Fast 70 Prozent der Deutschen wollen sich impfen lassen, sobald sie die Möglichkeit haben. Das ergab eine aktuelle Forsa-Umfrage. Bei Migrant:innen wäre die Impfbereitschaft wohl deutlich geringer ausgefallen. Denn laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sei bei ihnen die Akzeptanz für eine Impfung gering. Warum das so ist und wieso Migranten in der Corona-Krise die Leidtragenden sind, liest du hier.

„Heraussforderung,bei Migranten für Impfung zu werben“

In einer Präsidiumssitzung der CDU sprach Spahn nun offen über ein großes Problem in der Impfoffensive „Es ist eine große Herausforderung, bei Migrant:innen für Impfung zu werben“, sagte nach Informationen der Bild-Zeitung. Im Interview mit der Welt bekräftigt Spahn seine Aussage noch einmal: „Wenn in dem Heimatland oder dem Land, wo die Familie herkommt, Impfen nicht so populär ist, dann ist es auch manchmal hier so.“ So würde die Bundesregierung versuchen ebendiese „durch Information zu adressieren“. Während der ganzen Pandemie habe man in 20 Sprachen kommuniziert.

Allerdings ginge es laut Spahn nicht nur um den kulturellen Hintergrund, sondern auch die soziale Lage. So möchte man diejenigen erreichen, an die man sonst nur schwer herankommt. „Zielgerichtet bei Social Media, zielgerichtet durch Kampagnen in bestimmten Stadtteilen, zielgerichtet auch möglicherweise in Kooperation mit den Geistlichen, der russisch-orthodoxen Kirche oder den Imamen, also genauso wie mit den katholischen Priestern.“

Warum sich gerade Migrant:innen impfen lassen sollten

Dass gerade bei Migrant:innen für die Impfung geworben werden muss, machte bereits Lothar Wieler, der Präsident des Robert-Koch-Instituts im März deutlich. Demnach hätten mehr als 50 Prozent der Corona-Patienten auf den Intensivstationen einen Migrationshintergrund.

Laut Düzen Tekkal liegt das aber nicht nur an der Sprachbarriere. Sie erklärte in der Bild-Zeitung, dass die Lebens- und Arbeitsbedingungen vieler Migrant:innen und Menschen mit Migrationshintergrund zu den überdurchschnittlichen Corona-Fallzahlen führen würden. „Ein großer Teil der Deutschen mit Zuwanderergeschichte ist im Dienstleistungsgewerbe tätig, in Fleischfabriken, in den Krankenhäusern. Viele können nicht auf Homeoffice zurückgreifen.“ Viele seien laut der Journalistin finanziell nicht in der Lage, auf öffentliche Verkehrsmittel zu verzichten.

Migrant:innen sind in der Corona-Krise die Gelackmeierten

Seit Beginn der Coronakrise sind Gastronomiearbeiter:innen und Migrant:innen besonders wirtschaftlich betroffen. Die Gastronomie musste an vielen Stellen komplett geschlossen werden und selbst wenn viele Betriebe zwischenzeitlich wieder die Arbeit aufgenommen haben, heißt das noch lange nicht, dass auch alle ehemaligen Mitarbeiter:innen ihre Jobs zurückbekommen. An jeder Ecke muss gespart werden.

Im Juni 2020 waren ganze 1.200 Firmen in Kurzarbeit, viele Angestellte wurden aber auch direkt gekündigt. Vor allem die Zahl der Arbeitslosen der unter 25-jährigen stieg in dieser Zeit steil an. Da wir mitten in der dritte Welle stecken und auch für den weiteren Verlauf des Jahres gute Hygienekonzepte und wenige gastronomische Experimente auf dem Plan stehen, werden auch Migrant:innen weiterhin mehr unter der Krise leiden müssen als die meisten anderen.

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Migranten haben meist Jobs, die wenig Geld bringen. Beispielsweise als Küchenhilfe.(Photo: imago images/Hans Lucas)

Man kann niemandem einen Vorwurf machen

Kein Hotellier und keine Restaurantchefin kann in diesen Zeiten dafür sorgen, dass die Migrant:innen nicht übermäßig unter den Folgen der Corona-Krise leiden. Immerhin finden sich die meisten gerade in einer sehr hilflosen Position wieder. Anfang September 2020 sahen die Zahlen folgendermaßen aus:

  • Hotellerie: 43 % mehr Arbeitslose als im Vorjahr
  • Gastronomie: 48 % mehr Arbeitslose als im Vorjahr
  • Speisenzubereitung: 31 % mehr Arbeitslose als im Vorjahr

 

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