Impfungen durch Belohnungen ankurbeln? Das geht. Bei uns auch? Deutschland steht sich bei der Impffrage derzeit selbst im Weg, so berichteten es die Tagesthemen (22:15 Uhr) vom 24.02.2021: Die Coronakrise soll zwar mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln ausgebremst werden, doch Virolog:innen und Krankenhausmitarbeitende stoßen vermehrt auf Gegner des Astrazeneca-Impfstoffes. Dieser Impfstoff wird bereits großflächig als “Ladenhüter” bezeichnet. Viele Menschen haben Vorurteile gegen den Vektorimpfstoff, der unter dem Vorurteil leidet, von Laien als weniger wirksam eingestuft zu werden als alle anderen Impfstoffe.

Der Leiter des Kölner Impfzentrums spricht davon, dass von 500 täglich vergebenen Impfterminen teilweise über 380 nicht wahrgenommen werden. Bisher wurden nur 15 % des in Deutschland angekommenen Impfstoffes verimpft. Von 1,45 Millionen Dosen konnten nur gut 240.000 Dosen verimpft werden.

Wir haben in Deutschland zu wenig Impfstoff und gleichzeitig zu viel.

– Karen Mioska (Tagesthemen vom 24.02.2021)

Die Tagesschau bezeichnet dieses Verhalten der Deutschen als ungerechtfertigt, da Astrazeneca bereits als genauso wirksam wie andere Impfstoffe gelte. Eine schottische Studie hat vor Kurzem ergeben, dass er bis zu 94 % Wirksamkeit verspricht.

Belohnung, ja oder nein? Das Problem mit dem Imfpstoff in Deutschland

Das Impfproblem scheint sich in Deutschland also nicht nur auf die mangelnden und nicht ausreichenden Impfstoffbestellungen zu belaufen, sondern sie sitzen durchaus tiefer. Das Vertrauen in die Impfstoffe fehlt teilweise flächendeckend. 

Isreal macht alles anders. Dort wurden bereits 4,5 Millionen Menschen geimpft. Knapp 3 Millionen Menschen haben bereits eine Zweitimpfung erhalten. Das ist fast die Hälfte der 9,4 Millionen starken Gesamtbevölkerung. Wie hat Israel das geschafft? Teilweise durch Anreize, die sie der Bevölkerung mit Abschluss der Impfung verspricht. Diese Belohnungen bei Impfung werden immer kreativer:

  • grüner Pass, um wieder bei Veranstaltungen teilnehmen zu können oder ins Fitnessstudio zu gehen
  • Shoppingmalls und Bibliotheken konnten wegen der hohen Impfquote wiedergeöffnet werden
  • Für die Geimpften gab es teilweise Pizza, Hummus oder einen leckeren Drink als Belohnung
  • Die 5 Ikea-Filialen des Landes wurden kurzzeitig zum Impfzentrum, so konnte man sich vor oder nach dem Shoppen mal eben impfen lassen
  • Trotzdem gelten für alle, Geimpfte wie Nichtgeimpfte, Abstands- und Hygieneregeln

Welche Belohnungen sollten in Deutschland bei einer Impfung winken?

Kann diese Belohnungsmasche auch in Deutschland dazu führen, dass mehr Menschen sich impfen lassen wollen? Wenn man sich den heutigen Stand der Impfverdrossenheit gegen den Wirkstoff von Astrazeneca anschaut, tendiert man wohl eher zu “Nein, die Deutschen können nicht mit Belohnungen überzeugt werden.” Doch viele Experten haben sich bereits intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt. Diese Belohnungen wären auch in Deutschland möglich:

Ein grüner Pass: Cool oder diskriminierend?

Ein grüner Pass wie es ihn in Israel gibt, trifft in Deutschland noch immer vermehrt auf Widerspruch. Auch wenn es für Geimpfte ein schöner Anreiz sein kann, nach der Impfung wieder ins Schwimmbad oder ins Fitnessstudio gehen zu können. Bei Impfgegnern ist die Angst vor einer wachsenden Zwei-Klassen-Gesellschaft groß.

Der Medizinethiker Julian Savulescu von der britischen Universität Oxford sprach schon Ende des Jahres 2020 im Fachblatt „Journal of Medical Ethics“ von Impfbelohnungen.

Bei allen Impfungen gibt es Nebenwirkungen. Diese sind die häufigsten.

Bezahlung für die Impfung?

Sein Vorschlag ist es vor allem, die Menschen für die Impfung zu bezahlen. Die Vorteile einer Bezahlung lägen auf der Hand, denn es sei um Einiges günstiger als das Kurzarbeitergeld in Deutschland zu bezahlen.

Es wäre wirtschaftlich sinnvoll, den Menschen eine Menge Geld zu zahlen, damit sie sich schnell impfen lassen. Das würde auch ihre vollständige Rückkehr an den Arbeitsplatz beschleunigen.

Julian Savulescu

Was macht Pizza mit dem Gehirn?

Es hat sich aber gezeigt, dass kleine Belohnungen ein echter Förderer der Impfungen sind. In Isreal wurde vielerorts Pizza an die Geimpften verteilt. Das könnte auch in Deutschland klappen. Selbst kleinste Belohnungen sprechen unser Belohnungszentrum im Gehirn an und setzen dort den Botenstoff Dopamin frei. 

Um Dopamin freizusetzen, muss man die Belohnung aber nicht unbedingt bereits bekommen haben. Selbst die freudige Erwartung selbiger setzt eine Reihe von Kettenreaktionen in Gang. Das Ergebnis sind Glückserwartungen. Bei diesen Erwartungen wird auch Serotonin freigesetzt, ein beruhigender Botenstoff. Er befriedigt und macht “glücklich”. 

Dass sich das Belohnungsgefühl bereits vor dem Erhalt der eigentlichen Belohnung einstellt, könnte auch bei der Impfproblematik eingesetzt werden. Ähnlich wie in Israel könnte Deutschland die Impfpatienten mit leckerem Essen oder Ähnlichem “ködern”, um ihr Belohnungszentrum im Gehirn anzusprechen.