Indien hat sich derzeit die größte Aufgabe der Welt zugeschrieben – und das ist nicht einmal übertrieben! Unter Hochdruck wird gerade an de Corona-Medikament Covaxin geschraubt, gebastelt und geforscht. 

Balram Bhargava, der Direktor des Indian Council of Medical Research, hatte die ersten Tests mit dem neuartigen Impfstoff bereits am 07. Juli in die Wege geleitet. Am 15. August solle der erste Corona Impfstoff dann bereits auf den Markt geschmissen werden. 

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Bei Impfungen hat Indien oft die Nase vorn: Hier in Kalkutta. Auch bei der Corona Impfung könnten sie die Ersten sein.(Photo: imago/imagebroker)

Corona Impfstoff ungeachtet aller Risiken?

Für die meisten Wissenschaftler ist diese kurze Testphase ein Witz und die Art und Weise, wie in Indien mit der Gesundheit der Menschen gespielt wird, grob fahrlässig. Normalerweise durchläuft die Testphase eines neuen Medikaments drei wichtige Phasen. Die dritte Phase dauert dabei mehrere Jahre. Dieser Tage sind es gerade einmal 6 Wochen.

Frau mit Corona Impfstoff
Bis zum Impfstoff sollen Antikörpertests aushelfen. Diese sind allerdings nicht fehlerfrei.(Photo: shutterstock.com/Alexandru Nika)

Auch andere Länder kürzen die Testphasen drastisch ab

Die Studien mit dem Impfstoff Covaxin werden ausschließlich an Freiwilligen durchgeführt. Dass das nicht ausreichen kann, um Patienten die nötige Sicherheit zu gewährleisten, ist nun klar. Derzeit grassieren aber bereits 15 verschiedene Impfstoffe. 

Auch das Biotech Unternehmen BioNTech ist gerade dabei bis zu 30.000 Menschen zu testen. Auch wenn die Ergebnisse bis dato positiv sind, ist das aber noch kein Grund direkt mit der Massenproduktion zu beginnen. Denn die Wirkung des Impfstoffes sollte die Chance haben über längere Zeit im Körper zu wirken bevor es auf die Menschheit losgelassen wird.

New Delhi neu delhi indien corona test
Neu-Delhi kümmert sich so gut wie möglich um die Coronatests.(Photo: imago images/Hindustan Times)

Warum Indien den Impfstoff dringend braucht

Indien ist noch immer eines der ärmsten Länder Welt. In den Großstädten leben unfassbar viele Menschen auf engstem Raum zusammen. Für viele sind im Alltag Abstands- und Hygieneregeln nicht einzuhalten. Logischerweise sind die Corona-Infektionszahlen in den letzten Wochen rapide angestiegen. 

Fast 2 Millionen Coronafälle sind bereits hier registriert. Die Dunkelziffer könnte noch höher sein, denn das riesige Land ist nicht einfach zu überwachen.

Schon allein deswegen hat der Subkontinent ein großes Interesse daran, den Impfstoff zu erfinden. Die Corona-Pandemie hat in den letzten Monaten gezeigt, dass Staaten, wenn es ums Eingemachte geht, nicht unbedingt solidarisch miteinander agieren. Wir erinnern uns an April, wo Trump eine riesige Lieferung Mundschütze in sein Land umgeleitet hat.

Indien könnte den Kürzeren ziehen, wenn es um die Belieferung mit einem Imfpstoff aus dem Ausland geht. Zudem könnte ein Impfstoff-Patent sehr rentabel für seine Inhabenden sein. Wer also zuerst auf die Zauberformel kommt, der gewinnt.

Einen Impfstoff gegen den Coronavirus zu finden stellt sich als viel schwieriger heraus als man annehmen würde. Die Forscher und Wissenschaftler der Welt stehen täglich vor neuen Problemen, die die Impfstoffentwicklung mit sich bringt. Die wichtigsten Fragen klärt das RKI gewissenhaft.

Wie steht es um die Konkurrenz?

Die WHO spricht ingesamt von 165 (Stand 31.07.2020) verschiedenen Impfstoffprojekten, die aber zum großen Teil nicht gegeneinander, sondern einander zuarbeiten und viele Informationen teilen.

Firmen wie BioNTech, Moderna, Sinovac Biotech, das Wuhan Institute of Biological Products und die Oxford University befinden sich bereits in der berühmt-berüchtigten Testphase 3 und lassen ihren Impfstoff auf die ausgewählte Teile der Bevölkerung los.

Die Erprobung von Impfstoffkandidaten am Menschen ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu sicheren und wirksamen Impfstoffen gegen Covid-19 für die Bevölkerung in Deutschland und darüber hinaus.

– Paul-Ehrlich-Institut

impfen labor
Wie weit ist eigentlich der Corona Impfstoff?

Wann wird der Impfstoff voraussichtlich kommen?

Der Medizinexperte Dr. Specht schließt im Interview nicht aus, dass bis zum Ende des Jahres ein flächendeckender Impstoff unter die Menschen gebracht werden wird. Um das zu erreichen, werden allerdings gerade einige Studien und Genehmigungsverfahren im Schnelldurchlauf durchgezogen. Das kann gut gehen. Aber:

„Es könnte z.B. passieren, das der Impfstoff nach der Probe nicht vor einer Reinfektion schützt. Oder das ältere Menschen, die ja zur Corona-Risikogruppe gehören, den Impfstoff schlecht vertragen und mit starken Nebenwirkungen zu kämpfen haben.“ so Dr. Specht.