Brüsten nochmal eine „Chance“. Irgendwann war aber klar, dass ich von ihnen mehr eingeschränkt werde, als dass sie mir gefallen.

wmn: Die Brustgröße ist eine vererbliche Eigenschaft. Haben die Frauen in deiner Familie ähnliche Erfahrungen und Probleme mit ihren Brüsten?

Aurelia : Die Veranlagung liegt wahrscheinlich in der mütterlichen Seite meiner Familie. Meine Tante hat auch extrem große Brüste und hat mir das Leben mit großen Brüsten quasi vorgelebt. Meine Mutter hat auf der anderen Seite schon früh ihre Brüste verkleinern lassen und hat mir damit die Gegenseite aufgezeigt, wie „normal“ und einfach sich das Leben mit kleineren Brüsten gestalten lässt. 

Meine Tante hat sich erst jetzt, mit 64 Jahren, für eine Brustverkleinerung entschieden. Sie hatte bereits viele Bandscheibenvorfälle und ihre Brüste haben nie aufgehört zu wachsen. Sie ist eigentlich zierlich und sehr klein. Durch ihre Brüste haben die Proportionen gegen sie gearbeitet.

Durch diese Erfahrungen dachte ich mir, bevor ich mir meinen Rücken ruiniere, lieber jetzt als später.

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Brüste sind solange eine tolle Sache, bis du durch sie eingeschränkt wirst. Das kann sowohl die Gesundheit, als auch die Psyche betreffen.

Gesundheit vs. Psyche: Was ist ausschlaggebend für eine Brustverkleinerung?

wmn: Waren es bei dir in erster Linie gesundheitliche Gründe, oder gab es auch psychische Gründe, die bei dir entscheidungstragend waren?

Aurelia : Tatsächlich waren es nicht unbedingt die gesundheitlichen Gründe. Ich hatte ja noch keinen Bandscheibenvorfall oder ähnliches, aber ich wusste, was mir in Zukunft bevorsteht. Dazu kam, dass ich mich grundsätzlich mit meinen Brüsten nicht wohlgefühlt habe.

Dadurch habe ich mich viel mehr versteckt. Ich habe mich beispielsweise ganz anders angezogen. Mittlerweile ist es für mich leichter Klamotten zu finden, die mir jetzt passen, die mir stehen und in denen ich mir gefalle. Es war stressig BHs zu kaufen. Ich konnte nie Bikinis ohne Bügel tragen. Aber grundsätzlich habe ich mich mental schlecht mit meinen Brüsten gefühlt und es ist einfach leichter, kleinere Brüste zu haben.

wmn: Kam das Unwohlsein bei dir nur durch dein eigenes Körpergefühl, oder wurde es durch die Außenwahrnehmung, also Blicke und Kommentare, geformt?

Aurelia: Blicke und Kommentare gab es immer. Dazu kam unter anderem sehr unangenehmes Verhalten von Lehrern, was völlig daneben war. Das waren dann manchmal dumme Kommentare, unangemessene Blicke, oder zu enger Körperkontakt. Auch komplett fremde Menschen auf der Straße haben sich berechtigt gefühlt, meine Oberweite zu kommentieren. Da bin ich zwar nicht die Persönlichkeit dafür, die sich davon heruntermachen lässt. Es war eine Erleichterung, als das vorbei war.

Erleichternd ist auch, dass ich heute in einen BH-Laden gehen kann und nicht direkt einen beigen Oma-BH in die Hand gedrückt bekomme, sondern mir Unterwäsche kaufen kann, die meinem Alter gerecht wird. Es geht eigentlich mehr darum, dass ich jetzt überhaupt die Wahl habe.

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Bei einer Mammographie werden deine Brüste zwischen zwei Plexiglasplatten fixiert. Foto: choja Getty Images Signature via Canva.com

Brustverkleinerung Erfahrung: Ängste, Kosten und das Leben danach

wmn: Hattest du vor der OP irgendwelche Ängste?

Aurelia : Das klingt jetzt richtig blöd, aber ich hatte Angst, dass ich nach der OP gar keine Brüste mehr haben werde. Ich war damals bei verschiedenen Ärzt:innen und habe mich beraten lassen und ein Arzt meinte zu mir, dass wir da auf jeden Fall auf ein B-Körbchen runtermüssen.

Da war ich geschockt. Von einer so großen Brustgröße auf eine vergleichsweise kleine, herunterzugehen, hat mir Angst gemacht. Angst, dass das dann nicht mehr ich bin und es irgendwie unproportional aussehen wird. Aber zum Glück tut es das nicht.

wmn: Wie lange hat es von der Entscheidung bis zur OP selbst gedauert?

Aurelia : Im Herbst, so gegen September, habe ich mir Gedanken gemacht, dass ich dieses Thema jetzt angreifen will. Dann habe ich verschiedene Ärzt:innen aufgesucht, mich informiert, habe einen Kostenvoranschlag machen lassen und wurde dann ein halbes Jahr später operiert.

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Wenn die Krankenkasse die Operation nicht übernimmt, muss man für diese Operation tief in die Tasche greifen Foto: Getty Images/ mikroman6

Aurelia : „Ich habe 80 % der Kosten selbst gezahlt.“

wmn: Wurde dir die Operation von der Krankenkasse gezahlt?

Aurelia : Das mit der Krankenkasse war dann auch ein spannendes Thema. Ich bin privatversichert, über ein verbeamtetes Familienmitglied. Das bedeutet man bekommt 20 % von der Krankenkasse und 80 % von der Beihilfe gezahlt. Normalerweise läuft das so, dass die Beihilfe alles zahlt, was die Krankenkasse nicht zahlt. Darum habe ich der Krankenkasse einfach den Kostenvoranschlag geschickt und die haben sich bereit erklärt, die Kosten zu übernehmen. Dann habe ich mich aber nicht mehr explizit um die Beihilfe gekümmert, die es dann im Endeffekt nicht übernommen hat.

Das heißt, mir wurden 20 % gezahlt und die restlichen 4.000 von den 6.000 Euro musste ich selbst zahlen. Das ist etwas dumm gelaufen, weil mein Arzt nicht so ganz gecheckt hat, dass ich von der Beihilfe so abhängig war, sondern nach dem Bescheid von der Krankenkasse davon ausgegangen ist, dass das alles schon so passen wird. Ich habe es danach bei der Beihilfe noch einmal versucht, wurde dann auch von einem Amtsarzt befragt. Die haben meine Brustverkleinerung aber nicht als medizinischen Fall, sondern als Schönheitsfall eingeordnet. Und Schönheitsfälle übernimmt die Kasse nicht.

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Sportlicher dank Brustverkleinerung. Eine große Oberweite, kann beim Sport zum echten Handycap werden. Foto: IMAGO IMAGES / Westend61

Aurelia : „Mein Leben ist einfach ein bisschen freier.“

wmn: Kannst du an ein paar Punkten festmachen, wie sich dein Leben nach der OP verändert hat?

Aurelia : Ich bin viel sportlicher geworden. Laufen geht jetzt. Das hat davor, egal welchen Sport-BH ich getragen habe, einfach nur weh getan. Das zieht sich ja auch weiter. Egal, ob es wandern oder generell Outdooraktivitäten sind: Alles ist im wahrsten Sinne des Wortes „leichter“ geworden und braucht auch nicht mehr so viel Vorbereitung.

Ich kann zum Schwimmen einfach einen Badeanzug überwerfen, was ich früher nie gemacht hätte, weil ich Angst hatte, dass es doof aussehen könnte, weil meine Brüste da keinen Halt hatten. Zum Wandern musste ich drei große Sport-BHs mitnehmen, die mir ausreichend Support gegeben haben, damit ich bei einer Mehrtagestour keine schlimmen Rückenschmerzen bekomme.

Außerdem ist es viel billiger. Die Kosten für BHs, Bikinis und Sport BHs sind bei großen Brüsten so viel höher. Mein Leben ist seit der Brustverkleinerung einfach ein bisschen freier geworden. Ich merke auch, dass ich selbstsicherer in meinem Körper bin. Kann sein, dass das Alter da mit hineinspielt, aber ich fühle mich einfach viel besser.

Aber ich finde meine Narben nicht schlimm. Sie sind flach, hellpink und sehr schön.

Aurelia

wmn: Wie war es für dich direkt nach der OP? Sind deine Narben noch ein großes Thema für dich?

Aurelia : Ich habe eine extreme Narbenbildung, aber das wusste ich vorher schon. Aber ich finde meine Narben nicht schlimm. Sie sind flach, hellpink und sehr schön.

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„Wow, meine Brüste funktionieren!“ Foto: Anete Lusina von Pexels via canva.com

Aurelia : „Ich habe jetzt Gefühle in meinen Brüsten!“

Aurelia : Warte! Das habe ich völlig vergessen! Ich habe jetzt Gefühle in meinen Brüsten! Wuh! Wie konnte ich das vergessen? Ich hatte vor meiner Brustverkleinerung überhaupt kein Gefühl in meinen Brüsten. Dadurch, dass die Haut so gestretcht war. Jetzt habe ich endlich Gefühl in meinen Brüsten, wenn die jemand anfasst und das war der krasseste Moment für mich nach meiner OP: Zu merken, oh wow, meine Brüste „funktionieren“! Die haben nicht nur Wirkung für andere, sondern auch für mich. Davor habe ich das immer nicht verstanden, wenn jemand meinte, sie sind so sensitiv an den Brüsten.

Eine große Operation für kleinere Brüste – hat es sich gelohnt?

wmn: Würdest du jetzt sagen, dass du zufrieden bist mit deinen Brüsten?

Aurelia : Ja ich bin sehr zufrieden! Wenn ich nochmal etwas ändern könnte, würde ich sie wahrscheinlich nochmal verkleinern, weil sie mir persönlich doch noch etwas zu groß sind, obwohl sie jetzt proportional zu meinem Körper gut passen.

Fazit: Es ist permanent und es kann dein Leben extrem erleichtern

wmn: Was würdest du einer Person sagen wollen, die überlegt sich die Brüste verkleinern zu lassen?

Aurelia : Ich würde ihr sagen, es ist permanent. Dem muss man sich bewusst sein. Ich bin außerdem sehr sensibel, was Krankenhausprozesse angeht. Ich finde, da ist man so offen und so verletzlich. Deswegen würde ich immer gucken, unabhängig davon, ob es mehr kostet, dass man einen Arzt oder Ärztin findet, mit der man sich wohlfühlt. Nicht unbedingt den billigsten, auch nicht, der oder die, dich einfach nur durchschleusen will. Der Arzt, für den ich mich letztendlich entschieden habe, hat sich sehr viel Zeit für mich genommen und mir sehr realistisch gezeigt, wie das später aussehen wird.

Und ich würde auch betonen, dass es danach keine „perfekten“ Brüste sein werden. Sie haben Narben. Die wird man auch immer sehen. Aber wenn du damit zufrieden bist, kann das dein Leben extrem erleichtern