Macht Corona impotent? Immer mehr Patienten klagen über Erektionsstörungen nach einer Infektion. Eine Studie scheint dieses Phänomen jetzt zu bestätigen …

Ja, wir können wohl nach einem Jahr Pandemie fast alle im Schlaf die bekannten Symptome eine Covid-19-Infektion runterrasseln: Husten, Fieber, Schnupfen und Geruchs- und Geschmacksstörungen. Aber Erektionsstörungen? Tatsächlich haben immer mehr Männer den Verdacht, dass Corona impotent machen könnte. Das scheint nun auch eine Studie aus Italien zu belegen.

Corona macht impotent – das ist dran

Im Journal of Endocrinological Investigation wurde bereits im Sommer 2020 eine Studie veröffentlicht, die untersucht, inwiefern Corona impotent machen könnte. In diesem Jahr wurde sie noch einmal überarbeitet und gibt Aufschluss über einen Zusammenhang von Covid-19 und Erektionsstörungen. Ihre Schlussfolgerung: „Ehemals Corona-Erkrankte können sexuelle und reproduktive Gesundheitsprobleme entwickeln.“ Im Klartext: Corona kann tatsächlich impotent machen.

„Erektionsstörungen können ein Indikator für die allgemeine Gesundheit sein“, erklärt der Urologe Ryan Berglund gegenüber dem Medizin-Magazin health essentials. „Besonders für junge und gesunde Menschen, die plötzlich eine Erektionsstörung entwickeln. Insbesondere nach COVID-19 kann dies ein Zeichen für etwas Ernsthafteres sein.

Auch andere Mediziner vermuten einen Zusammenhang von Impotenz & Corona

Schon Ende vergangenen Jahres sorgte ein Interview mit der Medizinerin Dr. Dena Grayson im US-amerikanischen Fernsehen auch hierzulande für Aufsehen. Die Forscherin sagte dem Sender NBC, dass eine Corona-Infektion auch Begleiterscheinung haben kann, an die wohl keiner gedacht hätte. 

„Eines der Langzeitfolgen kann eine erektile Dysfunktion sein“, erklärte sie und meint mit dem Begriff nichts anderes als eine Erektionsstörung. „Wir wissen bereits, dass es Probleme mit den Blutgefäßen gibt. Das ist etwas, das uns wirklich Anlass zur Sorge gibt“, so die Ärztin weiter. Schlimmstenfalls, so Grayson, könne es zu lebenslangen Einschränkungen der Sexualfunktion kommen.

Das Interview der Ärztin mit dem Sender NBC.

Auch hierzulande berichteten Mediziner über dieses Phänomen. So auch Prof. Dr. Gernot Rohde von der Post-Covid-Ambulanz am Uniklinikum in Frankfurt am Main, der in dem Podcast Coronavirus-Update vom NDR, über das Thema Potenzstörungen sprach: „Das ist etwas, was man nicht primär nach einer Atemwegsinfektion vermutet, was aber ein durchaus relevanter Anteil der Patienten uns geschildert hat.“

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Auch Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt am Main und Kollegin von Chef-Virologen Christian Drosten in dem Podcast Coronavirus-Update, machte deutlich, dass es sich bei Covid-19 nicht um nicht eine reine Lungenerkrankung handele, sondern um eine sogenannte multisystemische Erkrankung. Das bedeutet, dass die unterschiedlichsten Systeme des Körpers, wie z. B. Organe, das Nervensystem, die Gelenke und das Gewebe betroffen sein können.

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Wie lange können die Erektionsprobleme anhalten?

Noch ist unklar, bei wie vielen Männern diese Langzeitfolge tatsächlich auftritt. „Wir sind jetzt aber für das Thema sensibilisiert und werden proaktiv danach fragen“, erklärte Prof. Dr. Gernot Rohde gegenüber RTL.

Auch über die Dauer der Potenzprobleme kann der Mediziner noch keine Aussage treffen. „Unsere allgemeine Beobachtung ist aber, dass sich auch nach längerem Bestehen Symptome noch zurückbilden können. Wirkliche ‚Langzeiterfahrungen‘ haben wir ja bei keinem Symptom, sodass die Einschätzung aktuell schwerfällt,“ so der Mediziner weiter.

Fazit zu Corona & Impotenz: Vieles ist noch unerforscht

Laut Dr. Berglund gibt es Studien, die einen Zusammenhang von Corona und Impotenz nahelegen. „Jedoch ist es zu früh, um genau zu sagen, welche Langzeiteffekte genau vorliegen„, sagt der Mediziner weiter „Wir wissen, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, wie das Virus eine erektile Dysfunktion verursachen kann, aber es sind noch viel mehr Forschung erforderlich, bevor wir Genaueres wissen.“

Übrigens: Auf verschiedenen Websites können Betroffene Hilfe erhalten. So gibt es beispielsweise unter Impotenz Selbsthilfe die größte Datenbank an Kliniken, Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen für Männer, die unter einer erektilen Dysfunktion leiden.

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