Hier will wohl keiner ins Wasser springen: Das Marmarameer ist in vielen Bereichen mit riesigen Teppichen aus Meeresschleim bedeckt. Die Lust auf einen Ausflug zu den beliebten Prinzeninseln kann einem hier in Istanbul schon mal vergehen. Doch nur der Anblick ist leider nicht das größte Problem. Expert:innen haben eine besorgniserregende Prognose …

Städte am Marmarameer werden den Schleim nicht mehr los

Auf der Wasseroberfläche des kleinen Meeres im Süden der Millionenmetropole Istanbul sammelt sich immer mehr Schleim, der in der englischen Presse als „Meeresrotze“ und von den Türk:innen zumindest etwas abgeschwächter als „Meeresspeichel“ bezeichnet wird.

Dieser Schleim vor der Küste der Türkei besteht aus einer Ansammlung von Mikroorganismen. Neu ist das Phänomen nicht, aber das Ausmaß der Verbreitung überrascht selbst Expert:innen. Sie führen das Problem auf Umweltverschmutzung zurück.

Darum verbreitet sich der Schleim vor der Küste der Türkei

Die in der „Meeresrotze“ enthaltenden Mikroorganismen verbreiten sich besonders gut, wenn nährstoffreiches Abwasser ins Meer gelangt. Zudem begünstigt der Anstieg der Wassertemperatur das Wachstum des Schleim-Teppichs. Das passt zu dem was die Züricher Zeitung berichtet: „Fast alle Abwässer dieser Großregion fließen ins Marmarameer, ein beträchtlicher Teil davon, ohne vorschriftsgemäß gesäubert zu werden“, heißt es hier. „Zudem ist das Wasser zwei bis drei Grad wärmer als noch vor einigen Jahrzehnten.“

Und das Schlimmste: Der Schleimteppich sieht nicht nur eklig aus, er bedroht auch das Leben im Wasser. Sinkt die „Meeresrotze“ ab, kann er für Lebewesen wie Schwämme, Muscheln und Korallen, die durch die Schleimdecke keinen Sauerstoff mehr bekommen, tödlich enden. Vielerorts wurde zudem ein größeres Fischsterben beobachtet.

Das muss jetzt in der Türkei passieren

Doch wie sollen die Türk:innen dem von Menschen verursachten Problem Herr werden? Der Meeresbiologe Bayram Öztürk sagte der Deutschen Welle, das das Meer vom Algenschleim gesäubert werden muss. In der Bucht von Izmit ist dies bereits geschehen. Unglaubliche 110 Tonnen Schleim sammelten sie ein.

Dieser unansehnliche Schleim entwickelt sich zu einer richtigen Plage. Credit: Imago/ZUMA Wire

Der Hydrobiologe Levent Artuz machte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters deutlich: „So lange wir (Menschen) so weitermachen, macht es keinen Sinn, andere Dinge zu erwarten. Wir werden weiterhin solche Katastrophen erleben.“

Heißt: Auch in anderen Regionen, wo die Bedingungen die der Türkei ähneln, könnte es bald zu ähnlich großen Schleim-Teppichen kommen. Viele werden wohl erst dann aufwachen, wenn die Mehrzahl der Strände mit so einem Schmodder bedeckt ist …

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