Frau Zigarette
RaucherInnen zählen eigentlich zur Corona-Risikogruppe. (Photo: shutterstock, ViDI Studio)

Corona-Studie: ForscherInnen machen verblüffende Entdeckung über RaucherInnen

Rauchen galten bislang als großes Corona-Risiko. Doch eine neue Studie zeigt, dass Nikotin sich ganz anders auf eine Covid-19-Erkrankung auswirkt als angenommen.

Seit der Ausbreitung von Sars-CoV-2 haben Wissenschaftler jede Menge über das nicht mehr ganz so neuartige Virus sammeln können. Doch vieles ist noch immer ungeklärt. So gibt es beispielsweise widersprüchliche Aussagen darüber, wie das Rauchen sich auf Corona auswirkt.

Jetzt hat eine neue Studie der Universität Regensburg erstaunliche Ergebnisse zutage befördert. Denn anders als angenommen, scheint das Rauchen doch gar kein Risikofaktor für eine Covid-19-Erkrankung zu sein. Wie kommt es zu dieser komplett gegenteiligen Erkenntnis?

Macht Rauchen Corona nun schlimmer oder nicht?

Für viele klingt das paradox. Immerhin galten RaucherInnen lange Zeit als Covid-19-Risikogruppe, da sie durch ihren Nikotinkonsum bereits oft angegriffene Lungen und Bronchien haben, die dem Sars-CoV-2-Virus den "Zutritt" erleichtern könnten. Auch ein schwerer Verlauf wäre durch die Vorbelastung möglich.

Doch die Regensburger ForscherInnen kamen nun zu einem völlig gegensätzlichen Ergebnis, wie die Mittelbayerische berichtet. Demnach haben die von ihnen untersuchten RaucherInnen im Durchschnitt einen weniger langen Corona-Verlauf erlebt als Nichtraucher.

Frau raucht
Rauchen ist bekanntermaßen eine große Gefahr für die Gesundheit.(Photo: imago images/Westend61)


Für ihre Studie analysierten sie 1084 Corona-Fälle in der Stadt und dem Landkreis Regensburg. Mit 419 von ihnen führten die WissenschaftlerInnen sechs Wochen nach ihrer Infektion Telefoninterviews durch. Bei 417 der 419 Probanden konnte ermittelt werden, ob sie Raucher sind oder nicht. Dabei ergab sich bereits ein auffälliges Missverhältnis: 50 waren Raucher, 367 Nichtraucher.


Das berichten Raucher von ihrer Covid-19-Erkrankung

Und das, was die RaucherInnen über ihren Krankheitsverlauf berichteten, überrascht ebenfalls. So waren sie laut der Studie meist kürzer erkrankt gewesen als NichtraucherInnen. Zudem waren sie vergleichsweise kürzer symptomatisch. Und wenn sie Symptome wie Geruchs-und Geschmacksstörung, Erkältung und Atemstörungen hatten, waren diese deutlich weniger ausgeprägt als bei NichtraucherInnen.

Wer sich jetzt aber über eine medizinische Sensation freuen will, den müssen wir leider enttäuschen. Denn dass die RaucherInnen eine Corona-Infektion oft als weniger ausgeprägt empfanden, könnte allein an deren Wahrnehmung liegen.

Das zumindest glaubt Dr. Benedikt Lampl, der stellvertretende Sachgebietsleiter für Infektionsschutz des Regensburger Gesundheitsamts. "Raucher leiden ja häufig an Raucherhusten. Das heißt, das ist ein 'Symptom', das die Raucher dauerhaft haben unter Umständen. Sodass ein zusätzlicher Husten durch eine entsprechende Infektion in der eigenen Wahrnehmung gar nicht so ins Gewicht fällt, insbesondere dann, wenn er nur leicht ausgeprägt ist," versucht er das Phänomen zu erklären.

Erfahre im Video, was passiert, wenn du aufhörst du rauchen.

Andere Studien zeigen positiven Effekt des Nikotins

Bereits am Anfang der Pandemie hatte eine Studie des Institut Pasteur und Collège France für Aufsehen gesorgt, die sich ebenfalls mit diesem Thema beschäftigt. Die ForscherInnen fanden heraus, dass von 500 untersuchten Corona-Patienten gerade einmal 5 % RaucherInnen waren. In Frankreich rauchen vergleichsweise viele Menschen. 2017 griffen laut Eurobarometer 35 % regelmäßig zum Glimmstengel, während es in Deutschland 10 % weniger waren.

Die Vermutung hinter dem geringen Anteil an RaucherInnen unter den Covid-19-Kranken: Das Nikotin "dockt" an die Zellrezeptoren an, die auch das Coronavirus als Einfallstor nutzt. Dadaurch das dieses aber besetzt ist, kann Sars-CoV-2 nicht in die Zellen gelangen. Um die Hintergründe genau zu verstehen, müsse noch jedoch eingehend geforscht werden.

Fazit: Raucher können nur bedingt aufatmen

Aufgrund dieser Ergebnisse solltest du aber keinesfalls zum Raucher werden. Denn Zigaretten sind bekanntlich ungesund, daran kann weder die Regensburger Studie noch die der Franzosen etwas ändern. "Die Frage, ob man quasi zum Raucher werden sollte, um sich vor einer Covid-Infektion zu schützen, kann man als Mediziner nur nachdrücklich mit NEIN beantworten", macht Lampl deutlich.

Noch mehr verblüffende Corona-News?

Wer hätte gedacht, dass Corona Hundebesitzer häufiger erwischen kann als andere? Laut einer neuen Studie birgt das Gassigehen tatsächlich eine erhöhte Infektionsgefahr. 

Wer Brille trägt, erkrankt seltener an Corona – diesen merkwürdigen Zusammenhang stellten Forscher jetzt in einer Covid-19-Studie her.


Health