Viele Monate lang nahmen Wissenschaftler:innen an, dass Raucher:innen ein erhöhtes Risiko für Corona haben. Doch eine Studie zeigt eine völlig andere Auswirkung des Nikotins …

Ja, die Pandemie zeigt bei fast allen von uns Auswirkungen. Das offenbart auch eine neue Studie der Columbia University. Demnach kompensierten viele den Lockdown-Stress mit noch mehr Nikotin als sonst. Dabei soll doch gerade bei Corona das Rauchen besonders gefährlich sein. Oder doch nicht?

Trotz monatelanger Forschung gab es in der letzten Zeit widersprüchliche Aussagen darüber, wie sich das Rauchen wirklich auf Corona auswirkt. Doch eine Studie der Universität Regensburg hat kürzlich erstaunliche Ergebnisse zutage befördert. Denn anders als angenommen, scheint das Rauchen doch gar kein Risikofaktor für eine Covid-19-Erkrankung zu sein. Wie kommt es zu dieser komplett gegenteiligen Erkenntnis?

Macht Rauchen Corona nun schlimmer oder nicht?

Für viele klingt das paradox. Immerhin galten Raucher:innen lange Zeit als Covid-19-Risikogruppe, da sie durch ihren Nikotinkonsum bereits oft angegriffene Lungen und Bronchien haben, die dem Sars-CoV-2-Virus den „Zutritt“ erleichtern könnten. Auch ein schwerer Verlauf wäre durch die Vorbelastung möglich.

Doch die Regensburger Forscher:innen kamen nun zu einem völlig gegensätzlichen Ergebnis, wie die Mittelbayerische berichtet. Demnach haben die von ihnen untersuchten Raucher:innen im Durchschnitt einen weniger langen Corona-Verlauf erlebt als Nichtraucher:innen.

Frau raucht
Rauchen ist bekanntermaßen eine große Gefahr für die Gesundheit.(Photo: imago images/Westend61)

Für ihre Studie analysierten sie 1084 Corona-Fälle in der Stadt und dem Landkreis Regensburg. Mit 419 von ihnen führten die Wissenschaftler:innen sechs Wochen nach ihrer Infektion Telefoninterviews durch. Bei 417 der 419 Probanden konnte ermittelt werden, ob sie Raucher sind oder nicht. Dabei ergab sich bereits ein auffälliges Missverhältnis: 50 waren Raucher:innen, 367 Nichtraucher:innen.

Das berichten Raucher:innen von ihrer Covid-19-Erkrankung

Und das, was die Raucher:innen über ihren Krankheitsverlauf berichteten, überrascht ebenfalls. So waren sie laut der Studie meist kürzer erkrankt gewesen als Nichtraucher:innen. Zudem waren sie vergleichsweise kürzer symptomatisch. Und wenn sie Symptome wie Geruchs-und Geschmacksstörung, Erkältung und Atemstörungen hatten, waren diese deutlich weniger ausgeprägt als bei NichtraucherInnen.

Wer sich jetzt aber über eine medizinische Sensation freuen will, den müssen wir leider enttäuschen. Denn dass die Raucher:innen eine Corona-Infektion oft als weniger ausgeprägt empfanden, könnte allein an deren Wahrnehmung liegen.

Das zumindest glaubt Dr. Benedikt Lampl, der stellvertretende Sachgebietsleiter für Infektionsschutz des Regensburger Gesundheitsamts. „Raucher leiden ja häufig an Raucherhusten. Das heißt, das ist ein ‚Symptom‘, das die Raucher dauerhaft haben unter Umständen. Sodass ein zusätzlicher Husten durch eine entsprechende Infektion in der eigenen Wahrnehmung gar nicht so ins Gewicht fällt, insbesondere dann, wenn er nur leicht ausgeprägt ist,“ versucht er das Phänomen zu erklären.

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Andere Studien zeigen positiven Effekt des Nikotins

Bereits am Anfang der Pandemie hatte eine Studie des Institut Pasteur und Collège France für Aufsehen gesorgt, die sich ebenfalls mit diesem Thema beschäftigt. Die Forscher:innen fanden heraus, dass von 500 untersuchten Corona-Patienten gerade einmal 5 % Raucher:innen waren. In Frankreich rauchen vergleichsweise viele Menschen. 2017 griffen laut Eurobarometer 35 % regelmäßig zum Glimmstengel, während es in Deutschland 10 % weniger waren.

Die Vermutung hinter dem geringen Anteil an Raucher:innen unter den Covid-19-Kranken: Das Nikotin „dockt“ an die Zellrezeptoren an, die auch das Coronavirus als Einfallstor nutzt. Dadurch das dieses aber besetzt ist, kann Sars-CoV-2 nicht in die Zellen gelangen. Um die Hintergründe genau zu verstehen, müsse noch jedoch eingehend geforscht werden.

Fazit: Für Raucher gibt es wegen Corona keine Entwarnung

Raucher:innen können trotz dieser neu gewonnen Informationen zu Corona keinesfalls aufatmen. Denn es bedeutet alles andere, als dass du aufgrund dieser Ergebnisse nun zum Raucher oder zur Raucherin werden solltest. Denn Zigaretten sind bekanntlich ungesund, daran kann weder die Regensburger Studie noch die der Franzosen etwas ändern.

„Die Frage, ob man quasi zum Raucher werden sollte, um sich vor einer Covid-Infektion zu schützen, kann man als Mediziner nur nachdrücklich mit NEIN beantworten, macht Lampl deutlich. Also ernähre dich lieber gesund und stärke damit dein Immunsystem!

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