Seit nunmehr einem Dreivierteljahr leben wir mit der Pandemie. Das bedeutet vor allem eins: Jede Menge Einschränkungen hinnehmen. Essen im Restaurant, aufs Konzert gehen, mit Freunden eine Party schmeißen, einen Kurztrip machen – das alles geht gerade nicht. Stattdessen sitzen wir zu Hause und hängen auf der Couch rum, suchten eine Serie nach der anderen und langweilen uns. 

Doch war unser Leben vor Corona wirklich so viel spannender? Nein, sagt jetzt zumindest eine Studie von VuMA, der Arbeitsgemeinschaft Verbrauchs- und Medienanalyse. Denn laut der Auswertung unterscheidet sich unser Freizeitverhalten VOR Corona kaum von dem WÄHREND Corona. Sind die vielen Einschränkungen letztendlich also gar nicht so schlimm? Wir haben uns die Studie mal genauer angesehen.

Einschränkungen nur subjetiv ein Problem?

In der Markt-Media-Studie von 2019 wurden über 23.000 Interviews mit der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren zu ihrem Konsumverhalten geführt. Unter anderem wurden auch die Freizeitaktivitäten abgefragt. Und siehe da, unter den 15 häufigsten Freizeitbeschäftigungen vor der Pandemie sind auschließlich Dinge vertreten, zu denen wir auch jetzt im Lockdown verdammt sind. Aber schaut selbst:

Top 15 Freizeitbeschäftigungen vor der Pandemie*

  1. 90,0 % Fernsehen
  2. 73,6 % Radio hören
  3. 67,2 % Im Internet surfen
  4. 58,7 % Zeitung lesen
  5. 56,3 % Mit anderen über Soziale Netzwerke kommunizieren
  6. 50,7 % Kochen
  7. 39,5 % Zeitschriften lesen
  8. 31,8 % Musik hören
  9. 24,8 % Spazieren gehen
  10. 17,8 % Besuche machen, Besuch haben
  11. 16,9 % Bücher lesen
  12. 16,8 % Sport treiben
  13. 15,4 % Etwas mit (Enkel-)Kindern unternehmen 
  14. 14,1 % Filme & Serien ansehen (Stream, DVD & Blu-Rays)
  15. 12,9 % Fotografieren

*mehrmals die Woche

Wir wissen ja nicht, wie es dir geht, aber liest sich diese Liste nicht, wie die Top 15 der Dinge, die wir in unserer Freizeit während Corona am meisten getan haben? Aber wenn dem so ist, warum sind wir dann alle so unzufrieden und wollen unser altes Leben zurück?

Um darauf zu antworten, müssen wir noch etwas tiefer in die Materie eintauchen. Denn, wie so oft, steckt der Teufel im Detail. 

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Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast 

Um herauszufinden, ob das tatsächlich unsere Lieblingsbeschäftigungen im Jahr 2019 waren, lohnt ein genauer Blick. Denn die Aufgabenstellung der Studie an die Probanden heißt konkret: „Hier stehen einige Freizeitbeschäftigungen. Geben Sie bitte zu jeder Tätigkeit anhand dieser Einteilung an, wie oft Sie dazu kommen.“

Und da haben wir es schon! Natürlich kommen wir im Alltag öfter dazu, Fernzusehen oder uns durch Social Media-Accounts zu scrollen. Ein Restaurantbesuch oder Ausgehen ist für die wenigsten von uns mehrmals die Woche drin. Das wird auch bei der Auflistung deutlich.

Alkoholverzicht: Was bringt das
Feiern gehen haben wir gefühlt schon Jahre nicht mehr richtig gemacht.(Photo: Shutterstock/ Jacob Lund)

Denn in der obigen Top 15 haben die Probanden die Freizeitaktivitäten angegeben, zu denen sie „mehrmals pro Woche“ kommen. Bei dem Zeitfenster „mehrmals im Monat“ tauchen schon ganz andere Antworten auf.

Top 15 der häufigsten Freizeitbeschäftigungen vor der Pandemie*

  1. 55,4 % Besuche machen, Besuch haben
  2. 35,9 % Zeitschriften lesen
  3. 32,6 % Ausgehen (Restaurant, Gaststätte, Kneipe)
  4. 31,1 % Spazieren gehen
  5. 27,2 % Fotografieren
  6. 25,6 % Musik hören
  7. 23,8 % Schaufensterbummel / Shoppen
  8. 22, 4 % Etwas mit (Enkel-)Kindern unternehmen
  9. 21,7 % Sport treiben
  10. 21,1 % Filme & Serien ansehen (Stream, DVD & Blu-Rays)
  11. 21,1 % Bücher lesen
  12. 20,4 % Fahrrad fahren
  13. 15,6 % Zeitung lesen 
  14. 12,5 % Ausgehen (Disco, Clubs)
  15. 12,2 % Radio hören

*mehrmals im Monat

Hier ist deutlich zu erkennen, dass wir vor Corona zumindest mehrmals im Monat ausgegangen sind, sei es in ein Restaurant oder auch mal in einen Club. Auch Shoppen stand relativ häufig auf dem Programm. Getoppt wird das alles nur von den Besuchen unserer Lieben. Und gerade hier mussten wir in den letzten Monaten starke Einschränkungen hinnehmen. Das zeigt auch eine aktuelle Umfrage der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen. Demnach vermisst in Zeiten der Corona-Pandemie rund die Hälfte aller Bundesbürger am meisten den Kontakt zur Familie, zu Freunden und Nachbarn.

Fazit: Die Einschränkungen sind da, aber …

Doch was lernen wir nun aus diesen Zahlen? Ganz so aktiv wie wir vielleicht meinen, sind wir im Alltag dann doch nicht. Zumindest verbringen wir den größten Teil unserer Freizeit zu Hause – ob nun gerade Lockdown ist oder nicht.

Trotzdem fehlt den meisten einfach der Kontakt zu anderen. Die Einschränkungen sind zweifellos da, das Empfinden, wie stark sie uns tatsächlich in unserem Leben einengen, ist eine sehr subjektive Wahrnehmung und hängt stark davon ab, wie aktiv man bereits vor der Pandemie war.

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