Gestern ging mal wieder ein Raunen durch Deutschland, denn einmal mehr gab es einen rassistischen Angriff an einem öffentlichen Ort. Erst vor kurzer Zeit haben wir davon berichtet, wie jemand das N-Wort in einer Aldi-Filiale nutzte.

Rassismus in der S-Bahn: Was war passiert?

In einer Straßenbahn in Erfurt griff ein 40-jähriger Deutscher einen 17 Jahre alten Syrer an. Offenbar ging es bei dem Streit um eine Banalität: Den Sitzplatz in der Bahn. Dann schleuderte der Deutsche dem Syrer rassistische Beleidigungen entgegen und danach wurde er sogar handgreiflich. Die Szenerie wurde gefilmt und dann bei Instagram hochgeladen.

Im Video wird der Rassismus offensichtlich: „Du Drecksvieh“, schreit er.Du kommst hier in mein Landundverpiss dich einfach dahin, wo du herkommst, du dreckige F*tze„. Das sind seine Worte. Der junge Syrer antwortet unverständlich und bleibt einfach nur ruhig auf seiner Sitzbank sitzen.

Danach ruft der Deutsche: „Mach einfach deinen Kopf runter das nächste Mal, wenn ich vor dir stehe“ und tritt auf Kopf und Oberkörper des jungen Syrers ein. Er klaut sein Handy vom Boden und wirft es auf den Boden.

Nach dieser schrecklichen Tat sagt eine Frau, die neben dem Mann steht „Denk an die Kamera.“ Eine unfassbare Frechheit. Für uns von wmn ist er sogar fast noch schlimmer als die Beleidigungen des Mannes zuvor. Warum? Weil der Satz  unterschwellig andeutet, dass der Mann nun nicht damit beginnen solle, etwas Unrechtes zutun, da ja eine Kamera mitfilme. Ein Satz, der eine gewisse Normalität in die rassistische Gewalt bringt.

Nachdem der Mann und die Frau die Straßenbahn gemeinsam verlassen, ist klar, dass sie die Gesetze des menschlichen Zusammenlebens und sogar das Grundgesetz gebrochen haben.

Das rassistische Video wurde übrigens von Instagram gelöscht. Kommentarlos.

Wie gehen wir mit dieser Tat am besten um?

Der Autor Mohammed Amjahid (Der Weiße Fleck) ordnet den Vorfall auf seinem Instagram-Kanal ein. Seiner Meinung nach ist es zwar sehr gut, dass wir bei Social Media über solche Vorfälle wie den in der Erfurter Bahn direkt informiert werden, doch auch wir müssten damit umgehen lernen. Seine 8-Punkte-Liste zu einem besseren Umgang mit Vorfällen, die auf Social Media geteilt werden, gibt es hier:

1. INFORMIEREN: Bevor ein schneller (manchmal basic) Kommentar gepostet wird, sich eine kurze Runde Suchmaschine gönnen. Noch besser: Auf verifizierten Accounts von Medien oder Journalist*innen ruhig auch die Beschreibung zu Videos oder Bildern lesen, auch die Links zu entsprechenden Artikeln anschauen. Bitte auch nicht wild mutmaßen.

2. CONTENT ANSEHEN: Bevor man etwas kommentiert oder teilt sollte man sich den entsprechenden Beitrag (Videos oder Bilder oder Texte) komplett anschauen.

3. SICH SELBST SCHÜTZEN: Es ist okay, wenn von Rassismus betroffene Menschen sich die entsprechenden Inhalte nicht anschauen. Ich achte selbst in Zukunft mehr darauf, noch deutlichere Triggerwarnungen einzubauen, als sonst schon praktiziert. Der Algorithmus von Instagram und Co schaltet bei entsprechenden Inhalten eine Verifizierung vor.

4. SUPPORT HOLEN: Wenn einem der Content nahe geht, im Umfeld oder professionelle Unterstützung holen und darüber reden. Du bist nicht allein.

5. TEILEN: Solche Gewaltattacken sind Alltag, dagegen sollte politisch vorgegangen werden. Wenn Opfer und Betroffene nicht identifizierbar sind, wird ihre Würde durch die Veröffentlichung deswegen nicht verletzt und wenn die Inhalte verifiziert sind, kann der Inhalt aus politischen Gründen geteilt werden. Verantwortliche taggen.

4. SCHWEIGEN: Wenn man nix Substanzielles beizutragen hat, einfach nix sagen.

5. SPENDEN: An Organisationen, die sich gegen rassistische Gewalt einsetzen. Listen gibt es im Netz, eine steht in meinen Highlights.

6. GHOSTEN: Nazis und Lauchs in den Kommentaren wenn es geht ignorieren. Mir fällt es auch manchmal schwer, aber sie haben wirklich Null Attention verdient.

7. MODERIEREN: Wenn möglich problematische Kommentare unter dem eigenen Post löschen, User muten oder blocken. Es gilt das Hausrecht auf dem eigenen Account.

8. WEITER INFORMIEREN: Ein Fall ist nicht abgeschlossen weil jemand etwas gepostet hat. Sich weiter informieren und im Rahmen der Möglichkeiten engagieren ist also wichtig.

Rassismus ist in Deutschland ein systematisches Problem. Auch wenn uns die Einzelfälle immer wieder mit schrecklicher Realität einholen.

Was ist eigentlich positiver Rassismus? Wir zeigen dir, wie du damit umgehst und warum er gar nicht so unvermeidbar ist wie er scheint.

Die größten Rassisten der Geschichte waren zusätzlich noch große Prominente in der Öffentlichkeit. Hättest du gewusst, wie fremdenfeindlich deine Helden der Kindheit waren?