Am 19. Februar 2020 erschoss ein Rassist neun Menschen mit Migrationshintergrund in Hanau, anschließend seine Mutter und sich selbst. Der Anschlag ist rechtsextrem motiviert, genau wie beim Anschlag von Halle. Beide Attentäter teilen ideologische Ansichten und einen Hang zu einem Phänomen, über das wir seit Corona nicht mehr auf die leichte Schulter nehmen können: Verschwörungstheorien & Rechtsextremismus.

Verschwörungstheorien, Extremismus und Rassimus passen gut zusammen. Anstatt aus Hanau zu lernen, wurden Verschwörungstheorien teilweise sogar noch beliebter.

Antirassismus Hanau Anschlag
Verschwörungstheorien & Extremismus passen gut zusammen. Anstatt aus Hanau zu lernen, wurden Verschwörungstheorien beliebter.

Verschwörungstheorien & Rechtsextremismus – Wie passt das zusammen?

In Schriften, auf der Website und in seinem „Manifest“ schreibt der Täter von seinen extrem rechten Gedanken. Es geht um Ausländer, Grob-Säuberung, Fein-Säuberung und Völkermord. Er erzählt von „destruktiven Rassen“ und einem überlegenen deutschen Volk. Rassismus, Chauvinismus, Sozialdarwinismus – fast alle rechtsextremen Ideologieelemente werden angesprochen. 

In einer Täteranalyse und einem Bericht vom Bundeskriminalamt, die allerdings zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen waren, heißt es dennoch, dass Rassismus nicht das Hauptmotiv des Anschlags von Hanau war. Stattdessen ging es ihm um Aufmerksamkeit. Wie kann das sein?

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Ein 27 Meter langes Wandgemälde erinnert heute an die Opfer in Hanau.(Photo: imago images/Ralph Peters)

Verschwörungen der extremen Rechten

Die Ermittler sahen den Ursprung in Verschwörungsdenken. Vom Attentäter von Halle sind zum Beispiel Holocaust-Leugnungen bekannt. Außerdem sah er den Grund für eine „Masseneinwanderung“ im Feminismus, durch den die Geburten sinken würden und hinter all dem stecke seiner Meinung nach „der Jude“.

Auch der Attentäter von Hanau schreibt von geheimen Kräften, Herrschern und Schattenregierungen. Außerdem würde ihn ein Geheimdienst überwachen, in sein Gehirn „einklinken“ und seine Gedanken lesen. Auf seiner Homepage verlinkte er internationale Verschwörungstheoretiker.

Was passiert mit den Verschwörern?

Schenkt man einer Verschwörungstheorie Glauben, verstrickt man sich auch leichter in Weitere, bis hin zur Paranoia. Ihr Ende findet die Gehirnwäsche in extrem Ansichten und Anschlägen. Doch die Entwicklung kann auch umgekehrt stattfinden. Schon seit Jahren reden Neu-Rechte von einer „Umwälzung der Werte“, einem „großen Bevölkerungsaustausch“, der „Islamisierung“ und Ähnlichem. Im rechtsextremen Milieu finden sich die Ursprünge vieler Verschwörungen.

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Die AfD und besonders Björn Höcke, stacheln zusätzlich an.(Photo: imago images/Jacob Schrter)

Studie zeigt: Verschwörungstheorien sind brandgefährlich

Die sogenannte „Mitte-Studie“ der Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt, wie anfällig wir für Verschwörungstheorien sind. Die Studie ist besonders während der Corona-Zeit wichtig, in der wir mit verschwörungstheoretischen Ideen fast täglich konfrontiert wurden. Nach dieser Studie glauben fast die Hälfte aller Deutschen an geheime Organisationen, die auf die Politik Einfluss nehmen. Lobbyist:innen sind damit nicht gemeint.

Laut der Psychologin Pia Lamberty haben Verschwörungstheorien allerdings sogar einen Nutzen. Besonders, wenn man das Gefühl bekommt, dass die Welt aus der eigenen Perspektive zu sehr von Chaos und Zufall bestimmt wird, wie es während Corona öfter mal der Fall war. 

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In unserem Podcast „Wein & Weiber“ haben wir mit einer Coronaleugnerin gesprochen und ihre Beweggründe für ihren Glauben erfahren.

Menschen brauchen Kontrolle und obwohl eine Regierung aus Verschwörer:innen bedrohlich klingt, ist sie doch besser kontrollierbar. Verschwörungstheorien helfen auch gegen Unzufriedenheit. Im Fall der beiden Attentäter verleihen Verschwörungen Einzigartigkeit. Das kann Bedürfnisse kompensieren, bewirkt aber längerfristig nichts. Was ihnen bleibt, ist Gewalt.

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Demonstranten und Anhänger der QAnon-Bewegung tun gern so, als hätte Corona sie in eine Zwangsjacke gesteckt. Sehr metaphorisch.(Photo: imago images/ZUMA Wire)

Verschwörungstheorien & Rechtsextremismus: Mal Ursache, mal Folge

Verschwörungstheorien klingen zwar abstrus, können aber Trittbrett für andere extreme Ansichten sein. Gemeinsam schaukeln Gedanken hoch und können böse Folgen haben.

Das Besorgniserregende: Beides – Verschwörungsdenken und extreme politische Gruppierungen – haben durch Corona Aufwind bekommen. Krisen machen Angst, radikale Lösungen werden beliebter. Das ist allerdings meist nur ein Peak, der in schwierigen Zeiten üblich ist.

Noch mehr Infos?

Welche Corona-Verschwörungstheorien in Umlauf kamen, erfährst du hier.

In einer Studie kam heraus, dass manche Bevölkerungsgruppen anfälliger für Verschwörungstheorien sind. Dazu zählen zum einen Jüngere und Männer. Warum das so ist, liest du hier.

Der Anschlag von Hanau ist ein Jahr her. Was sich seitdem verändert hat, zeigen wir dir hier.